Seltenes Jubiläum

Der Pfrontener Joe Mörz dirigiert seit 50 Jahren

Mörz einst

Im Frühling 1971 absolvierte Joe Mörz als Leiter der Jugendkapelle sein erstes Konzert als Dirigent.

Bild: Mörz

Im Frühling 1971 absolvierte Joe Mörz als Leiter der Jugendkapelle sein erstes Konzert als Dirigent.

Bild: Mörz

Ans Aufhören denkt der Dirigent der Harmoniemusik Pfronten aber noch nicht. Wie er einmal an einem Abend an zwei Orten gleichzeitig wirkte.
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Von Erwin Kargus
10.07.2021 | Stand: 12:00 Uhr

Joe Mörz ist eine markante Persönlichkeit mit feinem Gespür dafür, was dem Publikum gefällt. Er feiert jetzt ein seltenes Jubiläum: Seit 50 Jahren dirigiert er die Pfrontener Harmoniemusik – und will weitermachen. Er kann sich noch an vieles aus seiner langen Laufbahn erinnern, etwa eine musikalische Reise nach Kuba, einen Auftritt vor Franz Josef Strauß, die Eröffnung des Alpenbades sowie wie Lisa und Rosi Menzel als erste Musikantinnen die Harmonie bereicherten.

Am Anfang war das Flügelhorn

1951 in Pfronten geboren legte Mörz seine Musiklehrerprüfung am Richard-Strauß-Konservatorium in München ab und war als Mittelschullehrer bis zur Pensionierung in Pfronten tätig. Mit neun Jahren bereits nahm er Akkordeonunterricht bei Martin Heer und erlernte im Füssener Gymnasium Trompete und Flügelhorn. Mit 15 Jahren stieß er zur Pfrontener Harmoniemusik als Flügelhornist. 1971 war für die Pfrontener Harmonie ein Jahr des Umbruchs. Joe Mörz packte die Gelegenheit beim Schopf und leitete als neuer Dirigent erstmals im Frühjahr 1971 ein Konzert mit der Jugendkapelle. Seitdem ist unendlich viel passiert. Anlässlich eines „Oktoberfestes“ in Kuba reiste er mit einer Musikabteilung dorthin, zweimal besuchte seine Kapelle die Steiermark, sie waren in Niedersachsen und an der Mosel zu Gast, vor dem Augsburger Bischof durfte er ebenso dirigieren wie vor Ministerpräsident Franz Josef Strauß zu dessen Besuch bei der Firma Maho in Pfronten. Bei der Standortfindung des heutigen Kurpark-Pavillons wirkte er mit. Mit Freude denkt er an das vom ihm verantwortete Bezirksmusikfest 1977 in Pfronten zurück. Das dörfliche Leben in Pfronten gestaltet seine Harmonie regelmäßig beim Frühjahrskonzert, an Fronleichnam, beim Weihnachtskonzert mit den Chören und bei unzähligen Standkonzerten im Kurpark mit. Für den guten Ton im Dorf sorgte sie aber auch bei der Viehscheid, für den er den „Pfrontener Viehscheidmarsch“ komponierte, bei Firmen- und Vereinsjubiläen sowie, wenn die aktiven Musikanten privat etwas zu feiern hatten oder verstarben. Der staatlich anerkannte Dirigent war zeitweise auch Leiter der Sing- und Musikschule Pfronten.

Corona legt die Musik lahm

„Corona legte von jetzt auf gleich den ganzen Betrieb lahm“, denkt Mörz wehmütig an den März 2020 zurück: „Im Sommer 2020 gab es Proben und Auftritte im Kurpark, dann war wieder zu.“ Nach mehreren erneuten Proben soll nun am Sonntag, 11. Juli, um 11 Uhr ein Konzert im Kurpark steigen.

Mörz plaudert auch etwas aus dem Nähkästchen: „Für die Effektivität der Arbeit mit einer Kapelle braucht es immer einen langen Atem“, sagt er und: „Es gab in 50 Jahren natürlich Höhen und Tiefen, aber die Freude an der Blasmusik hat immer überwogen und ist bis heute voll da.“ Mittlerweile dirigiert er unter dem siebten Vorsitzenden des Musikvereins und unter dem fünften Bürgermeister.

Klassiker gehen auch als Blasmusik

Seine Lieblingskomponisten sind „die großen Klassiker wie Rossini, Beethoven und Offenbach, die man teils auch in der Blasmusik spielen kann“. Nachdem seine Mutter aus dem Egerland stammt, liebt er auch Musik von Ernst Mosch und Originalkompositionen für Blasmusik. Begeistert ist er aber auch von Glenn Millers Big-Band-Sound. Wie eine bunte Folge von Musiktiteln liest sich auch, wo die Harmonie die vergangenen 50 Jahre überall probte: beim Oberen Wirt, im Engelsaal in Kappel, im Schützenheim in Kreuzegg, in der Maho-Kantine, im Kiosk am alten Schwimmbad, in der alten Turnhalle und seit 20 Jahre im Musikheim im Wiesele in Weißbach. „Über eine vielversprechende Nachwuchsinitiative in Zusammenarbeit mit der Sing- und Musikschule Pfronten ist der Nachwuchs für die Zukunft der 74 Mitglieder starken Kapelle gesichert“, sagt Mörz.

Joe Mörz heute.
Joe Mörz heute.
Bild: Erwin Kargus

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Wenn man 50 Jahre überstehen will, braucht es aber auch viel Humor. Joe Mörz hat ihn. Er erzählt am Ende eine persönliche Anekdote: Es ergab sich Ende der 1970er Jahre, dass er am Abend bei der Musikprobe in der Maho-Kantine proben und gleichzeitig beim Heimatabend in der Turnhalle mit den „Pfontar Buabe“ singen, für die auftretenden Plattler die Harmonika spielen und in einer kleinen Musikgruppe mitwirken sollte. Nachdem die Programme in den beiden Auftrittsorten entsprechend abgestimmt waren, klappte es trotz mehrmaligem Hin- und Herfahren tatsächlich.

Ehrungen gesammelt

Ehrungen wollen nicht nur für Erreichtes belohnen, sie können auch zum Weitermachen anfeuern: Joe Mörz, der unter anderem von Edmund Stoiber das „Ehrenzeichen des bayerischen Ministerpräsidenten“ erhielt und das Ehrenzeichen des Landkreises Ostallgäu trägt, kündigt zu seinem 50-jährigen Dirigenten-Jubiläum an: „Ich denke, ich kann – so Gott will – noch eine gute Weile als Dirigent Dienst tun.“