Nachwuchstalent

Füssener E-Bassist: Von der Prüfung ins Landesjugendjazzorchester

Ist der Schützling erfolgreich, freut sich der Lehrer: Simon Hackl (links) und Thomas Härtel sind ein erfolgreiches Team. Dass sich sein Duo-Partner nach dem Abitur verabschiedet, trifft Härtel deshalb hart.

Ist der Schützling erfolgreich, freut sich der Lehrer: Simon Hackl (links) und Thomas Härtel sind ein erfolgreiches Team. Dass sich sein Duo-Partner nach dem Abitur verabschiedet, trifft Härtel deshalb hart.

Bild: Musikschule Füssen

Ist der Schützling erfolgreich, freut sich der Lehrer: Simon Hackl (links) und Thomas Härtel sind ein erfolgreiches Team. Dass sich sein Duo-Partner nach dem Abitur verabschiedet, trifft Härtel deshalb hart.

Bild: Musikschule Füssen

Eigentlich wollte er Tuba lernen: Simon Hackl macht seinen Lehrer Thomas Härtel sehr stolz. Warum dem derzeit dennoch das Herz bricht.
22.06.2023 | Stand: 10:17 Uhr

Besser kann eine Prüfung für einen Musikschüler eigentlich nicht laufen: Simon Hackl hat mit dem E-Bass in der Musikschule Kaufbeuren nicht nur die Urkunde über die bestandene D3-Prüfung, die „Stimmgabel in Gold“, geholt. Der 18-jährige Füssener bekam gleich auch noch eine Einladung ins Landesjugendjazzorchester.

Nach der Blockflöte ein tiefes Instrument

Dabei war Hackl eher zufällig an sein Instrument geraten: Nachdem er in der Grundschule Blockflöte gelernt hatte, wollte er ab der 5. Klasse auf ein richtig tiefes Instrument wechseln. Doch für die Tuba war er damals noch ein bisschen klein – was man sich bei seiner heutigen Größe von knapp 1,90 Metern gar nicht mehr vorstellen kann. Als Alternative gab es zu Hause einen E-Bass, den sein Vater von einem verstorbenen Freund geerbt hatte. Seit acht Jahren übt er nun dieses Instrument und Thomas Härtel, sein Lehrer an der Musikschule Füssen, ist voll des Lobes für seinen Schützling. „Er hat alles aufgesogen wie ein Schwamm“, erinnert er sich an den Unterricht. Schon ganz schnell habe sich gezeigt, dass der heute 18-Jährige beide Voraussetzungen erfüllt, um an seinem Instrument zu glänzen: Er habe sowohl das nötige Talent als auch die erforderliche Ausdauer beim Üben. Ganz schnell, schon in seinem ersten Jahr am Bass, wurde Simon in die Big Band des Gymnasiums Füssen aufgenommen, weil die noch einen Bassisten brauchte. Viele weitere Kombinationen und Ensembles folgten.

Zum Duo zusammengewachsen

Mittlerweile ist aus den wöchentlichen Unterrichtsstunden so etwas wie eine Bandprobe des Duos Hackl/Härtel geworden. An Bass und E-Gitarre spielen sie zusammen, unter anderem auch selbst für diese Kombination arrangierte oder sogar geschriebene Stücke. Beim Gedanken, dass das Abitur die beiden nun scheidet, blutet dem Lehrer schon ein wenig das Herz. Dass sein hochtalentierter Schützling nicht direkt eine weitere Karriere in der Musik anstrebt, sondern erst mal ein Duales Studium am Finanzamt absolvieren will, trägt er dagegen mit Fassung. Der Simon sei schließlich noch jung genug, um eventuell später noch zu wechseln. Eine Mitgliedschaft im Landesjugendjazzorchester würde auf jeden Fall dazu beitragen, dass er am Ball bleibt. „Ich werde mir das überlegen“, sagt Simon selbst zu der Möglichkeit, auch künftig weiter gemeinsam mit anderen auf hohem Niveau Musik zu machen.

Wie die Aufnahmeprüfung einer Hochschule

Welch hohes Niveau Simon Hackl mit der D3-Prüfung nachgewiesen hat, macht Härtel so deutlich: „Das entspricht der Aufnahmeprüfung an einer Hochschule.“ Neben Können am Instrument ist dabei auch theoretisches Wissen gefragt. Seine praktische Vielseitigkeit belegte Simon ohnehin in Stücken aus diversen Genres von Funk und Jazz über Latin bis Swing sowie in verschiedenen binären oder ternären Rhythmen – also in Takten, die auf zwei oder drei Schlägen basieren.

Eigentlich wäre Simon schon viel früher so weit gewesen, meint Härtel. Man habe sich die Prüfung aber bewusst als finales Abschlussprojekt aufgehoben. Dass Simon das nun parallel zu seinen Abiturprüfungen bewältigt hat, findet auch Musikschulleiter Robert Maul besonders bemerkenswert, der ebenfalls große Stücke auf seinen Schützling hält.

E-Bass geht auch solo

Beachtlich ist zudem, wie gut Simon Hackl die enorme Entwicklung mitgemacht hat, die der E-Bass als Instrument in den vergangenen Jahren genommen hat, weg von einem reinen Begleitinstrument. Mittlerweile ist er auch als Instrument für Solokonzerte anerkannt und wird dann nicht nur mit einzeln gezupften Tönen, sondern ganzen Melodieläufen und Akkorden gespielt. Aber alles schön tief – gerade so, wie es sich Simon Hackl schon als Fünftklässler von seinem Instrument gewünscht hatte.

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