Sommerrodelbahnen Allgäu

Die Sommerrodelbahn in Nesselwang hat ausgedient - was kommt jetzt?

Die bisherige Sommerrodelbahn an der Alpspitze in Nesselwang ist nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben. Was jetzt kommen soll.

Die bisherige Sommerrodelbahn an der Alpspitze in Nesselwang ist nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben. Was jetzt kommen soll.

Bild: Ralf Lienert (Archiv)

Die bisherige Sommerrodelbahn an der Alpspitze in Nesselwang ist nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben. Was jetzt kommen soll.

Bild: Ralf Lienert (Archiv)

Die Sommerrodelbahn an der Alpspitze in Nesselwang hat ausgedient. Sie muss etwas Modernem weichen. Doch nicht alle sind begeistert.
Die bisherige Sommerrodelbahn an der Alpspitze in Nesselwang ist nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben. Was jetzt kommen soll.
Von Andreas Schubert
21.08.2020 | Stand: 07:41 Uhr

Sie ist alt, verschlissen, nicht mehr sicher und auch nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben, die 1996 eröffnete Sommerrodelbahn in Nesselwang. So lautete das Fazit eines Vortrags von Ralf Speck, dem Geschäftsführer der Alpspitzbahn, in der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderats. Dort stieß sein Vorschlag, die Rodelbahn durch einen modernen Alpine Coaster zu ersetzen auf Zustimmung. Mit zwölf zu vier Stimmen beschloss das Gremium, dafür einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufzustellen.

Auch alter Sessellift ist am Ende

Nicht nur die Bahn selbst ist am Ende ihrer Lebenszeit angelangt, auch der parallel dazu laufende Einsitzer-Sessellift aus dem Jahr 1962 verliert in diesem Jahr endgültig seine Betriebsgenehmigung, erklärte Speck. Eine Reparatur oder Ertüchtigung des Liftes sei aufgrund des Alters und der fehlenden gesetzlichen Voraussetzungen nicht mehr möglich. Ein Ersatzbau würde mindestens sieben Millionen Euro kosten, was wirtschaftlich nicht vertretbar sei. Die Sommerrodelbahn selbst könne bedingt durch ihre Konstruktion nur noch eingeschränkt von Mitte Mai bis November betrieben werden. Wenn es regnet, müsse der Betrieb aus Sicherheitsgründen immer wieder für etwa eineinhalb Stunden unterbrochen werden, was häufig für Unmut und Unverständnis bei den Besuchern führe. Aufgrund der Abnutzung der Bahn hat zudem die Unfallhäufigkeit in den vergangenen Jahren stetig zugenommen, beklagte Speck. All diese Aspekte haben dazu geführt, dass man bei der Alpspitzbahn darüber nachdenke, die touristisch wichtige und wirtschaftlich notwendige Institution „Sommerrodelbahn“ neu zu konzipieren.

Schienen etwa 50 Zentimeter über dem Grund

Nach Vorgesprächen mit dem Landratsamt und mit Unterstützung des Planungsbüros Sieber aus Lindau soll die alte Sommerrodelbahn durch eine moderne Version vom Typ „AlpineCoaster 2.0“ auf weitgehend gleicher Trasse ersetzt werden. Im Unterschied zur alten Bahn kann diese ganzjährig betrieben werden, da sie nicht aus im Boden versenkten Aluminiumwannen besteht, sondern einem Schienensystem, dass etwa 50 Zentimeter über dem Boden geführt wird. So ist die Bahn weitgehend unabhängig vom Wetter und durch elektromagnetischer Wirbelstrom- statt mechanischer Bremsen deutlich sicherer.

