E-Mobilität

Für die Automobilbranche „ändert sich alles“

Diese Maschine soll es möglich machen: Für die Herstellung von Elektromotoren in großen Stückzahlen werden sogenannte Hairpins benötigt. Martin Lehmann, Key Account Manager für E-Mobilität beim Maschinenbauer Bihler, spricht von einem großen Wandel.

Diese Maschine soll es möglich machen: Für die Herstellung von Elektromotoren in großen Stückzahlen werden sogenannte Hairpins benötigt. Martin Lehmann, Key Account Manager für E-Mobilität beim Maschinenbauer Bihler, spricht von einem großen Wandel.

Bild: Otto Bihler Maschinenfabrik GmbH & Co KG

Diese Maschine soll es möglich machen: Für die Herstellung von Elektromotoren in großen Stückzahlen werden sogenannte Hairpins benötigt. Martin Lehmann, Key Account Manager für E-Mobilität beim Maschinenbauer Bihler, spricht von einem großen Wandel.

Bild: Otto Bihler Maschinenfabrik GmbH & Co KG

Martin Lehmann ist Experte für E-Mobilität bei der Firma Bihler in Halblech. Aus seiner Sicht steckt die Automobilindustrie im größten Wandel seit 100 Jahren.
23.06.2022 | Stand: 19:20 Uhr

„BM-HP 3000“ – so heißt eine Maschine der Halblecher Firma Bihler, die eine entscheidende Entwicklung im Bereich der E-Mobilität vorantreibt: Nach Angaben des Unternehmens schafft sie es, ein wichtiges Bauteil für einen Elektromotor in kurzer Zeit und in hohen Stückzahlen herzustellen. Warum das für die ausgerufene Verkehrswende so wichtig und der Wandel womöglich die spannendste Zeit in der Geschichte des Automobiles ist, weiß Martin Lehmann, Experte für den Bereich E-Mobilität bei Bihler.

Auf den ersten Blick wirkt es unscheinbar

Lehmann steht in der Produktionshalle vor der Maschine und zeigt auf einen langen Kupferlackdraht, der im inneren der Anlage verschwindet. Auf der anderen Seite kommt ein kleines gebogenes und an den Enden abisoliertes haarnadelförmiges Teil heraus – ein sogenanntes Hairpin. Was auf den ersten Blick unscheinbar aussieht, hat am Ende eine große Wirkung, wie Lehmann erläutert: Die Hairpins werden nämlich für den Elektromotor, genauer gesagt in dessen Stator, benötigt. Mehrere dieser Pins landen am Ende dort und sind Teil des elektrischen Antriebes. Damit am Ende auch alles funktioniert ist dafür eine präzise Verarbeitung von höchster Bedeutung: „Es darf keine Schwankungen geben.“

"Es gibt nichts Vergleichbares"

Weil es bisher nicht möglich war, diese Teile schnell und in hoher Stückzahl zu fertigen (Stichwort Massenproduktion), sei die Entwicklung der Maschine so wichtig. „Es gibt nichts Vergleichbares“, sagt Lehmann. Herkömmlich hergestellt, würde das nämlich „viel zu lange dauern“. Ein weiterer Vorteil: Benötigen Hersteller unterschiedliche Varianten der Hairpins, kann die Maschine auf die jeweiligen Anforderungen vollautomatisch umstellen. Wenn die politisch gesetzten Ziele der Verkehrswende umgesetzt werden sollen, so Lehmann, dann müssen die Hersteller und Zulieferer auch in großen Stückzahlen produzieren können. Zur Verdeutlichung nennt er ein Beispiel: In Ungarn spuckt das Werk eines großen deutschen Autoherstellers pro Jahr zwei Millionen Verbrennermotoren aus. „Spätestens 2035 sollte die gleiche Anzahl an Elektromotoren produziert werden.“

Weltweit größter Zulieferer hat bereits bestellt

Ein Baustein für die effizientere Produktion soll die von einem Expertenteam in Halblech entwickelte Maschine sein. Vor Kurzem hat der weltgrößte Automobilzulieferer acht von diesen Maschinen bestellt, ab 2023 sollen sie die Produktion in verschiedenen Ländern aufnehmen.

Die E-Mobilität verändere das Automobil von Grund auf: „Es ändert sich alles“, sagt Lehmann und bringt Beispiele: die Karosserie, verwendete Bleche innerhalb der Karosserie, der Schutz der Batterien, die Motoren. Bei einem Verbrenner sei es zum Beispiel unmöglich, den Motor eines Sportwagens in ein Kleinauto zu setzen. Bei einem Elektromotor wäre dies durchaus denkbar.

Deutsche Hersteller holen auf

Nach der Einschätzung von Lehmann haben die Hersteller aus China beim Thema E-Auto aktuell noch die Nase vorne. Er sieht die deutsche Automobilbranche aber aufholen und ist sich sicher: „In wenigen Jahren werden deutsche Hersteller ganz vorne mitspielen.“ Die Umbruchzeit für die Branche sei herausfordernd, aber auch spannend: „So einen Wandel hat es in der Automobilindustrie in den vergangenen hundert Jahren nicht gegeben.“

Neue Technik nicht kaputt reden

Wichtig sei es, die Bevölkerung bei dem Thema mitzunehmen, Technik nicht kaputt zu reden, sondern an Problemen zu arbeiten und „zu machen“, sagt Lehmann. Mit Blick auf die immer wieder gleichen Argumente gegen ein E-Auto – mangelnde Reichweite oder fehlende Ladeinfrastruktur – sagt Lehman: Als das erste Auto hergestellt wurde, gab es auch nicht überall geteerte Straßen.

In Zukunft werden auch bisher branchenfremde Firmen Autos herstellen, wie etwa Apple oder Amazon. Denn die Herstellung eines E-Autos wird laut Lehmann am Ende auf eine Art Baukasten hinauslaufen: „Jeder kann sich die Einzelteile dafür kaufen.“