Holzschnitte

Neue Ausstellung: Kunst von Computerpionier Konrad Zuse in Hopferau

Aus dem Jahr 1946 stammt dieser Holzschnitt von Konrad Zuse. Er zeigt das kleine Bergdorf Hinterstein.

Aus dem Jahr 1946 stammt dieser Holzschnitt von Konrad Zuse. Er zeigt das kleine Bergdorf Hinterstein.

Bild: Horst Zuse

Aus dem Jahr 1946 stammt dieser Holzschnitt von Konrad Zuse. Er zeigt das kleine Bergdorf Hinterstein.

Bild: Horst Zuse

In der Not nach Kriegsende fertigte Konrad Zuse Landschaftsbilder und Postkarten, um mit dem Verkauf seine Familie zu ernähren. Sein Sohn kommt nun nach Hopferau.
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Von Allgäuer Zeitung
22.06.2022 | Stand: 05:45 Uhr

Computerpionier Konrad Zuse war auch ein Künstler: Das zeigt das Schloss zu Hopferau ab Samstag, 25. Juni, in einer Ausstellung mit 22 Holzschnitt-Reproduktionen, die in Hinterstein und Hopferau entstanden sind. Um seine Familie zu ernähren, hatte Zuse am Ende des Zweiten Weltkriegs detailreiche Holzschnitte angefertigt, die die Allgäuer Alpenlandschaft, Kirchen und Dörfer zeigte. Die gedruckten Kunstwerke, darunter auch Oster- und Weihnachtskarten, verkaufte er unter anderem an alliierte Soldaten.

Sohn von Konrad Zuse hält Vortrag in Hopferau

Zur Eröffnung der Ausstellung hält Zuses in Bad Hindelang geborener Sohn Professor Horst Zuse am Samstag, 25. Juni, ab 16 Uhr einen Vortrag über die Zeit der Zuses im Allgäu. Konrad Zuse war 1945 mit seinem Computer Z4 von Berlin nach Hinterstein geflüchtet. Da die Umstände die Arbeit an der revolutionären Maschine verhinderten, widmete er sich seiner zweiten Leidenschaft, der Kunst. Zum Ende des Kriegs gab es in dem kleinen Bergdorf Hinterstein nicht genügend Strom und generell war Metall und anderes technisches Material knapp. Auch in Hopferau, wohin er nach einem Jahr umsiedelte, war er künstlerisch tätig. So entstanden von 1945 bis 1949 viele einfarbige und auch mehrfarbiger Holzschnitte.

In Hopferau waren die Arbeitsbedingungen für Zuse besser: Es gab Strom und eine kleine Werkstatt im Mehllager neben dem Schloss. Dort stellte Zuse den ersten kommerziell genutzten Computer Z4 fertig, den er an die ETH in Zürich verkaufte. Es war der Startschuss für sein Computer-Unternehmen und die digitalen Welt von heute.

Holzschnitte von Konrad Zuse werden erstmals gezeigt

Erstmals werden die von Konrad Zuse gefertigten Holzschnitte nun gesammelt in einer Ausstellung kostenfrei gezeigt. Kunst, die in einer Phase des Umbruchs aus Notwendigkeit entstanden ist und die Allgäuer Landschaft und Kultur trotz der Limitationen des Medium sehr detailreich und naturalistisch abbildet. Die im Treppenhaus des Schlosses zu Hopferau ausgestellten Bilder sind Reproduktionen. Die Holzschnitte im Besitz der Familie Zuse wurde gescannt, digital restauriert und hochwertig reproduziert, um die fast 80 Jahre alten, auf regulärem Papier gedruckten Originale zu schonen.

Zur Ausstellungseröffnung beleuchtet Horst Zuse im Zuse-Tagungsraum des Schlosses die Geschichte seines Vaters, den Erfinder, Unternehmer und Künstler mit dem Fokus auf die Zeit im Allgäu. Der einstündige Vortrag zeigt die Umstände, unter denen Zuse mit der Rechenmaschine aus Berlin flüchtete, wie es zur ersten kommerziellen Anwendung kam und das dörfliche Leben des Ingenieurs und Künstlers sich gestaltete. Höhepunkte des Vortrages werden das detaillierte Fachwissen aus erster Hand und die persönlichen Dokumente sowie der Blick in das Fotoalbum der Familie Zuse sein.

Technischer Exkurs von Informatikprofessor

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Ergänzt wird der Vortrag von einem kurzen Exkurs des renommierten Informatikprofessors Dr. Klaus Waldschmidt, der die Zuse-Maschinen im technischen Kontext erklären und ihre Bedeutung in der Gesamtentwicklung der Computer einordnen wird. Waldschmidt ist ein ausgewiesener Experte für die technische Informatik, die Architektur von Computern und international bekannt für seine wissenschaftliche Arbeit an hybriden Rechenelementen und der Simulation von Schaltungen sowie assoziativer Speicher.

Professor Horst Zuse ist aufgrund seiner Familiengeschichte und seines Wissens im Bereich Informatik ein gefragter Referent und Autor. Er hält regelmäßig Vorträge in ganz Deutschland, insbesondere für die IT-Branche. 2010 rekonstruierte er den ersten binären Digitalrechner, den Z3, welcher seit 2006 im Deutschen Technikmuseum Berlin ausgestellt wird.

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