Freizeitgestaltung Füssen und Umgebung

Kinder mit Behinderung sollen an Freizeitangeboten teilnehmen können: Eine der größten Barrieren ist die Angst

Sandra Wimmer aus Füssen mit ihrer Tochter Luisa. Die Siebenjährige hat eine spezielle Form der Epilepsie.

Sandra Wimmer aus Füssen mit ihrer Tochter Luisa. Die Siebenjährige hat eine spezielle Form der Epilepsie.

Bild: Wimmer

Sandra Wimmer aus Füssen mit ihrer Tochter Luisa. Die Siebenjährige hat eine spezielle Form der Epilepsie.

Bild: Wimmer

Sandra Wimmers Tochter hat ein Handicap. Sie will deshalb darauf aufmerksam machen: Kinder und Jugendliche mit Behinderung sollen nicht ausgeschlossen werden.
17.02.2022 | Stand: 12:09 Uhr

Sandra Wimmer hat einen Wunsch: Kinder mit und ohne Behinderung sollen zusammen an Freizeitangeboten teilnehmen können – egal ob diese von Vereinen oder Tanzschulen kommen. Denn die Angebote seien rar, eine Teilnahme Betroffener ihrer Erfahrung nach kaum möglich. Wichtig ist der 44-jährigen Füssenerin: Vorwürfe will sie niemandem machen. Eines der größten Probleme sei die Angst, etwas falsch zu machen.

Sandra Wimmer aus Füssen hat eine Tochter, die an Epilepsie erkrankt ist

Sandra Wimmers Tochter heißt Luise. Die Siebenjährige ist aufgrund einer Epilepsie in ihrer Entwicklung verzögert, etwa ein bis eineinhalb Jahre, sagt Wimmer. Krampfanfälle habe sie nicht. Die Epilepsie sei in früheren Jahren dadurch sichtbar geworden, dass Luise für wenige Sekunden in die Luft gestarrt hat und sich dann nicht daran erinnern konnte. Die Epilepsie werde mit Medikamenten eingestellt.

Wimmer hat Bekannte, die in einer ähnlichen Situation sind und Kinder mit Handicap haben. Das rare Angebot erklären sie sich so: „Wir glauben, dass das mit Angst zusammenhängt“, sagt Wimmer. Tanz- und Singangebote gebe es beispielsweise fast keine. Gibt es dennoch die Chance teilzunehmen, müssten Eltern oft während der Stunden vor Ort sein. Dabei sei es wichtig, dass die betroffenen Eltern mal ein Zeitfenster bekommen, um etwas zu erledigen, oder eine Verschnaufpause zu machen.

Beirat für Menschen mit Behinderung Füssen: Angebote verbessern

Dass Menschen mit Handicap kaum an sportlichen Angeboten teilnehmen können, machte auch die Vorsitzende des Beirats für Menschen mit Behinderung im Füssener Stadtrat im Dezember deutlich: „Für Kinder mit Behinderung ist es sehr schwierig, in Füssen Sport zu treiben“, sagte Barbara Henle (CSU). Der Beirat setze sich zum Ziel, auch solche Barrieren, die nichts mit Schwellen am Boden zu tun haben, zu überwinden.

Dass es neben diesen sichtbaren Barrieren, auch die Barriere der Angst gebe, sagt auch der Sportwissenschaftler Sebastian Klee. Er ist seit Januar Mitarbeiter eines Projekts des Landkreises gemeinsam mit der Lebenshilfe Ostallgäu. Entstehen soll eine Unterstützung für Vereine, um ein inklusives Sportangebot anbieten zu können. Eine Erhebung habe nämlich ergeben: Von 10.000 Menschen mit Schwerbehindertenausweis seien vergleichsweise wenige in einem Sportverein aktiv – das soll sich ändern. Im Landkreis gebe es über 300 Sportvereine, fast jeder zweite Einwohner sei in einem aktiv.

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Sebastian Klee versteht sich und seinen Kollegen dabei auch als Schnittstelle für Vereine und Betroffene. Es gehe darum, Ansprechpartner zu vermitteln und zu beraten, etwa auf der sachlichen Ebene – wie kann der Zugang barrierefrei gestaltet sein. Außerdem gehe es um Aufklärung: „Es müssen Ängste überwunden werden“, sagt Klee. Dabei könnte es in Zukunft auch um Schulungen für Übungsleiter gehen.

Inklusiver Sport habe nur Vorteile

Der gemeinsame Sport von Menschen mit und ohne Behinderung habe neben den gesundheitlichen Einflüssen auch weitere Vorteile, so Klee: Es stärke und fördere emotionale und soziale Kompetenzen. Die Erfahrungen seien wichtig, sich als Team beispielsweise auf einen Sieg vorzubereiten und dann aber mit einer Niederlage umgehen zu müssen. Bei einer immer älter werdenden Gesellschaft, betont Klee, sei es vor allem auch wichtig, Senioren und Seniorinnen in den Blick zu nehmen. Diese sind vielleicht schon lange in einem Verein aktiv oder wollen sich sportlich betätigen – trotz einer womöglich aufgrund des Alters eingeschränkten Leistungsfähigkeit.

Epilepsie bei Kindern: An wen sich Eltern im Ostallgäu wenden können:

  • Epilepsien sind neurologische Erkrankungen mit äußerst vielfältigem Erscheinungsbild, schreibt die Deutsche Epilepsievereinigung. Zwischen Krankheitsbild und Symptomen muss unterschieden werden.
  • Bewusstseinsstörungen oder Krampfanfälle bei Kindern lösen bei den Eltern Ängste aus. Oft lässt sich Epilepsie aber gut behandeln.
  • In der Abteilung für Kinderneurologie am Klinikum Kaufbeuren werden Epilepsien im Kindes- und Jugendalter behandelt.
  • Auch Ernährungstherapien, Abklärung von Entwicklungsstörungen, Behandlung und Betreuung von Kindern mit Zerebralparesen und die Diagnostik und Behandlung von Kindern mit Muskelerkrankungen gehören zum Spektrum der pädiatrischen Abteilung.
  • Bei der Diagnostik kommen elektrophysiologische Untersuchungen wie EEG oder die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit zum Einsatz.
  • Weitere Infos gibt es unter der Telefonnummer 08341/42-2206, E-Mail: kinderklinik-kf@kliniken-oal-kf.de