Faschingskonzert

Orgel und Blasinstrumente treiben es in Füssener Kirche bunt

Markus Kerber (links) und Walter Dolak verbreiteten in der ehrwürdigen Füssener Pfarrkirche St. Mang ein wenig Faschingsstimmung.

Markus Kerber (links) und Walter Dolak verbreiteten in der ehrwürdigen Füssener Pfarrkirche St. Mang ein wenig Faschingsstimmung.

Bild: Edith Bielenberg

Markus Kerber (links) und Walter Dolak verbreiteten in der ehrwürdigen Füssener Pfarrkirche St. Mang ein wenig Faschingsstimmung.

Bild: Edith Bielenberg

Die Vollblutmusiker Walter Dolak und Markus Kerber improvisieren in St. Mang Kirche. Das Publikum bekonnt dabei so einiges auf die Ohren.
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Von Klaus Bielenberg
01.03.2022 | Stand: 05:45 Uhr

Die „heitere Orgel“ hat viele Freundinnen und Freunde. Bis auf den letzten Platz füllten sie coronagemäß die Füssener St. Mang Kirche. Vor dem Konzert trugen viele Besucher ihre Musikwünsche in Listen ein. Walter Dolak, ein Meister der Improvisationskunst an der Orgel, sammelte sie kurz vor seinem Auftritt ein und eilte zur Empore. Mit Markus Kerber, dem Multiinstrumentalisten, sortierte er die Wünsche. Dann legten beide Künstler los und boten mit exzellenter Improvisationskunst einen außergewöhnlichen Ohrenschmaus. Für 75 Minuten trumpfte der musikalische Humor auf und bewirkte wohl das, was Pfarrer Frank Deuring bei seiner Begrüßung ausführte: „Der Humor ermöglicht, Distanz zu gewinnen“. Das tat gut in einer Zeit, die geprägt ist von Pandemie und Krieg in der Ukraine.

Vergnügen verbunden mit Kopfarbeit

Dolak und Kerber sind Vollblutmusiker, die sich bestens verstehen. Farbig verschmolzen die Töne der Klarinetten, Flöten und Saxofone mit den vielseitigen Registrierungen der Orgel. In unglaublicher Fülle tauchten Melodiebausteine verschiedenster Genres auf, die in geschickten Modulationen und mit den entsprechenden rhythmischen Varianten miteinander verbunden wurden. Das bereitete Vergnügen, regte aber auch die Kopfarbeit bei Besuchern an. Vieles war bekannt und gefällig, aber man wollte es auch zuordnen. In rascher Folge wechselten Kirchenlieder wie „Meerstern ich Dich grüße“, „Alles meinem Gott zu Ehren“, „Großer Gott wir loben Dich“, „When the Saints go marching in“ oder „Halleluja Verse“ mit Musicalmelodien aus „Phantom der Oper“, „Westside Story“ oder „Ich war noch niemals in New York“.

Es klingt nach Drehorgeln und Zirkus

Die Füssener Orgel, eine wahre Königin der Instrumente, begab sich auch in die Niederungen der Drehorgel- und Zirkusmusik. Mitten hinein platzte mit sinfonischer Wucht „Zarathustra“ von Richard Strauß. Die Eurovisionshymne durfte nicht fehlen. In den Cross-over schoben sich präludische Anklänge von Johann Sebastian Bach oder auch Beethovens „Für Elise“. Der Dialog zwischen Orgel und Blasinstrumenten, unter denen neben der Panflöte auch das eindrucksvolle Basssaxofon gewichtige Rollen hatten, riss nie ab. Wenn man sich zurücklehnte und sich von dem Strudel der Einfälle, bei denen Märsche wie der bekannte Hochzeitsmarsch von Felix Mendelssohn Batholdy oder der „Türkische Marsch“ von Wolfgang Amadeus Mozart neben Kinderliedern und Faschingsliedern ihren Platz bekommen hatten, einfach mitreißen ließ, wurde man immer wieder aufgeschreckt von einem Tusch. Es kribbelte in den Füßen beim irischen Stepptanz. Die Beatles spitzten hervor und auch Udo Jürgens mit „Aber bitte mit Sahne“ und „Mit 66 Jahren“ weckte schöne Erinnerungen. Wer hat nicht schon als Kind „Mein Hut, der hat drei Ecken“ angestimmt, im Fasching mitgeschunkelt bei „Es gibt kein Bier auf Hawaii“ oder sich von den Hot Dogs mitreißen lassen zu „Schaug hi, da liegt a toter Fisch im Wasser“. „Les Préludes“ von Franz Liszt konnte daran erinnern, wie die Nazis dieses Musikstück missbrauchten.

Musikalisches Kaleidoskop blüht auf

Die Heiterkeit verblasste, wenn man an den schrecklichen Krieg in der Ukraine dachte. Mit „Das große Tor von Kiew“ aus den „Bildern einer Ausstellung“ von Modest Mussorgsky wurde der Blick auf die in diesen Tagen geschundene Stadt gerichtet. Es war ein riesiges Kaleidoskop, das bei diesem Konzert mit virtuoser Meisterschaft aufblühte. Mit riesigem, dankbarem Beifall wurden die Künstler verabschiedet.