Brauchtum und Sage

Knupprecht und Nikolaus: Im Mittelalter kam der böse Helfer dazu

Börwang brennt 2018

Im Mittelalter gesellten sich der Knecht Ruprecht oder speziell im Alpenraum die Krampusse zum Nikolaus dazu. Er war für die Strafen zuständig, da ein heiliger Mann nichts Böses tun sollte.

Bild: Matthias Becker (Archivbild)

Im Mittelalter gesellten sich der Knecht Ruprecht oder speziell im Alpenraum die Krampusse zum Nikolaus dazu. Er war für die Strafen zuständig, da ein heiliger Mann nichts Böses tun sollte.

Bild: Matthias Becker (Archivbild)

Die Verehrung des Heiligen Nikolaus begann im fünften Jahrhundert. Später gesellten sich Gehilfen hinzu, die Strafen verteilen mussten. Ein historischer Blick.
05.12.2021 | Stand: 06:39 Uhr

Nikolaus, Krampus, Knecht Ruprecht und Weihnachtsmann – rund um den Bischof von Myra gibt es viel Weihnachtsbrauchtum. Vieles davon spielt auch im Ostallgäu eine Rolle. Was woher kommt, erklärt zum Nikolaustag in diesem Jahr Klaus Wankmiller, der geschichtliche sehr bewanderte Rektor der Grundschule Pfronten und Obmann-Stellvertreter des Museumsvereins Reutte.

Am Vorabend des Nikolaustages gibt es auch bei uns viel Brauchtum um den Heiligen, der am 6. Dezember seinen Gedenktag hat. Nikolaus von Myra (heute Demre in der Südtürkei) ist eine historisch belegte Gestalt. Er nahm als Bischof im Jahre 325 am Konzil von Nicäa teil und starb an einem 6. Dezember um das Jahr 350. Schon im 5. Jahrhundert ist eine Verehrung des Heiligen nachzuweisen.

Seine Gebeine liegen seit 1087 in Bari in Süditalien, wohin sie von Reliquienräubern gebracht wurden. Um seine Person ranken sich zahlreiche Legenden. Weil er drei Mädchen einer armen Familie Goldkugeln ins Haus geworfen hatten, gilt er als Patron der Kinder. Als in der Stadt eine große Hungersnot herrschte, überzeugte Bischof Nikolaus den Kapitän eines Handelsschiffes, das für Rom bestimmte Getreide auszuladen. Als das Schiff dann an seinem Zielhafen anlegte, war es auf wundersame Weise wieder mit Getreide gefüllt. In einer anderen Erzählung geriet ein Schiff vor der lykischen Küste in Seenot.

Der Heilige Nikolaus sollte Seeleuten helfen

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Als die Seeleute den Heiligen Nikolaus um Hilfe anriefen, erschien dieser den Matrosen. Sogleich legte sich der Sturm und das Schiff gelangte wohlbehalten in den Hafen von Myra. So wurde Nikolaus zum Patron der Seeleute. In vielen Kirchen im Füssener Land findet man Figuren oder Bilder dieses Heiligen. Die Pfarrkirche in Pfronten und die Krippkirche in Füssen sind sogar diesem Heiligen geweiht. Warum aber kommt der Nikolaus heute noch zu den Menschen?

In den mittelalterlichen Klosterschulen gab es keine Zeugnisse. Lehrer oder ältere Schüler verkleideten sich als Nikolaus und lasen aus einem Buch Erfolge, aber auch Missetaten der Schüler vor. Engagierten Zöglingen wurden Geschenke überreicht, Störenfriede mit einer Rute bestraft. Im Laufe der Zeit bekam der Nikolaus einen Gehilfen – Knecht Ruprecht. Dieser war für die Strafen zuständig, denn ein heiliger Mann durfte nichts Böses tun.

Angefangen hat alles mit dem Heiligen Nikolaus von Myra. Der unter anderem als Patron der Kinder gilt und schon im fünften Jahrhundert verehrt wurde. Viele Kirchen sind ihm geweiht. Das Foto stammt aus der Krippkirche in Füssen und zeigt ein Fresko von Joseph Obermiller.
Angefangen hat alles mit dem Heiligen Nikolaus von Myra. Der unter anderem als Patron der Kinder gilt und schon im fünften Jahrhundert verehrt wurde. Viele Kirchen sind ihm geweiht. Das Foto stammt aus der Krippkirche in Füssen und zeigt ein Fresko von Joseph Obermiller.
Bild: Klaus Wankmiller

Im Alpenraum gesellte sich der Krampus als bösartiger Widerpart und Begleiter zum Bischof Nikolaus. Der Name stammt von „Kampen“, einem alten Wort für Kralle. Krampusse rügten früher ein Missfallen in der Bevölkerung, wie beispielsweise geizige Bauern oder zu strenge Dienstherren. Im Zuge der Aufklärung wurden Krampusse wegen ihres teuflischen Aussehens verboten. In abgelegenen Tälern hat sich dieses Brauchtum jedoch erhalten.

Krampus, Knecht Ruprecht: Wandel im 20. Jahrhundert

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts erlangte es in abgewandelter Form wieder zunehmend an Bedeutung. Oft ziehen nun zottelige Wesen in Fellkostümen mit kunstvollen Holzmasken in Umzügen durch die Ortschaften und kündigen ihr Kommen mit großen lauten Schellen an. Zum einen sollen böse Geister in der dunkelsten Zeit des Jahres vertrieben werden, zum anderen macht man sich einen Spaß, andere Menschen zu erschrecken. Dabei gilt vielerorts ein Verhaltenskodex, der übertriebenes Auftreten der Gesellen Einhalt gebieten soll. (Lesen Sie auch: Gibt es Allgäuer Nordmanntannen?)

Im Gegensatz zum Krampus tritt Knecht Ruprecht immer nur einzeln auf. Er hält in Mittel- und Norddeutschland zusammen mit dem Nikolaus Einkehr. Der Name „Ruprecht“ leitet sich höchstwahrscheinlich von den im Salzburger Land beliebten „Perchten“ ab, die der Legende nach in den zwölf Raunächten zwischen Weihnachten und Dreikönig ihr Unwesen treiben. In diesen langen Nächten hatte man vor herumziehenden Geistern Angst. Mit dem Räuchern von Kräutern und wohlriechenden Hölzern versuchte man, sich davor zu schützen.

Martin Luther erschuf das Christkind

In protestantischen Gegenden ersetzte Martin Luther den Nikolaus durch das Christkind, das die Geschenke bringt, während Knecht Ruprecht erhalten geblieben ist. Ab etwa 1820 wurde dann auch die Gestalt von Bischof Nikolaus zum Weihnachtsmann säkularisiert. Statt Ornat, Bischofsmütze und Stab traten nun ein roter Mantel und eine Zipfelmütze auf. So hat der Fassadenkletterer Santa Claus nicht mehr viel mit dem Bischof aus Myra zu tun. Doch geht das gesamte Brauchtum rund um diesen Heiligen auf den wundertätigen Nikolaus zurück.

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