Auszeichnung

Für die Stillen und Bescheidenen: Ulrich Böck aus Seeg bekommt Silberdistel

Silberdistel

Markus Raffler, der stellvertretende Redaktionsleiter der Allgäuer Zeitung (links), überreichte die Silberdistel an Ulrich Böck für dessen jahrzehntelanges, ehrenamtliches Engagement.

Bild: Alexandra Decker

Markus Raffler, der stellvertretende Redaktionsleiter der Allgäuer Zeitung (links), überreichte die Silberdistel an Ulrich Böck für dessen jahrzehntelanges, ehrenamtliches Engagement.

Bild: Alexandra Decker

Unsere Zeitung ehrt Ulrich Böck aus Seeg für sein jahrelanges, ehrenamtliches Engagement in verschiedenen Bereichen. Eines seiner Projekte war ein fünf Meter großer Löwenzahn aus Metall für einen Kreisverkehr
31.07.2021 | Stand: 12:00 Uhr

„Ich bin ganz gerührt von diesem Riesendrum“, sagt Ulrich Böck und schaut erstaunt auf die Silberdistel in seiner Hand. Als er erfuhr, dass er diese Auszeichnung bekommt, mit der unsere Zeitung ehrenamtliches Engagement würdigt, habe er mit einer Anstecknadel gerechnet. Stattdessen überreichte Markus Raffler, der stellvertretende Redaktionsleiter der Allgäuer Zeitung, dem Seeger gestern eine etwa 15 Zentimeter hohe, aus Silber handgefertigte Distel.

Die Auszeichnung hat für Böck „einen besonderen Stellenwert. Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich so etwas bekomme. Was ich gemacht habe, habe ich gern gemacht“, sagt der 66-Jährige. Lohn erwartete er nicht. Umso mehr freue er sich jetzt über diese Ehre.

Böck erhielt die Silberdistel, wie berichtet, weil er zuletzt einen fünf Meter großen Löwenzahn aus Metall für den neuen Kreisverkehr bei Enzenstetten unentgeltlich gefertigt hatte und weil er sich schon lange in verschiedenen Bereichen ehrenamtlich engagiert. Jahrzehntelang war er bei der Feuerwehr, im Aufsichtsrat der örtlichen Raiffeisenbank, Alpmeister der Alpe Beichelstein, aktiver Fußballer, im Notschlachtverein und beim Bauernverband.

Manchmal bedeutete sein Engagement einen Ehestreit

Manchmal bedeutete das sogar einen Ehestreit, weil er so selten zuhause war und die Arbeit daheim hin und wieder auf der Strecke blieb. Trotzdem stand seine Frau hinter ihm. Erst, als er gefragt wurde, ob er noch für den Gemeinderat und den Pfarrgemeinderat kandidiere, schob sie einen Riegel vor, in dem sie ihm mit Scheidung drohte, erzählt Böck mit einem Schmunzeln. Besonders in Erinnerung hat er heute noch als großes Projekt die Sanierung der Straße hoch zur Alpe Beichelstein, die er als Alpmeister zusammen mit einem befreundeten Gemeindemitarbeiter organisierte. Viele Gespräche mit den Eigentümern, Baufirmen und der Gemeinde waren damals nötig, um zum Beispiel die Kostenfrage zu klären. „Aber wir haben es hingekriegt“, sagt Böck.

Das gelte auch für die vielen Kleinigkeiten, die es bei der Feuerwehr zu leisten und zu beschaffen gab. Während er dort aktiv war, kaufte sich die kleine Wehr in Enzenstetten zum Beispiel eine eigene Spritze. So etwas sei früher aber auch noch einfacher umzusetzen gewesen, als heutzutage, wo es viel mehr Regeln zu beachten gebe. Mittlerweile ist er aus vielen seiner Ehrenämter ausgeschieden. Trotzdem sieht er sich in Gedanken noch nicht als vollen Rentner. „Wenn man jahrelang gearbeitet hat, muss man es langsam ausklingen lassen“, sagt er.

Bevorzugtes Material: Metall

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Deshalb widmet er sich jetzt verstärkt seinem Hobby und schafft Metallfiguren. Eisen, Kupfer, Messing und Ähnliches waren schon immer Böcks bevorzugte Materialien. Der gelernte Landwirt arbeitete jahrelang nebenher in einem Betrieb, der zunächst eher eine Kunstschmiede, später eine Spenglerei war.

Da passt die Silberdistel der AZ gut ins Bild. Aber nicht nur, weil sie ebenfalls aus einem Metall besteht, sondern „sie trifft auch auf Sie zu, weil sie ebenso hartnäckig ist und nicht beim kleinsten Gegenwind aufgibt. Sie ist keine Kuschelpflanze. Sie kann sich wehren“, sagt Raffler. Diese Charaktereigenschaften seien bei der Auswahl der Geehrten wichtig.

Die Auszeichnung soll vermitteln, dass sich ehrenamtlicher Einsatz für die Allgemeinheit lohnt, und die ehren, die still und bescheiden agieren und sich nicht selbst in den Vordergrund stellen. „Was sie über die Jahre an Engagement gebracht haben, ist gewaltig“, betont Raffler bei der Übergabe.