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Ergänzend wird der Coaster mit einer elektronischen Distanzkontrolle versehen, so dass Auffahrunfälle praktisch unmöglich sind. Um zu verhindern, dass während der Fahrt ein Gast den Rodel anhält, die Sicherheitsgurte öffnet und aufsteht, etwa um Fotos zu machen, sind die Schlitten mit einem elektronisch verriegelten Gurtsystem ausgestattet, das während der Fahrt nicht geöffnet werden kann. Ein weiterer wesentlicher Unterschied zur alten Bahn ist, dass kein zusätzlicher Lift benötigt wird. Die Bahn wird als geschlossenes, umlaufendes System ausgelegt. Sowohl Rodel als auch Gäste können mit der Bahn selbst nach oben transportiert werden. Damit könne man auch Personal- und Wartungskosten wesentlich reduzieren, zumal es schwierig sei, geeignetes Personal für die bei dem jetzigen System körperlich schwere Arbeit zu bekommen, betonte Speck.

Auf Schienen, wie hier in der Alpsee Bergwelt bei Immenstadt, sollen künftig Fahrgäste auch an der Alpspitze in Nesselwang zu Tal gleiten können.
Auf Schienen, wie hier in der Alpsee Bergwelt bei Immenstadt, sollen künftig Fahrgäste auch an der Alpspitze in Nesselwang zu Tal gleiten können.
Bild: Charly Höpfl (Archiv)

Zustimmung im Marktgemeinderat

Grundsätzlich trafen die Überlegungen für eine Modernisierung der Rodelbahn auf breite Zustimmung im Marktgemeinderat. Alle Gemeinderäte waren sich der Bedeutung dieser Anlage für den Tourismus und die heimische Wirtschaft bewusst, trotzdem kamen bei einigen Zweifel bei der Umsetzung auf. „Es muss unser Anspruch sein, die Bahn in die Topografie einzubinden, sie sehr, sehr homogen einzupassen und den Erhalt der Natur zu gewähren“, mahnte Martin Erd (Mitanand für Nesselwang). Da die neue Bahn nicht im Boden versenkt wird, werde sie weithin sichtbar sein, sagte Erd. „Die Sichtbarkeit, war unser größtes Thema im Beirat. Deshalb soll sie auch nur 50 Zentimeter über dem Boden und zu 80 Prozent auf der alten Trasse verlaufen“, erwiderte Speck. „Wir brauchen zudem bei dieser Konstruktion keine störenden Zäune oder Fangnetze.“

Auch sei man bei der Alpspitzbahn offen dafür, die Sichtbarkeit durch geeignete Bepflanzung soweit wie möglich zu vermindern. Dem stimmte Wolfgang Köberle (CSU) zu: „Der Markt als Hauptanteilseigner der Alpspitzbahn hat bei den Beratungen mitgesprochen und gesagt, was uns nicht gefällt. Wir sind überzeugt, dass die neue Bahn ökonomisch und ökologisch zu betreiben ist.“ Im Übrigen habe der Markt eine Verantwortung für die Mitarbeiter der Bahn, die Gäste und den Einzelhandel in Nesselwang, sagte Köberle. Wichtig sei zudem, dass die Frequenz der Fahrten nicht erhöht werden soll, aber die Bahn nun ganzjährig im Betrieb sein könne. Deshalb werde er der Planung zustimmen.

Verkehrschaos ein Thema

Anders sah es Andrea Allgaier (Freie Wähler): „Der Verkehr zur Alpspitzbahn liegt mir im Magen. Ich werde deshalb schweren Herzens nicht zustimmen.“ Seit Jahren herrsche ein Verkehrschaos rund um die Zufahrt zur Alpspitzbahn, das sich durch die neue Bahn möglicherweise noch verstärke. Und eine Lösung für diese Probleme zeichne sich nicht ab. „Deshalb wollen wir statt eines einfachen Bauantrags ein ordentliches Bauleitverfahren mit einem vorhabenbezogenen Bebauungsplan einleiten“, entgegnete Bürgermeister Pirmin Joas. „Hier können wir dann alle Aspekte, auch die verkehrlichen, mit der Beteiligung der Behörden und der Öffentlichkeit umfassend bearbeiten.“ Im Übrigen sei es nicht richtig, die Verkehrsprobleme Nesselwangs „auf dem Rücken der Alpspitzbahn auszutragen“, meinte Joas.