Extremsport im Allgäu

Iron Man am Forggensee: Zwei Sport-Verrückte aus Füssen und ihre Idee

Hannes Zacherl (links) und Triathlon-Profi Sebastian Neef werden am 4. September ein kühnes Experiment wagen. Auf eigene Faust wollen sie rund um den Forggensee einen Iron Man absolvieren – ganz ohne Organisation.

Hannes Zacherl (links) und Triathlon-Profi Sebastian Neef werden am 4. September ein kühnes Experiment wagen. Auf eigene Faust wollen sie rund um den Forggensee einen Iron Man absolvieren – ganz ohne Organisation.

Bild: Benedikt Siegert

Hannes Zacherl (links) und Triathlon-Profi Sebastian Neef werden am 4. September ein kühnes Experiment wagen. Auf eigene Faust wollen sie rund um den Forggensee einen Iron Man absolvieren – ganz ohne Organisation.

Bild: Benedikt Siegert

Hannes Zacherl und Profi Sebastian Neef werden ein Experiment wagen: Sie wollen die Triathlon-Langdistanz am Forggensee meistern. Ganz ohne Organisation.
04.08.2022 | Stand: 17:54 Uhr

Erst der Wettkampf macht den Sportler zu dem, was er ist. Doch für Hannes Zacherl und Sebastian Neef liegt der Reiz ihres Projekts genau darin, dass es sich eben nicht um ein klassisches Rennen handelt. Die beiden wollen am 4. September einen Iron Man rund um den Forggensee absolvieren: 3,8 Kilometer Schwimmen rund um Dietringen, 180 Kilometer Radfahren am Lech entlang bis nach Landsberg und dann 42 Kilometer Laufen. „Hawäu“ haben Zacherl (56), seit Jahren eine feste Größe in der Ausdauersportszene, und Profi-Triathlet Neef (33) ihr Projekt überschrieben. Es ist eine Wortneuschöpfung aus Hawaii, wo der Iron Man seine Heimat hat, und dem Allgäu, wo sie die Langdistanz absolvieren wollen.

Das Besondere: „Wir verzichten auf fast jede Form von Organisation“, sagt Zacherl. Es werde keine Verpflegungsstationen, keine abgesperrte Strecke und auch keine Zeitnahme geben. „Unsere Infrastruktur ist die Landschaft, mehr nicht“, sagt Zacherl.

Hannes Zacherl und Sebastian Neef: Triathlon am Forggensee auf eigene Faust

Anschließen könne sich jeder Ausdauersportbegeisterte. „Die sollen um kurz vor sechs nach Dietringen kommen und einfach mitmachen.“ Wichtig dabei: Es sollen Spenden gesammelt werden für die Kaufbeurer Hilfsorganisation Humedica.

„Ich hab auf das ganze Drumherum mit Startgeldern, Genehmigungen von Behörden und dem großen Menschauflauf keinen Bock mehr“, sagt Zacherl. Einst war er Initiator für den König-Ludwig-Lauf in Füssen oder den Mountainbike-Marathon in Pfronten. Doch den Aufwand solcher Events will Zacherl inzwischen nicht mehr stemmen. Stattdessen heißt das Motto für ihn jetzt: auf zum „Hawäu“. Vor 26 Jahren hat Zacherl letztmals einen solchen Triathlon über die Langdistanz absolviert. Nun hatte er Lust, wie er erzählt, es noch einmal zu versuchen.

Das steckt hinter dem "Hawäu" von Hannes Zacherl in Füssen

Und wer wäre da als Partner nicht prädestinierter als Sebastian Neef? Der 33-jährige Profi-Triathlet stammt aus Regensburg, wohnt aber schon seit Jahren in der Ziegelwies. Die Geschichte, wie sich beide kennenlernten und für das Projekt begeisterten, hat aber tragische Züge. Denn sie handelt von der Leidensgeschichte Neefs. Der Profisportler hat noch immer mit den Nachwirkungen einer Corona-Infektion zu kämpfen. Im November erwischte ihn die Delta-Variante. Seither hat er noch immer nicht zurück zu alter Form gefunden. Erst in der vergangenen Woche habe er einen Ausdauerlauf absolvieren wollen, erzählt Neef. „Geschwindigkeit: vier Minuten pro Kilometer, normalerweise geht das für mich ganz locker“, erzählt der 33-Jährige. Doch nach Kilometer zwölf ging nichts mehr. „Beine und Muskulatur spielten zwar mit“, sagt Neef. „Doch ich bekam plötzlich keine Luft mehr.“ Nicht mal mehr einen kurzen Berganstieg schaffte er mehr ohne Pause. Damit war für ihn klar: Es hatte keinen Sinn für ihn, nach Kalmar (Schweden) zu reisen, wo am 20. August die Qualifikation für den Iron Man auf Hawaii stattgefunden hätte.

Sebastian Neef aus Füssen hat mit den Corona-Langzeitfolgen zu kämpfen

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Seinen Traum von der Langdistanz 2022 wollte er aber noch nicht ganz abschreiben. Und so fanden er und Hannes Zacherl zusammen. Der Kontakt kam über dessen Frau zustande, die ebenfalls an den Folgen einer Corona-Erkrankung leidet, und Neef bei einer Therapiesitzung kennenlernte.

„Je mehr ich über die Idee von Hannes nachdenke, umso mehr freue ich mich“, sagt Neef. Er erhofft sich, am 4. September ohne Wettkampf-Druck eine gute Zeit hinzulegen. Sofern der Körper mitspielt. Schon einmal absolvierte er die Langdistanz in einer Zielzeit von acht Stunden und zehn Minuten. „Womöglich schaffe ich es am 4. September, die Zeit in der lockeren Atmosphäre zu unterbieten“, sagt Neef.

Er soll beim „Hawäu“ eine Art Galionsfigur sein und anderen Sportlern als Orientierung dienen. Wie viele mitmachen? Das ist Zacherl und Neef gar nicht mal so wichtig. „Uns ist völlig wurscht, ob viele da sein werden oder keiner.“ Natürlich freuen sie sich über jeden Mitstreiter. Auch über solche, die nur einen Teil der Strecke mitlaufen. Denn es geht schließlich um Spenden für die gute Sache. Aber der Hawäu, er soll ein Wettkampf sein, der eigentlich keiner ist.