Projekt erhält Förderung

Näher an den Leuten dran: Seeg bekommt ein Hospizzimmer

Hospizzimmer

Der Bundestagsabgeordnete Stephan Stracke überbringt die Nachricht der Förderung an Vorsitzende Katrin Heller-Breer.

Bild: Abgeordneten-Büro Stracke

Der Bundestagsabgeordnete Stephan Stracke überbringt die Nachricht der Förderung an Vorsitzende Katrin Heller-Breer.

Bild: Abgeordneten-Büro Stracke

Der Hospizverein im Füssener Land will ein stationäres Angebot im Zentrum des südlichen Ostallgäus errichten. Wie der Verein durch das Corona-Jahr 2020 kam.
27.06.2021 | Stand: 06:00 Uhr

Als Herzensprojekt bezeichnet das Hospiz Südliches Ostallgäu den Plan zu einem stationären Angebot in Seeg. Das Hospizzimmer soll in der Mitte des Einsatzgebiets des Vereins entstehen und an eine Pflegeeinrichtung angegliedert werden. Jetzt erhielt das Projekt die Zusage für eine Förderung vom Bund.

Beim Pilotprogramm des Bundesfamilienministeriums „Sterben, wo man lebt und zu Hause ist“ setzte sich das Konzept „Hospizzimmer“ gegen mehr als 100 Mitbewerber durch. Der Verein erhält somit eine einmalige Förderung des Bundes in Höhe von 25 000 Euro. Das teilte der Allgäuer Bundestagsabgeordnete Stephan Stracke (CSU) mit, als er den Verein in Füssen besuchte. Das Projekt im Ostallgäu ist eines von nur zehn geförderten Maßnahmen bundesweit und das einzige in Süddeutschland.

Heimatnahe Versorgung im Hospizzimmer in Seeg

„Im Einsatzgebiet des Hospizvereins leben rund 50 000 Menschen“, sagte Stracke. „Bislang können hier schwerkranke Menschen in ihrer letzten Lebensphase nicht heimatnah stationär versorgt werden.“ Die nächste Möglichkeit bietet das Hospiz in Kempten. Mit dem Hospizzimmer in Seeg soll es künftig ein heimatnahes Angebot geben. „Dass der Bund dies unterstützt, ist gut und ein messbares Zeichen der Wertschätzung für die großartige, ehrenamtliche Arbeit des Hospizvereins“, sagte der Bundestagsabgeordnete.

Seit geraumer Zeit verfolgt der Verein die Idee eines eigenen Hospizzimmers. Die heimatnahe Unterbringung in den letzten Tagen und Wochen eines Lebens sei allen im Verein ein großes und wichtiges Anliegen, teilte die Vorsitzende Katrin Heller-Breer mit. Dass dieses Projekt nun konkret werde, sei auch den großzügigen Spenden aus den Reihen der Förderer und Freunde des Vereins zu verdanken.

Hospizzimmer soll an Alten- und Pflegeheim der Caritas in Seeg angegliedert werden

Nach zahlreichen Vorgesprächen habe sich Seeg aufgrund seiner Lage in der Mitte des südlichen Ostallgäus als der ideale Standort erwiesen. Hier soll das Caritas-Alten- und Pflegeheim im kommenden Jahr durch einen Neubau erweitert werden. Darin wird der Hospizverein im Erdgeschoss eine Wohneinheit mit zwei Räumen dauerhaft mieten. „Hier kommt die Bundesförderung genau richtig. Den Zuschuss von 25 000 Euro werden wir zur Einrichtung eines der beiden Zimmer mit verwenden“, sagte Heller-Breer.

So erging es dem Hospizverein in der Pandemie

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In der diesjährigen Jahresversammlung blickte Heller-Breer außerdem auf das vergangene Jahr zurück. Während der Pandemie beschäftigten den Verein Fragen wie zum Beispiel: „Wie schützen wir unsere Hospizbegleiter?“ „Was können wir trotzdem für die Sterbenden tun?“ „Auf wann sollen wir das jetzt verschieben?“ „Wie halten wir Kontakt unter Kontaktbeschränkungen?“. Viele der 50 ehrenamtlichen Hospizbegleiter gehören selbst zu den Risiko-Gruppen. Mit steigenden Infektionszahlen kam es neben den Kontaktbeschränkungen zu Zutrittsverboten in den Pflegeeinrichtungen.

Viele Menschen, die bis dahin vom Verein begleitet wurden, durften nicht mehr besucht werden. Das habe sowohl die Ehrenamtlichen als auch die Hauptamtlichen sehr belastet, berichtete Heller-Breer. Trotz dieser Widrigkeiten begleitete der Verein immerhin 63 schwerstkranke und sterbende Menschen.

Hospizverein bildete weitere Ehrenamtliche aus

Die Zeit der Lockerungen im Sommer wurde genutzt, um mehrere Ehrenamtliche weiterzubilden. Es konnten außerdem acht neue Hospizbegleiter nach absolvierter Ausbildung in den Dienst entsandt werden. Zudem starteten sieben Ehrenamtliche ihre Ausbildung zum Trauerbegleiter. Der Verein führte in 2020 zum ersten Mal einen „Letzte-Hilfe-Kurs“ für interessierte Bürger durch und ließ eigens dafür drei zertifizierte Kursleiterinnen ausbilden. Die Kurse sollen auch in Zukunft in jedem Jahr mindestens zweimal stattfinden.

„Es liegen weiter große Herausforderungen vor uns“, zog Heller-Breer Fazit. „Gott sei dank hat unsere Hospizfamilie so viele wunderbare Ehrenamtliche und Hauptamtliche.“ Der Verein brauche das Engagement und die Kraft aller, dann könnte er seine Aufgaben im Dienst am Menschen meistern, sagte sie. „Denn: Unser Verein steht weiter unter einem guten Stern.“

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