Passion 21

Magdalena im Discofieber im Festspielhaus in Füssen

Magdalena (Anna Hofbauer) und Judas (Christopher Brose) feiern den Einzug in Jerusalem – tanzend unter einer Discokugel, ehe sie darüber diskutieren, wie es nun mit Jesus und seinen Begleitern weitergehen soll.

Magdalena (Anna Hofbauer) und Judas (Christopher Brose) feiern den Einzug in Jerusalem – tanzend unter einer Discokugel, ehe sie darüber diskutieren, wie es nun mit Jesus und seinen Begleitern weitergehen soll.

Bild: Benedikt Siegert

Magdalena (Anna Hofbauer) und Judas (Christopher Brose) feiern den Einzug in Jerusalem – tanzend unter einer Discokugel, ehe sie darüber diskutieren, wie es nun mit Jesus und seinen Begleitern weitergehen soll.

Bild: Benedikt Siegert

In Füssen laufen die Proben für ein Stück, das eine alte Geschichte ganz neu erzählt. Besucher werden ins Geschehen gezogen. Der Weg führt sie durch Jerusalem.
02.04.2022 | Stand: 05:45 Uhr

Ist mit dem Einzug des Friedensfürsten in Jerusalem die Zeit gekommen, muss das Samenkorn sterben, um reiche Frucht zu tragen? Oder ist es die Zeit, mit Feuer die alten Herrscher zu verjagen, um Gott ein neues irdisches Reich zu errichten? Als Magdalena (Anna Hofbauer) und Judas (Christopher Brose) darüber auf der Bühne des Festspielhauses Neuschwanstein in Füssen vor einer Schar Journalisten diskutieren, tun sie das in wechselnder Kulisse. Erst stehen sie auf nackter Bühne, zuletzt begleitet von Musik in einem Disco-Ambiente mit Glitzerkugel, farbigen Lichtern und Projektionen. Statt auf 10.000 Komparsen wie einst die großen Sandalen-Filme, setzen die Macher der „Passion21“ um Regisseur Manfred Schweigkofler aus Bozen auf technische Effekte, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Und wie das Beispiel mit Magdalena und Judas zeigt: Es funktioniert.

Vor 2000 Jahren und im heute - gleichzeitig

Es zeigt aber noch etwas Weiteres: Um die Zeitlosigkeit der Geschichte um Leiden und Tod Jesu aufzuzeigen, spielt sie zu dessen Zeit, aber auch in der Gegenwart – und das gleichzeitig. Im Jerusalem zu Jesu Zeit freuen sich die Jüngerinnen und Jünger über den Einzug in die Heilige Stadt – und feiern in der Disco. Petrus ist ganz der einfache Fischer von einst. Wenn er aber davon erzählt, wie ihn sein Herr ausschickt, den Saal für das Pessachfest zu finden, verwendet er Ausdrücke wie „by the way“ oder „whatever“. Als er seinen Text zum ersten Mal gelesen habe, habe er schon etwas gestutzt, räumt Darsteller Pirmin Sedlmeier ein. In den wenigen Tagen, an denen die Proben vor dem Pressebesuch gelaufen sind, hat er sich aber schon gut in die Rolle des noch zweifelnden, manchmal etwas überforderten Jüngers eingefunden. Er ist noch nicht der Felsen, auf dem Jesu seine Kirche baut, beschreibt Regisseur Schweigkofler die Rolle. In ihre Rollen sollen sich die Schauspieler während der Proben erst noch hineinfühlen. Work in Progress. Zwar steht die Geschichte seit 2000 Jahren. Wie sie erzählt wird, kann sich aber noch von Probe zu Probe verändern.

Höchste Präzision gefordert

Die Schauspieler stehen dabei nicht nur vor der großen Herausforderung, die gigantische Drehbühne mit ihrer Präsenz zu füllen und dabei eine riesen Geschichte auf ihre Essenz zu reduzieren, wie Schweigkofler sagt. Gefordert ist im Zusammenspiel mit der Technik auch höchste Präzision.

Der Zuschauer, das machen schon die kurzen Ausschnitte klar, ist bei der „Passion21“ nicht einfach ein Betrachter des Geschehens auf der Bühne. Er wird mitten hineingezogen. Das beginnt schon im Foyer des Festspielhauses, wo man unvermittelt eine Marktszenerie im alten Jerusalem betritt. Im großen Saal ziehen Rundumprojektionen, Lichteffekte und gelegentlich eine direkte Ansprache durch Darsteller Besucher ins Geschehen hinein. Soundeffekte und filmmusikartige Klänge tun ihr übriges, das österliche Geschehen mit allen Sinnen erfahrbar zu machen.

Jesus ist immer dabei, aber nie zu sehen

Jesus selbst, um den sich doch alles dreht, steht nicht auf der Bühne. Er spiegelt sich aber in fünf Hauptfiguren, die sich tief in die Seele blicken lassen als Personen, die menschlich und aus nachvollziehbaren Motiven handeln. Beispielsweise Hohepriester Kaiphas, der wie bereits im Film „Passion2:1“ vom vergangenen Jahr von Michael Grimm verkörpert wird. Er ist nicht der Bösewicht, der Christus aus dem Weg räumen will. Er ist zutiefst besorgt, wegen der Unruhe, die dieser Wanderprediger verbreitet und kämpft darum, die Ordnung zu bewahren und Chaos zu verhindern. Neben den Hauptfiguren treten auch zwei Journalistinnen auf, die über das Geschehen berichten.

Angesichts der Corona-Pandemie sind alle Rollen sicherheitshalber doppelt besetzt. Mehrere Schauspieler bereiten sich dabei auf einen Einsatz in mehreren Rollen vor. Gleichzeitig versucht das Team um Produktionsleiter Florian Zwipf-Zaharia mit ständigen Tests und Masken, wenn immer möglich, das Risiko gering zu halten. Nach zwei vergeblichen Anläufen soll es in diesem Jahr schließlich unbedingt gelingen, die Ostergeschichte im Festspielhaus in Füssen noch einmal ganz neu zu erzählen.