Juniorwahl und U18-Wahl

U-18-Wahlen in Füssen: Wie wählen junge Menschen im Allgäu?

Gymnasium_Wahl

Maria Fochler und Katharina Kuhn (von links) haben ihre Stimme bei den Juniorwahlen bereits abgegeben. Bei der „echten“ Bundestagswahl dürfen sie das noch nicht – dafür sind die beiden 16-Jährigen laut Wahlgesetz zu jung. Wahlhelfer Sarah Imagliazzo und Maresa Menner (von rechts) waren für den Ablauf zuständig.

Bild: Kraut

Maria Fochler und Katharina Kuhn (von links) haben ihre Stimme bei den Juniorwahlen bereits abgegeben. Bei der „echten“ Bundestagswahl dürfen sie das noch nicht – dafür sind die beiden 16-Jährigen laut Wahlgesetz zu jung. Wahlhelfer Sarah Imagliazzo und Maresa Menner (von rechts) waren für den Ablauf zuständig.

Bild: Kraut

Sie dürfen ihre Stimme nicht abgeben, weil sie zu jung sind. An der U18-Wahl oder der Juniorwahl können Jugendliche aber teilnehmen. Eine Reportage.
24.09.2021 | Stand: 19:23 Uhr

Am Sonntagabend blickt die ganze Nation auf Berlin: Wenn um 18 Uhr die ersten Hochrechnungen eintreffen, sollte zumindest eine Tendenz erkennbar sein, wer die Nachfolge von Angela Merkel antritt. 60,4 Millionen Deutsche sind zur Wahlurne aufgerufen. Allerdings erst ab 18 Jahren. Obwohl die Herabsetzung des Stimmalters seit Jahren heiß diskutiert wird, dürfen Jugendliche auch diesmal nicht ihr Kreuz setzen. Eigentlich: Die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Füssen haben schon mal ihre blauen Stimmzettel abgegeben.

Am Freitagvormittag stehen Sarah Imagliazzo und Maresa Menner an der versiegelten Wahlurne in ihrem Klassenzimmer. Die beiden kontrollieren. Und haken ab. Und bewachen. Auch, als Katharina Kuhn und Maria Fochler ihre Stimmzettel einwerfen. Die beiden Sechzehnjährigen haben ihr Kreuz gesetzt. Ob sie allerdings auch wirklich so gewählt hätten, wäre es die echte Bundestagswahl, da sind sie sich unsicher.

Juniorwahl am Gymnasium Füssen: Aktion läuft seit zwölf Jahren

Denn obwohl alles so abläuft wie am Wahlsonntag, hat ihre Stimme noch keinen Einfluss. Zumindest nicht auf die Zusammensetzung des Bundestages. Zählen tut ihre Stimme aber sehr wohl und zwar bei der Juniorwahl, die auch am Gymnasium Füssen seit zwölf Jahren durchgeführt wird. Dabei handelt es sich um ein bundesweites Programm für Schulen, bei dem es um Üben und Erleben von Demokratie geht.

„Ich müsste mich da wohl noch mehr damit beschäftigen“, sagt Kuhn, die ihren blauen Stimmzettel gerade in die Wahlurne geworfen hat. Bisher habe sie sich kaum mit den Parteien und der Politik auseinandergesetzt. Im Unterricht, im Fernsehen und über die Eltern haben die Schülerinnen zwar einiges mitbekommen. Dennoch fühlen sie sich noch nicht gänzlich informiert. Aber immerhin schon besser also noch vor wenigen Wochen. 292 von 335 wahlberechtigten Schülern haben es Kuhn und Fochler gleich getan und am Gymnasium abgestimmt.

Bei Fragen stand den Schülern ihr Lehrer Uwe Favero helfend zur Hand.
Bei Fragen stand den Schülern ihr Lehrer Uwe Favero helfend zur Hand.
Bild: Marina Kraut

Im Unterricht starten die Vorbereitungen

Vorab ging es im Sozialkundeunterricht unter anderem um die Fragen, wie das Wahlsystem funktioniert und was die Wahl in einer Demokratie eigentlich bedeutet. Zum Unterrichtsstoff gehört dann auch die Juniorwahl selbst. Von der neunten bis zur zwölften Jahrgangsstufe haben so im Laufe der Woche insgesamt 16 Klassen gewählt. Wahlpflicht gibt es keine – ganz so wie bei der richtigen Bundestagswahl. Auch sonst soll die Wahl und ihre Durchführung so echt wie möglich sein. Jede Klasse stellt ihre eigenen Wahlhelfer, erklärt Imagliazzo, die immer noch an der Wahlurne steht, so wie es auch am Sonntag in den zehn Füssener Wahllokalen der Fall sein wird.

