Aktionstag zum Schutz wilder Hühner

Raufußhühner: Seit der Eiszeit in den Alpen daheim

Rahel Wölfler von der Theatertruppe „Fräulein Brehms Tierleben“ vermittelte jede Menge Informationen über Raufußhühner.

Rahel Wölfler von der Theatertruppe „Fräulein Brehms Tierleben“ vermittelte jede Menge Informationen über Raufußhühner.

Bild: Alexander Berndt

Rahel Wölfler von der Theatertruppe „Fräulein Brehms Tierleben“ vermittelte jede Menge Informationen über Raufußhühner.

Bild: Alexander Berndt

Ein Aktionstag widmet sich in Füssen und Schwangau den Raufußhühnern. Dabei wird für deren Schutz geworben. Auch ein Auerhuhntheater spielt eine Rolle.
22.09.2022 | Stand: 05:45 Uhr

Um den teilweise dramatischen Bestandsrückgang der Raufußhühner zu stoppen, fand im Zuge der gleichnamigen Wanderausstellung „Raue Zeiten für wilde Hühner“, die seit Juli im Walderlebniszentrum (WEZ) in Füssen zu sehen ist, ein Aktionstag statt. Wildbiologe Henning Werth führte die Besucherinnen und Besucher zunächst durch die Schau, um das Interesse der Gäste für Raufußhühner und deren dringend nötigen Schutz zu wecken – nach seinen Worten das Hauptziel der Ausstellung, die noch bis 27. September im WEZ zu sehen ist.

Unter anderem mit Bildern sensibilisierte Werth die Besucher für Raufußhühner, die laut ihm „ein Eiszeitrelikt“ sind. Bis in die 1950er Jahre waren Auerhuhn und Co noch deutschlandweit verbreitet. Insbesondere in den Moor- und Heideflächen sowie in den deutschen Mittelgebirgen waren diese Tiere zuhause, teilt Tom Hennemann, Gebietsbetreuer für den Ostallgäuer Alpenrand, mit. Mit wenigen Ausnahmen sind die Restvorkommen dieser wilden Hühner heute nur noch am bayerischen Alpenrand zu finden und auch dort stark gefährdet.

Menschen machen Raufußhühnern das Leben schwer

Besonders Menschen machen ihnen das Leben schwer. Auer-, Birk-, Alpenschnee- und Haselhühner haben großen Schutzbedarf, da ihnen die Menschen häufig nicht nur unbewusst zu nahe kämen, sagte Werth. Er nannte es ein wichtiges Ziel, den Lebensraum dieser Tiere zu schützen, wozu beispielsweise eine Lenkung der Besucher in den Alpen notwendig sei.

Der zweite Teil der Veranstaltung fand im Schlossbrauhaus Schwangau statt. Er begann mit dem Auerhuhntheater, bei dem die Schauspielerin Rahel Wölfler aus dem Projekt „Fräulein Brehms Tierleben“ auf unterhaltsame Weise eine Art Vorlesung über die vom Aussterben bedrohten Tiere hielt. Und während sie dabei „eine nicht frei erfundene Geschichte“ zum Besten gab, informierte sie mit Bildprojektionen, Filmeinspielungen und tierischen Geräuschen über die Rauhfußhühner. Dabei erfuhren die Zuschauerinnen und Zuschauer unter anderem, dass die Hähne „passionierte Frühaufsteher“ sind beziehungsweise in Vollmondnächten „beinahe die ganze Nacht zum Tag“ machen. „Wenn Auerhühner im Winter aufgescheucht werden, ist dies oft ihr Todesurteil“, machte die Mimin deutlich, dass die Tiere in ihrem Lebensraum teilweise stark gefährdet sind. Wohl aber nicht nur deswegen lobte Hennemann, als einer der Organisatoren des Abends, Wölflers Auftritt vor den „echten“ Fachvorträgen.

Haselhühner fast nur noch in Bayern vorhanden

Wildbiologe Dr. Ralf Siano referierte dabei über die Situation der Haselhühner, der kleinsten Raufußhuhnart, in Deutschland. Dabei wurde deutlich, dass es außerhalb Bayerns – insbesondere im Bayerischen Wald und am Alpenrand –, kaum Nachweise dieser Vogelart gibt. Somit obliegt dem Freistaat Bayern eine besondere Verantwortung für den Schutz und Erhalt dieser Tierart in Deutschland.

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Birkhühner und Alpenschneehühner waren Thema der Wildbiologen Werth und Florian Bossert. Sie gingen auch auf die Situation im Allgäu ein. Die Aufgabe der Alpwirtschaft, intensive Waldbewirtschaftung und der Klimawandel führen zu einem Verlust an Lebensräumen und somit Bestandsrückgängen. Insbesondere die wachsende touristische Nutzung von Bereichen oberhalb der Waldgrenze schränkt die Lebensräume der Vögel stark ein. Nach neuesten Forschungsergebnisse sind die Auerhuhnbestände in Bayern in den vergangenen 50 Jahren um 70 Prozent zurückgegangen.

Freiwillige Betretungseinschränkungen funktionieren nicht immer

Diese dramatische Entwicklung bestätigte Hennemann in der anschließenden Podiumsdiskussion. Ein Thema war die Wirksamkeit freiwilliger Betretungseinschränkungen wie Wald-Wild-Schongebieten. Da sich nicht alle Bergsportler daran halten, wurden 2021 im Mangfallgebirge Wildschutzgebiete mit einem behördlichen Betretungsverbot von Dezember bis Juni verordnet. Ein ähnliches Vorgehen sei auch in anderen Regionen Bayerns denkbar, wenn sich freiwillige Einschränkungen nicht bewähren.

Dagegen sei aus touristischer Sicht nichts einzuwenden, betonte der Geschäftsführer der Allgäu GmbH, Bernhard Joachim. Ein großes Problem stelle aus seiner Sicht die unzureichend reglementierte Veröffentlichung von Tourenvorschlägen im Internet dar.

Die meisten Diskussionsteilnehmer sehen zudem ein großes Problem in der enormen Zunahme von E-Bikes. Dadurch gelangten viel mehr Menschen zu allen Tages- und Jahreszeiten in entlegene Gebiete. Eine besondere Verantwortung für den Schutz der Wildtiere tragen laut Experten Einheimische. Denn häufig seien es Gebietskenner, die abseits markierter Wege unterwegs sind.