Urlaub im Ostallgäu

50 Jahre Tourismusverband: Wie soll sich der Tourismus im Ostallgäu zukünftig entwickeln?

Die beiden Schlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau ziehen Besucher magisch an. Der Tourismusverband Ostallgäu will den südlichen Landkreis entlasten und den Fokus verstärkt auf den mittleren und nördlichen Landkreis legen.

Die beiden Schlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau ziehen Besucher magisch an. Der Tourismusverband Ostallgäu will den südlichen Landkreis entlasten und den Fokus verstärkt auf den mittleren und nördlichen Landkreis legen.

Bild: Benedikt Siegert (Archivbild)

Die beiden Schlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau ziehen Besucher magisch an. Der Tourismusverband Ostallgäu will den südlichen Landkreis entlasten und den Fokus verstärkt auf den mittleren und nördlichen Landkreis legen.

Bild: Benedikt Siegert (Archivbild)

Die Herausforderungen sind riesig: Fachkräftemangel, Klimawandel, Corona. Der Tourismusverband Ostallgäu gibt Einblicke, wohin es in Zukunft gehen soll.
28.07.2022 | Stand: 15:46 Uhr

„Wir stehen hier hart auf der Kippe. Ich weiß nicht, ob das allen klar ist“, sagt Sebastian Gries. Was der Geschäftsführer des Tourismusverbandes Ostallgäu sagen will: Die Branche hat ein Problem. Der Fachkräftemangel macht sich bemerkbar. Betriebe müssen teilweise ihre Öffnungszeiten einschränken, es wird händeringend nach Personal gesucht. Es ist eine von vielen Herausforderungen, die auf die Tourismusbranche zukommen. Einblicke gab es auf der Mitgliederversammlung des Tourismusverbandes, der in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert.

Tourismus im Ostallgäu: Akzeptanz der Allgäuer ist wichtig

Der Tourismus im Ostallgäu ist im Wandel: Die Klima- und Energiekrise spielt dabei genauso eine Rolle, wie das Thema Akzeptanz für Urlauber und Tagestouristen bei den Einheimischen. Maria Rita Zinnecker, Landrätin und Vorsitzende des Verbandes, spricht zwar durchaus davon, dass man bei der Gründung im Februar 1972 bereits vorausschauend die Weichen für den Tourismus gestellt habe. Mittlerweile ist der Verband auf 31 Mitglieder gewachsen. Die heutigen Anforderungen seien aber andere. Der Schwerpunkt liege auf der Entwicklung des Lebensraumes.

Und da möchte Zinnecker nicht zwischen Gästen und Einheimischen unterscheiden. Das vergangene Jahr habe mit Blick auf Corona klar gezeigt, was es heißt, wenn der Tourismus im Ostallgäu einbricht: „Der wirtschaftliche Erfolg des Landkreises hängt maßgeblich vom Tourismus ab.“ Die Vorsitzende des Verbandes untermauert ihre Aussage mit Zahlen: 12.640 Menschen in der Region leben direkt vom Tourismus, es wird ein Einkommen von mehr als 373 Millionen Euro generiert, an Mehrwertsteuer und Einkommensteuer fallen fast 71 Millionen Euro an.

Zinnecker betont: Auch der mittlere und nördliche Landkreis spielen dabei eine Rolle. „Das denkt man immer nicht, ist aber wichtig“, so die Vorsitzende. Der südliche Landkreis soll in Zukunft entlastet und der mittlere und nördliche stärker in den Fokus gerückt werden.

Sensationsfund Udo in der Hammerschmiede bei Pforzen

Ein Beispiel: Die Präsentation des Sensationsfundes Udo in der Hammerschmiede bei Pforzen. Die Corona-Pandemie macht sich auch in der Statistik zu den Übernachtungszahlen des vergangenen Jahres bemerkbar. Als klinisch Tot bezeichnet Geschäftsführer Sebastian Gries die ersten vier Monate des Jahres 2021, die von harten Einschnitten und Lockdown geprägt waren.

Ausgrabungsarbeiten in der Hammerschmiede bei Pforzen, dem Fundort von Udo dem Menschenaffen.  Grabungsleiter Thomas Lechner legt den Schädel eines Hirschferkels frei.
Ausgrabungsarbeiten in der Hammerschmiede bei Pforzen, dem Fundort von Udo dem Menschenaffen.  Grabungsleiter Thomas Lechner legt den Schädel eines Hirschferkels frei.
Bild: Mathias Wild

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Insgesamt befinde man sich aber auf dem Niveau von 2020. Bis die Zahlen wieder ähnlich wie vor Corona sind, dauere es aber noch. 2021 zählte der Verband 2,8 Millionen Übernachtungen im Ostallgäu (inklusive Kaufbeuren). Zum Vergleich: 2019 waren es 3,7 Millionen. Zur Sicherung der touristischen Betriebe trugen die gute Sommersaison und die weit in den Herbst hinein anhaltende Nachfrage sowie die Unternehmenshilfen bei. Auf viele Touristen über die Sommermonate hinaus hofft man auch in diesem Jahr. Aber: Die Energiekrise mit ihrer unvorhersehbaren Entwicklung und die Inflation bereiten Sorgen.

Und wie soll es in den nächsten Jahren weitergehen? Dafür hat der Verband im vergangenen Jahr eine Zukunftsstrategie aufgesetzt: Bereiche davon seien die Entwicklung des Lebensraumes und die Akzeptanz für den Tourismus. Vom Radwegenetzwerk beispielsweise profitieren alle Menschen aus der Region, egal ob Urlauber oder Einheimischer. „Uns ist allen klar“, sagt Geschäftsführer Gries an die Mitglieder gerichtet, „wir durchlaufen einen Entwicklungsweg“. Der quantitative beziehungsweise wachstumsorientierte Tourismus soll zu einem wertebasierten Qualitätstourismus werden. Diese Worte müssten mit Inhalt gefüllt werden, so Gries.

Die Frage, die man sich im Ostallgäu stellen muss: "Ist das die Qualität, die wir wollen?"

Wenn nach einem heißen Wochenende am Montag wieder in der Zeitung steht, wie voll es an den Badeseen war, müsse man sich die Frage stellen: „Ist das die Qualität, die wir wollen?“ Es gehe um die vier großen Aufgabenbereiche Lebensqualität/Nachhaltigkeit, Qualitätsentwicklung, Tourismusbewusstsein und Zusammenarbeit. Dazu gehöre auch, wie Fachkräfte gefunden und gehalten werden können.

Lob für die Arbeit des Verbandes kommt von Barbara Radomski, Geschäftsführerin von der Bayern Tourismus und Marketing GmbH. Das Ostallgäu sei weiter als andere Regionen. Ein Beispiel dafür: Das Magazin WIR, das nun im Landreis ausliegt und sich gezielt an Einheimische richtet.