Jubiläum

Dieser Mann trägt seit 55 Jahren die Allgäuer Zeitung aus

Franz Rieder aus Seeg trägt seit 55 Jahren die Allgäuer Zeitung aus

Franz Rieder aus Seeg trägt seit 55 Jahren die Allgäuer Zeitung aus

Bild: Benedikt Siegert

Franz Rieder aus Seeg trägt seit 55 Jahren die Allgäuer Zeitung aus

Bild: Benedikt Siegert

Was die Motivation von Franz Rieder ist, jeden Tag um 2 Uhr aufzustehen und 120 Exemplare zu verteilen. Und warum er auf einen Eintrag ins Guinness-Buch hofft.
06.10.2021 | Stand: 05:45 Uhr

Ludwig Erhard war Bundeskanzler. Der EV Füssen spielte noch Bundesliga. Und in der Allgäuer Zeitung wurde gerade über deutsch-sowjetische Verhandlungen über ein Wirtschaftsabkommen berichtet, das zu scheitern drohte. So war das am 1. Oktober 1966, als Franz Rieder in Seeg seine ersten Zeitungsexemplare bei den Abonnenten ablieferte. „Aus dem einen Mal ist dann irgendwie eine Ewigkeit geworden“, sagt Rieder heute. Der 69-Jährige sitzt am Konferenztisch in der Füssener Geschäftsstelle der Allgäuer Zeitung. Vor ihm stehen ein üppiger Präsentkorb und eine Urkunde. Für seine 55-jährige Tätigkeit im Dienste unserer Leser wurde Rieder nämlich jetzt vom AZ-Verlagslogistik Leiter Georg Kiefer ausgezeichnet. „Er gehört zu den langjährigsten Zustellern in unserem Unternehmen“, sagt Kiefer. Und er hebt Rieders Zuverlässigkeit und seine wohl fast einmalige Treue zum Allgäuer hervor. „Das haben wir nur noch ganz selten.“

Seit 55 Jahren Zusteller der Allgäuer Zeitung: So begann Franz Rieder aus Seeg mit dem Austragen der AZ

Wie alles anfing, weiß Rieder noch sehr genau. Nach dem frühen Tod seines Vaters steckte die Familie in einer Notlage und jeder Verdienst war willkommen. So begann der junge Bub bereits mit 14 Jahren beim damaligen Verleger des Füssener Blatts, Holdenried, als Zeitungszusteller. Mit lederner Umhängetasche ging es ab da an jeden Tag um zwei Uhr nachts aus dem Bett und bei Wind und Wetter durchs Dorf. „Das kann man sich heute kaum noch vorstellen, wie das war“, sagt Rieder. Am Monatsende habe er von jedem Seeger an der Haustüre das Geld für das Abonnement in bar abkassiert. „Dann bin ich mit dem Zug nach Füssen gefahren und hab es in der Luitpoldstraße abgeliefert“, erzählt der 69-Jährige. Sein erster Lohn, das seien 50 Mark gewesen. „Für mich damals ein Wahnsinnsbetrag“, erinnert sich Rieder.

Zeitungzusteller Franz Rieder weiß die Vorzüge seines Jobs inzwischen sehr zu schätzen

Und doch habe er sich nie vorstellen können, diesen Job sein ganzes weiteres Leben zu machen. Aber über die Jahre habe er die Vorzüge eben sehr zu schätzen gelernt. „Allein dazu, dass ich mich mit 69 immer noch so fit fühle, hat die Allgäuer Zeitung sehr viel beigetragen“, sagt er. Ein Frühaufsteher sei er ohnehin schon immer gewesen. Was Rieder auch als Rentner noch an der Tätigkeit reizt? Das sei der Kontakt zu den Lesern. „Ich kenne eigentlich jeden meiner 120 Abonnenten persönlich“, sagt er. Das Verhältnis sei sogar so innig, dass die Seeger merken würden, wenn einmal nicht „ihr Franz“ das Füssener Blatt zustellt, sondern eine Vertretung. Zum Beispiel wenn die Zeitung anders gefaltet ist als sonst oder woanders deponiert wird. „Das registrieren die sehr genau und sagen: Aha, jetzt ist der Franz nicht da.“ Denn das kommt vor – seit Rieder Rentner ist sogar häufiger. Denn seine große Leidenschaft ist das Reisen. In 95 Ländern ist er schon gewesen. „Ich hoffe, es kommen noch ein paar dazu“, schmunzelt der 69-Jährige.

Die Heimat von Franz Rieder ist und bleibt Seeg

Doch obwohl er schon viel rum gekommen sei in der Welt, sei es immer wieder schön, heim zu kommen. Und sein Lebensmittelpunkt ist und bleibt das beschauliche Seeg. Das Dorf, wo er jeden seiner Abonnenten noch persönlich kennt und über die Jahre auch Freundschaften mit Lesern entstanden. Deshalb will Rieder auch noch eine Weile weitermachen als Zusteller. „Denn wer weiß, vielleicht schaffe ich es einmal noch ins Guinnesbuch als längster Zusteller der Welt“, lacht er.