Kunst in Eisenberg - Bildergalerie

Kunst in seiner Vielfalt: Der Malerhof von Siegfried Kössel

Malerhof Kössel

Der Malerhof von Siegfried Kössel ist voll mit Kunstwerken des Allgäuer Künstlers. Adoptivtocher Fischer-Kössel plant nach der Corona-Pandemie Führungen in dem Haus des Künstlers.

Bild: Fotos: Albert Guggemos

Der Malerhof von Siegfried Kössel ist voll mit Kunstwerken des Allgäuer Künstlers. Adoptivtocher Fischer-Kössel plant nach der Corona-Pandemie Führungen in dem Haus des Künstlers.

Bild: Fotos: Albert Guggemos

Der vielfältige Künstler Siegfried Kössel war weit über Füssen hinaus bekannt. Seine Kunst prägte das südliche Ostallgäu. Nun kann seine Kunst bestaunt werden.
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Von Albert Guggemos
08.02.2021 | Stand: 12:00 Uhr

Zwar ist den Einheimischen das Wirken Kössels in groben Umrissen bekannt, doch nur wer seinen Malerhof im Eisenberger Ortsteil Holz auch von innen gesehen hat, kann seine künstlerische Vielseitigkeit erahnen. Was in diesem altehrwürdigen Bauernhaus in über 50 Jahren alles entworfen, gestaltet und verwirklicht wurde, verursacht schlichtweg ungläubiges Staunen. Es reicht von der Bilder-, Wand- und Deckenmalerei bis hin zu meisterhaften Kunstschmiede-, Holz- und Metallarbeiten. Und dennoch: Was es in seinem Malerhof, dem ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesen seiner Eltern, zu bewundern gibt, ist nur ein Bruchteil dessen, was in seiner über 50-jährigen Künstlertätigkeit von ihm erdacht und geschaffen wurde.

Kössel war Autodidakt und machte sich als Gestalter von Häuserfassaden, Gaststuben und edlen Hoteleinrichtungen in Bayern, Österreich und Südtirol ebenso einen Namen wie mit Firmenlogos oder Metallplastiken. Das Gesicht der Stadt Füssen, insbesondere die Altstadt, sind eindeutig von den künstlerischen Zügen Kössels geprägt. Auch in der Gemeinde Eisenberg lassen sich vielerorts seine Spuren finden. Unter anderem im Burghotel Bären oder in einem seiner Erstlingswerke, dem vertrauten Bild an der früheren Volksschule in Zell.

Kössel prägte das Stadtbild in Füssen

Im gesamten süddeutschen Raum und weit darüber hinaus hat sich Siegfried Kössel mit seinen Werken verewigt. Dabei beherrschte er nahezu alle Techniken. Er zeichnete, malte, schweißte und schmiedete. Jedes seiner Werke ist ein Unikat und es ist kaum möglich, eine Arbeit besonders hervorzuheben. Eines seiner Werke darf aber nicht unerwähnt bleiben: das Kriegerdenkmal in Zell. Hier gelang es dem „Prophet im eigenen Land“, eine Zeitepoche des Schreckens und der Menschenverachtung als modernes Mahnelement vor der eigenen Haustüre zu statuieren.

Trotz der modernen Gestaltung konnten ihm selbst konservative Zeitgenossen die Anerkennung für dieses Werk nicht verwehren. Überwältigend in Form und Ausdruckskraft sind seine schmiedeeisernen Kreuze. Eine besondere Beziehung hatte Kössel zu Bergkristallen. Er konnte der Schönheit dieser Mineralien nicht widerstehen und hat, wie er mit Begeisterung erzählte, daran Feuer gefangen. Bergkristalle wollen gefasst werden und so zur vollen Entfaltung kommen, sie sind meine Welt, sagte der Künstler.

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Die Kunst von Siegfried Kössel

Siegfried Kössel: Ein Lehrer entdeckte sein Talent

Kössels Talent war schon früh einem Lehrer in der Volksschule Zell aufgefallen. Später, im Krieg, wurde Kössel schwer verwundet. In einem Lazarett im Bayerischen Wald lernte er als Kameraden einen Wiener Akademieprofessor kennen. Dieser konnte ihm theoretisch und praktisch viel beibringen. Kössel kehrte 1945 vom Krieg heim, besuchte dann die Kunstschule in München Nymphenburg und wurde 1950 Privatschüler bei Professor Wimmer in Wien. Zunächst bewirtschaftete der junge Künstler noch mit seinen Eltern den Hof, doch seine Liebe galt der Kunst.

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1957 heiratete er Barbara Theresia, geborene Eiband aus Kemnat bei Kaufbeuren. Die Pädagogin war die ideale Partnerin, die ihm nicht nur mit Rat und Tat, sondern auch mit psychischer Unterstützung Kraft, Mut und Durchhaltevermögen gab. Weil die Aufträge immer mehr wurden, gab Kössel 1962 die Landwirtschaft auf. Als die Lehrerin in den Ruhestand trat, wurde sie zu seiner unentbehrlichen Mitarbeiterin. Es gab fast kein Projekt, das nicht gemeinsam „erdacht“ wurde. Barbara Theresia verstarb am 1. April 2004. (Lesen Sie auch: Einst versorgte die Schlossbergalm den Adel, heute Ausflügler.)

Wo Kunst im Ostallgäu zu finden ist

Siegfried Kössel blieb auch im vorgerückten Alter in seinem Schaffen jung und steckte immer noch voller Ideen. Neben der großartigen Ausgestaltung seines Malerhofes hatte er sich noch einen persönlichen Traum verwirklicht. Dies ist die Schutzengelkapelle auf seinem Grundstück. Trotzdem er nie ein Gelübde abgelegt hatte, veranlasste ihn eine innere Beziehung zu den himmlischen Wesen zur Verwirklichung dieser wunderschönen Gnadenstätte. Nach deren Fertigstellung sprach er mit Stolz von dem lieblichen Kleinod, wo schon ein hoher Würdenträger des Vatikans und persönlicher Berater von Papst Johannes Paul II. eine feierliche Messe gehalten hat. Der Künstler setzte sich gern auf das gemütliche „Bänkle“ vor der Kapelle und freute sich, wenn Wanderer Platz nahmen und Zeit für einen Hoigarte fanden.

Die Engelkapelle von Siegfried Kössel gegenwärtig-ag
Die Engelkapelle von Siegfried Kössel gegenwärtig-ag
Bild: Albert Guggemos

Kössel starb am 12. Dezember 2013 im Alter von 90 Jahren in seinem Malerhof. Kurz zuvor hatte er dort noch geistig sehr rege seinen 90. Geburtstag gefeiert und mit Begeisterung aus seinem Künstlerleben erzählt. Adoptivtochter Lisa Fischer-Kössel hatte den Künstler nach dem Tod seiner Frau Theresia fürsorglich und liebevoll gepflegt und betreut. Dafür hatte er ihr die Verwaltung aller Kunstgegenstände und seines Malerhofs anvertraut.

  • Wenn es coronabedingt wieder möglich ist, plant Fischer-Kössel Führungen an Wochenenden, deren Termine dann rechtzeitig bekannt gegeben werden. Dabei können bei Interesse auch Exponate käuflich erworben werden.