Tierwelt

Erstmals wieder Störche auf dem Storchenturm in Füssen

Störche

Auf dem Storchenturm am Hohen Schloss haben sich vor kurzem zum ersten Mal seit etwa 100 Jahren Störche eingefunden.

Bild: Magnus Peresson

Auf dem Storchenturm am Hohen Schloss haben sich vor kurzem zum ersten Mal seit etwa 100 Jahren Störche eingefunden.

Bild: Magnus Peresson

Erstmals nach etwa 100 Jahren wurde erneut Meister Adebar am Hohen Schloss gesichtet. Warum 1922 eine waghalsige Aktion stattfand.

05.06.2020 | Stand: 11:19 Uhr

Unlängst gaben drei Störche ein kurzes Gastspiel auf dem Storchenturm am Hohen Schloss. Der Turm, der in frühen Bauakten auch Hohes Haus genannt wurde, weil dort zeitweise der Landesherr, der Bischof von Augsburg, residierte, war über Jahrhunderte Heimat von Störchen. Das berichtet der Füssener Historiker und Stadtrat Magnus Peresson.

Aus diesem Grund setzte sich in der Bevölkerung der Name Storchenturm durch. Auf einer im Jahre 1572 entstandenen Stadtansicht von Füssen trägt das Dach des Storchenturms zwei Storchennester. Da der Storch in vielen Kulturen und Religionen als Glücksbringer galten, versuchte man, die Vögel an das Haus zu binden und ihnen den Nestbau zu erleichtern. Dazu befestigte man in der Regel auf hohen Dächern Wagenräder, deren Naben man über eine mit dem Dachwerk verbundene, geschmiedete Stange schob.

Ohne schützendes Gerüst

Zuletzt wurde laut Peresson im Jahre 1922 ein Wagenrad in einer waghalsigen Aktion und ohne schützendes Gerüst auf den First des Storchenturmes gesetzt. Einer guten mündlichen Überlieferung zufolge waren es der namentlich noch bekannte Maurerpolier Pietro Leonardo Peresson aus Friaul und ein anonymer Maurer, die ein Wagenrad vom Schlosshof auf den südlichen Giebel zogen. Von dort schafften sie es zum nördlichen Firstgiebel, zu einem Platz, der vermutlich 70 Meter hoch über der Ritterstraße liegt. Die beiden schwindelfreien Männer gingen dabei links und rechts des Firstes der extrem steilen Bedachung und trugen das Rad, das ihnen Halt gab, bis zum vorgesehenen Platz.

In der Folgezeit aber blieben Störche aus, vielleicht auch deshalb, weil sich niemand mehr fand, das irgendwann durch Wind und Wetter zerstörte Wagenrad ohne Sicherung zu ersetzen. Heuer nun gaben gleich drei Störche ein etwa zwei Stunden dauerndes Gastspiel.

Bevor die drei mit elegantem Flügelschlag Füssen verließen, wechselten sie für kurze Zeit auf das Turmdach von St. Mang und leisteten dort dem vergoldeten Wetterhahn Gesellschaft.