Füssen

Spieler, Trainer, Meistermacher

Porträt Siegfried Schubert wird heute 80 Jahre alt. Mit dem EV Füssen wurde er insgesamt acht Mal deutscher Meister. Für die CSU gehörte er sechs Jahre lang dem Ostallgäuer Kreistag an. Sein rundes Jubiläum feiert er daheim mit Freunden

08.06.2020 | Stand: 14:33 Uhr

Sich mit Siegfried Schubert über Eishockey zu unterhalten, ist ein bisschen so wie ein großes, dickes Lexikon aufzuschlagen. Man sucht nach einem Stichwort und erhält eine passende Antwort. Ganz egal, ob es dabei um die zunehmende Zahl der Gehirnerschütterungen in der Sportart geht, die Maße der Eisfläche oder seinen Heimatverein EV Füssen. Schubert hat zu fast jeder Frage einen mitunter streitbaren Standpunkt. Und das ist auch kein Wunder. Schließlich kann er auf eine sportliche Karriere zurückblicken wie nur wenige andere: Sieben Mal deutscher Eishockeymeister als Spieler, einmal als Trainer, zwei Olympische Spiele und 75 Länderspiele – das sind nur einige der beeindruckenden Zahlen aus der Vita des jetzt 80-Jährigen.

Ob es den einen Moment gibt, auf den er besonders stolz ist? „Ja, schon“, meint Schubert. Und verweist auf die deutsche Meisterschaft 1971 als Trainer. Aus sportlicher Sicht bedeutsam, weil ihm gleich in seinem Debüt-Jahr als Füssener Trainer der Titelgewinn gelang. Aber auch noch aus einem anderen Grund: „Silla, wir müssen unbedingt Meister werden“, habe ihm der damalige EVF-Geschäftsführer Otto Wanner zugeraunt. Denn es stand die Entscheidung an, wo der Deutsche Eishockey Bund (DEB) sein Bundesleistungszentrum errichten würde. „In Füssen ging es zwar schon langsam bergab, aber durch die Meisterschaft konnten wir uns in dieser Frage gegenüber Garmisch, Rosenheim oder Landshut behaupten“, erinnert sich Schubert.

Es sind aber noch viele andere Momente, die seine Laufbahn als Sportler geprägt haben. Von zwei davon zeugen gerahmte Erinnerungstücke in seinem Arbeitszimmer. Das eine zeigt ihn als Spieler beim Gewinn der deutschen Meisterschaft 1962. Das andere ist eine Urkunde für den sechsten Platz bei den Olympischen Spielen in Squaw Valley (1960). „Da waren wir sechs Wochen um die ganze Welt unterwegs, auf dem Rückweg ging es über Bangkok, Kairo und Rom – das für mich als 20-Jährigen damals natürlich eine Riesensache“, erzählt Schubert. Das alles zu verdanken hatte er gewissermaßen dem damaligen Füssener Schulmeister Lorenz Baumeister. Der entdeckte im Alter von sechs Jahren Schuberts Talent fürs Schlittschuhlaufen, meinte aber: „Mit den Schraubendampfern kommst Du nicht weit.“ Der kleine Bub brauchte richtige Schlittschuhe. Als er die bekam, durfte er in der Schülermannschaft des EV Füssen mitmischen. Der Anfang einer steilen Karriere als Spieler, der ihn 1966 sogar Torschützenkönig in der Bundesliga werden ließ mit 26 Treffern. Und doch beendete der damals 27-jährige Schubert zu diesem Zeitpunkt für viele überraschend seine Laufbahn. Schließlich hatte er schon länger mit den Nachwirkungen einer Gehirnerschütterung zu kämpfen, die er in einem der Duelle mit dem EC Bad Tölz erlitten hatte. Damals wurde wohlgemerkt noch ohne Helm gespielt. „Es war eine Entscheidung für Familie und Beruf“, sagt Schubert, der seine Verbeamtung nicht durch eine weitere Sportverletzung riskieren wollte. Im Hauptberuf arbeitete Schubert nämlich weiter bei der Bundeswehrverwaltung. Bis zu seiner Pensionierung um die Jahrtausendwende brachte er es dort bis zum Verwaltungsleiter der Bundeswehrverwaltungsschule in Oberammergau.

Auch kommunalpolitisch war der 80-Jährige aktiv. So saß er von 1990 bis 1996 für die CSU im Ostallgäuer Kreistag. Unter anderem gehörte er kurzzeitig auch dem Verwaltungsrat der Kliniken an.

Dem Sport ist Schubert in all der Zeit treu geblieben. Noch heute geht er wöchentlich zum Eislaufen ins Bundesleistungszentrum, spaziert über den Kalvarienberg zum Schwansee oder fährt Ski. Auch mit seinem E-Bike ist er häufig in der Stadt anzutreffen. Als Autor erarbeitete er 2007 eine Chronik über seinen Heimatverein EV Füssen. Und in einer Analyse verglich er das deutsche Eishockey mit der internationalen Konkurrenz.

Seinen Geburtstag feiert er heute mit alten Weggefährten in Speiden. Auch der legendäre Markus Egen wird dabei sein. Gemeinsam werden die „Altinternationalen“ in Erinnerungen schwelgen und erzählen – von der guten alten Zeit.