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Ostallgäuer Jugendliche stimmen ab: Diese Partei ist der Spitzenreiter

„Wir überprüfen ob das Ausweisdokument auch wirklich mit der Wahlbenachrichtigung übereinstimmt.“ In der Realität würden die Schüler mit dem Geburtsjahr 2003 und jünger natürlich nicht zur Stimmabgabe gelassen werden.

Aber wären sie nicht schon reif genug dafür? „Dass wir erst mit 18 wählen dürfen, ist für uns kein Problem,“ sagen Kuhn und Fochler. Beide gestehen, sich noch nicht allzu sehr mit dem Thema beschäftigt zu haben. Sie glauben, dass einige der jungen Leute die Grünen wählen würden. Das sei aber keineswegs ein Trend. Auch SPD und CDU/CSU kämen laut den Schülerinnen gut an.

U18-Wahl: Grüne bayernweit weiter vorne

Das bestätigt auch das Ergebnis der U18-Wahl des Kreisjugendrings (KJR). Im Ostallgäu hatte bei der vom KJR durchgeführten Wahl die CSU die Nase vorn. Mit 22,4 Prozent der Stimmen – dicht gefolgt von der SPD mit 19,5 Prozent. Die Grünen erhielten 12 Prozent der Stimmen, genauso wie die FDP. Noch vor den Freien Wählern und der Linken schnitt die AfD (7,6 Prozent) ab. An der U18-Wahl teilgenommen hatten im Landkreis 2.020 Jugendliche.

Im Freistaat haben nach Angaben des KJR 70 .000 Menschen unter 18 Jahren ihre Stimme abgegeben. Auch hier führt die CSU mit 20,9 Prozent der Stimmen. Jedoch haben die Grünen wesentlich besser abgeschnitten als im Ostallgäu. Bayernweit ist die Partei mit 18,8 Prozent der Stimmen auf dem zweiten Platz gelandet. Anders wie bei der U18-Wahl des KJR, wird das Ergebnis der Juniorwahl erst am Wahlsonntag bekannt gegeben – möglichst getreu dem Original.

Rein damit - Stimmzettel wurden in eine versiegelte Wahlurne geschmissen. Wie bei der echten Wahl.
Rein damit - Stimmzettel wurden in eine versiegelte Wahlurne geschmissen. Wie bei der echten Wahl.
Bild: Marina Kraut

Am Gymnasium Füssen kümmert sich Uwe Favero, Lehrer und Fachleiter für Politik und Gesellschaft, um den Ablauf. Er beobachtete über die Jahre häufig deutliche Unterschiede zu den echten Wahlergebnissen: „Erfahrungsgemäß sind es bestimmte Parteien, die Jugendliche ansprechen.“ Oft favorisieren die Juniorwahlen Kleinstparteien. Bayernweit nehmen insgesamt 558 Schulen an ihr teil. Schirmherr der Aktion ist Wolfgang Schäuble (CDU), Präsident des Bundestages.

Ein Unterschied zwischen dem jungen Schäuble und Jugendlichen

Seit 1972 sitzt das 79-jährige Urgestein im Parlament. In seiner Jugend dürfte ihn der Klimaschutz noch weit weniger beschäftigt haben als die heutige Generation. Denn: besonders Umweltthemen bewegen die Schüler bei der Juniorwahl. „Vor ein paar Jahren waren noch ‘Die Piraten’ gefragt,“ sagt Favero. Im Wahlergebnis selbst sei dann häufig „der Background der Eltern abgebildet“.

Fochler und Kuhn haben in Sozialkunde vorab den Wahl-O-Mat gemacht. Das Ergebnis überzeugte die beiden allerdings nicht. Auch einer der Kanzlerkandidaten kann das nicht. Ihre Prognose zur Nachfolge Merkels: „Scholz oder Baerbock.“ Doch egal, wer es am Sonntag wird: Die Bundestagswahlen werden die Schüler in den kommenden Wochen noch weiterhin beschäftigen. (mit Stefanie Gronostay)