Landwirtschaft

Füssen und Umgebung: Das große Mähen geht wieder los

Rehkitz

Bevor der Landwirt mäht, muss seine Wiese nach Rehkitzen abgesucht werden. Diese werden von ihren Müttern oft im hohen Gras versteckt.

Bild: Archivfoto: Matthias Balk, dpa

Bevor der Landwirt mäht, muss seine Wiese nach Rehkitzen abgesucht werden. Diese werden von ihren Müttern oft im hohen Gras versteckt.

Bild: Archivfoto: Matthias Balk, dpa

Für junge Rehkitze ist diese Jahreszeit höchstgefährlich, weil sie von ihren Müttern oft in den Wiesen versteckt werden. Wer die Verantwortung trägt.
04.06.2021 | Stand: 11:10 Uhr

Es ist Hochsaison auf den Wiesen im Füssener Land. Täglich sind Landwirte in der Region mit der Mahd beschäftigt – für Rehkitze eine höchstgefährliche Zeit, denn sie werden von ihren Müttern oft im hohen Gras versteckt. Wenn sie noch keinen Fluchtinstinkt entwickelt haben, vertreibt sie das laute Mähwerk nicht. Daher muss die Wiese vor dem Schnitt abgesucht werden. Der Bayerische Jagdverband informiert in einer Mitteilung über rechtliche Vorgaben.

Wer ist verantwortlich, dass die Wiese auf Kitze abgesucht wird?

Es gilt das Verursacherprinzip: Da der Landwirt mit der Mahd eine Gefahr für im Gras versteckte Rehkitze darstellt, ist er es, der die Vorsorgemaßnahmen durchführen oder diese veranlassen muss. Dazu gehört zum Beispiel das Absuchen der Wiese oder die vorherige Vergrämung der Tiere. Der Jäger hat lediglich eine Mitwirkungspflicht.

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Welcher Zeitraum sollte zwischen Suche und Mahd maximal verstreichen?

Je geringer der Zeitabstand zwischen Suche und Mahd, desto besser ist es. Eine gesetzliche Vorgabe, wann der Landwirt den Jäger über die Mahd informieren soll, gibt es nicht. Ein angemessener Zeitraum hängt vom Einzelfall ab. Idealerweise wird der Jäger zwei Tage vor dem Mähen, spätestens aber 24 Stunden vorher kontaktiert. Vergrämungsmaßnahmen sollten spätestens am Vorabend geschehen. Sollten Kitze aus der Wiese geborgen werden, ist es wichtig, dass diese nur möglichst kurz fixiert werden.

Wenn der Landwirt optische oder akustische Vergrämungsmaßnahmen aufstellt, entfällt dann die Pflicht zur Kitzsuche?

Generell entfällt die Pflicht nicht. Durch die Vergrämungen sollen Geißen dazu gebracht werden, ihre Kitze über Nacht aus dem Feld heraus zu führen. Allerdings sind solche Vertreibungen insbesondere bei jüngeren, erst kürzlich gesetzten Rehkitzen oft wirkungslos. Grundsätzlich gilt: Es ist sowohl im Interesse des Landwirts, als auch des Jägers, das Vermähen von Kitzen zu vermeiden. Je enger die Absprache und konstruktiver die Zusammenarbeit, desto wirksamer der Schutz.

Der Landwirt hat den zuständigen Jäger informiert, dass er mähen will. Muss er sich vergewissern, dass der Jäger die Wiese wirklich abgesucht hat?

Die Verpflichtung, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, entfällt grundsätzlich nicht. Der Jäger hat zwar eine Mitwirkungspflicht, keinesfalls aber die alleinige Verantwortung. Daher sollte sich der Landwirt die Suche rückbestätigen lassen. Der Bayerische Jagdverband empfiehlt, den Kontakt mit dem Jäger, das Ergebnis der Suche sowie eventuelle Folgemaßnahmen schriftlich oder per Foto festzuhalten.

Darf der Jäger einfach sagen: „Ich habe keine Zeit“? Muss er dann für Ersatz sorgen oder geht die Hegepflicht zurück an den Landwirt?

Dazu gibt es laut Bayerischem Jagdverband keine festen Vorgaben. Allerdings gilt nach wie vor, dass der Landwirt als Verursacher der Gefahr alles Zumutbare veranlassen muss, um den unnötigen Tod eines Rehkitz’ zu vermeiden. Wenn kein Jäger verfügbar ist, muss der Landwirt die Vorsorgemaßnahmen selbst durchführen.

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