Füssen

Ein Siebenschläfer als Untermieter

Bitte nicht stören: Diesen Siebenschläfer entdeckten die Kontrolleure in einem der Nistkästen.

Bitte nicht stören: Diesen Siebenschläfer entdeckten die Kontrolleure in einem der Nistkästen.

Bild: Nina Oestreich

Bitte nicht stören: Diesen Siebenschläfer entdeckten die Kontrolleure in einem der Nistkästen.

Bild: Nina Oestreich

Welche Überraschungsgäste bei einer Kontrolle von Nistkästen im Füssener Stadtwald entdeckt worden sind.

Bitte nicht stören: Diesen Siebenschläfer entdeckten die Kontrolleure in einem der Nistkästen.
Von Redaktion Allgäuer Zeitung
20.08.2020 | Stand: 12:00 Uhr

Den ein oder anderen Überraschungsgast entdeckt haben Nina Oestreich von der Bergwaldoffensive am Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten Kaufbeuren und der Fledermausfachberater Fritz Ebelt, als sie zum nunmehr fünften Mal die Nistkästen im Stadtwald Füssen kontrollierten. Im Jahr 2015 wurden dort gemeinsam mit dem Landesbund für Vogelschutz in Bayern 25 Ersatzquartiere für Fledermäuse und Vögel angebracht.

Auch bei dem diesjährigen Blick in die Nistkästen fanden sich Brutstätten alter Bekannter wie Kleiber und Meisen, aber auch ein Wespen- und ein Hornissennest, die bereits verlassen beziehungsweise aufgegeben wurden. Ein Überraschungsgast, besser: Ein überraschter Gast schaute die Kontrolleure etwas verschlafen mit dunklen Knopfaugen aus einem Vogelkasten an – ein Siebenschläfer. „Diese nachtaktive Schlafmütze macht ihrem Namen alle Ehre, da sie von September bis Mai fast Dreiviertel des Jahres verschläft. Die restliche Zeit heißt es schlemmen und schlafen. Da wollten wir nicht weiter stören“, sagt Nina Oestreich.

Nur einen Baum weiter stießen sie zum wiederholten Male auf einen weiteren Langschläfer, einen Kleinen Abendsegler. Die Vertreter dieser mittelgroßen Fledermausart sind über weite Teile Europas verbreitet. „Das Faulenbacher Tal mit seinen lichten, laubholzreichen Wäldern und zum Teil alten Bäumen bietet für die Fledermausart gute Voraussetzungen“, erklärt Ebelt. Da sie ihr Quartier häufig wechselt, braucht sie jedoch viele Höhlen, Spalten oder eben Nistkästen.

In diesen Unterschlupfen findet zwischen Ende Juli und Ende September die Paarung statt. Durch eine verzögerte Tragezeit bilden die Weibchen jedoch erst Mitte Juni des Folgejahres die sogenannten Wochenstuben, wo sie ein bis zwei Junge zur Welt bringen. Die Jungtiere wachsen rasch heran und werden oft schon zur Fortpflanzungszeit desselben Jahres geschlechtsreif. Vom Oktober bis März oder April, seltener bis in den Mai, halten die Tiere Winterschlaf. Hierfür bleiben sie in der Regel jedoch nicht in Bayern, sondern fliegen bis zu 1000 Kilometer weit in ihr Winterquartier, zum Beispiel nach Südfrankreich.

Der Kleine Abendsegler ist in Bayern selten und gefährdet. Die Ursachen liegen vor allem in Störungen sowie Zerstörung und Verlust von geeigneten Quartieren in Bäumen und Gebäuden. Was dem einen also als wertlose Buche mit Rissen und Löchern erscheint, die sich nur als Brennholz eignet, ist für den Kleinen Abendsegler das perfekte Heim. Und ein offenes Fenster oder ein Schlupfloch zum alten Dachboden laden ebenfalls zum „Übernachten“ ein.