Nachhaltigkeit beim Wohnen

Energieberatung in Füssen und Umgebung: Durch Beton flutscht Wärme nur so durch

Energieberaterin Angelika Baumer erklärt dem Seeger Bürgermeister Markus Berktold worauf es bei der Heizungsanlage ankommt.

Energieberaterin Angelika Baumer erklärt dem Seeger Bürgermeister Markus Berktold worauf es bei der Heizungsanlage ankommt.

Bild: Alexandra Decker

Energieberaterin Angelika Baumer erklärt dem Seeger Bürgermeister Markus Berktold worauf es bei der Heizungsanlage ankommt.

Bild: Alexandra Decker

Kostenlose Energieberatung für 30 Füssener und 50 Seeger Hausbesitzer. Bei Musterbesichtigungen zeigt das Kemptener Unternehmen eza, welche Haustiere spielen.
10.10.2021 | Stand: 12:00 Uhr

Wer eine Katze hat, kann sich glücklich schätzen. Denn die wärmt im Idealfall die Füße und verbraucht keinen Strom. Terrarien dagegen sind laut Energieberaterin Angelika Baumer wie Aquarien, Teichpumpen und Wasserbetten „richtige Stromfresser“. Solche Dinge hat sie unter anderem im Auge, wenn sie für das Energie- und Umweltzentrum Allgäu (eza) in Häuser geht, um deren Energieverbrauch zu prüfen. Demnächst ist Baumer wieder für die Aktion „Check-Dein-Haus“ unterwegs.

Kostenlose Beratungen durch eza und Verbraucherzentrale Bayern

Angeboten wird diese von eza und der Verbraucherzentrale Bayern. Die Kosten übernehmen der Landkreis Ostallgäu, das Bundeswirtschaftsministerium und die beteiligten Kommunen. Im südlichen Landkreis sind das Füssen und Seeg. Die Stadt bietet 30 kostenlose Vor-Ort-Termine an, die Gemeinde 50 Hausbesitzer aus beiden Kommunen können sich dafür bis 19. Oktober bei eza unter Telefon (0831) 960 28 674 oder per Mail an anmeldung@eza-allgaeu.de anmelden.

Bei dem Gebäude-Check erfährt der Besitzer alles über die energetische Situation seiner Immobilie. Ein Energieberater informiert, wie der Energieverbrauch gesenkt und der Wohnkomfort gesteigert werden können. Die Heizungsanlage wird ebenfalls auf ihre Energieeffizienz hin untersucht. „Ziel ist“, sagt Manuel Allgaier, Bereichsleiter Energieberatung bei eza, „dass die Leute ihre Häuser energetisch sanieren. Aber wir verkaufen nichts. Wenn jemand nur schauen will, ist das auch in Ordnung.“

Die Nachfrage nach Energieberatungen ist bei eza mit den Debatten über den Klimaschutz stark gestiegen. Allein im Corona-Jahr 2020 verbuchte das Kemptener Unternehmen laut Allgaier so viele Beratungen, wie noch nie – und das, obwohl die eza-Leute ihre Kundinnen und Kunden zum Teil gar nicht zuhause besuchen durften. Am häufigsten beraten werden laut Baumer Besitzer von Einfamilienhäusern. Oft werde nach Verbesserungen für Heizungsanlagen gefragt.

Energieberatung ist laut eza nicht zu technisch, sondern verständlich

Für den Gebäude-Check zeigte Baumer bei zwei Musterberatungen vor Ort, was die Bürger erwartet. In Füssen besuchte sie dafür Familie Perkmann in ihrem Einfamilienhaus. „Die Beratung ist nicht zu technisch, sondern sehr verständlich und aufschlussreich,“ sagte Stefanie Perkmann. Baumer stellte fest, dass der jährliche Stromverbrauch der vierköpfigen Familie bereits auf einem niedrigen Niveau liegt. Anders verhält es sich beim Heizenergieverbrauch: Dieser ist als überdurchschnittlich hoch anzusehen. Dies ist laut Baumer vor allem der Tatsache geschuldet, dass die Gebäudehülle des Hauses aus dem Jahr 1931 energetisch kaum modernisiert wurde und somit viel Wärme verloren geht. Weiterhin spielt die bereits in die Jahre gekommene Heizungsanlage eine Rolle.

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Anders in Seeg: Dort war Baumer in einer 90-Quadratmeter-Wohnung, die sich in einem Gebäude der Gemeinde befindet. Geheizt wird dort mit Nahwärme. Ein Pluspunkt. Aber es gab auch Kritik. So sind zum Beispiel die Zimmerdecken der Wohnung aus Beton und nicht gedämmt. Durch Beton aber „flutscht Wärme nur so durch“, sagt die Energieberaterin. Ein Meter dieses Baustoffs dämme gerade einmal so gut wie fünf Zentimeter Faserdämmstoff. Außerdem sind die Fenster in der Wohnung in die Jahre gekommen und die Heizkörper befinden sich in Wandnischen. Durch diese verringert sich die Dicke der Außenwand und sie hält weniger Wärme im Inneren.

Kommt das Thema Fensteraustausch ins Spiel, weist die Energieberaterin aber daraufhin, dass er immer wieder vorkommt, dass danach die Wände schimmeln. Der Grund: Es fehlt plötzlich der kontinuierliche Luftaustausch durch die undichten Fenster. Die Bewohner seien dann selbst gefordert, für regelmäßiges Lüften zu sorgen.

Bei der Überprüfung des Stromverbrauchs schaut Baumer alte Rechnungen an. Sie zeigen ihr die Entwicklung des Verbrauchs. In der Seeger Wohnung war dieser etwas zu hoch. Ist das der Fall, prüft die Energieberaterin unter anderem die Elektrogeräte – vor allem Großverbraucher wie Kühlschrank, Gefriertruhe, Wasch- und Spülmaschine. Sind diese in die Jahre gekommen, können sie im Vergleich zu neueren Modellen ordentlich Stromfressen.

45 Prozent vom Staat für Heizung

Am Ende des Checks gibt es einen Bericht über die Situation und wie diese verbesser werden kann. Falls gewünscht, wird geprüft, ob der Einsatz erneuerbarer Energien wirtschaftlich sinnvoll ist. Ein wichtiger Punkt bei der Beratung sind staatliche Förderprogramme, zum Beispiel für den Heizungstausch. Wer seinen alten Ölbrenner mit einer umweltfreundlicheren Variante ersetzt, kann derzeit bis zu 45 Prozent vom Staat bekommen.

Wertvoller Tipp der Expertin: Es können Fördergelder für die energetische Sanierung des Hauses beantragt werden. Das müsse allerdings geschehen, bevor Leistungen an den Handwerksbetrieb vergeben werden. Füssens Bürgermeister Maximilian Eichstetter sagt: „Ich kann jedem Hausbesitzer in unserer Stadt empfehlen, das kostenlose Angebot der Energieberatung anzunehmen. Es lohnt sich für die Umwelt und den Geldbeutel.“ Für seinen Seeger Kollegen Markus Berktold ist die Musterberatung im gemeindeeigenen Gebäude „auch eine Möglichkeit, zu sehen, was wir dort energetisch noch machen können“.