Füssen

Warum Beethoven auf einer Viola aus Füssen gespielt hat

Historische Instrumente beim Füssener Festival Vielsaitig zum Klingen gebracht: Thomas Riedmiller mit einer Geige von Franziskus Geisenhof, Cordula Weber mit einer Geige von Johann Georg Thir, Hans Joachim Weber mit einer Geige von Lorenz Wachter und Dr. Anton Englert mit einer Wellengeige von Johann Anton Gedler (von links).

Historische Instrumente beim Füssener Festival Vielsaitig zum Klingen gebracht: Thomas Riedmiller mit einer Geige von Franziskus Geisenhof, Cordula Weber mit einer Geige von Johann Georg Thir, Hans Joachim Weber mit einer Geige von Lorenz Wachter und Dr. Anton Englert mit einer Wellengeige von Johann Anton Gedler (von links).

Bild: Klaus Wankmiller

Historische Instrumente beim Füssener Festival Vielsaitig zum Klingen gebracht: Thomas Riedmiller mit einer Geige von Franziskus Geisenhof, Cordula Weber mit einer Geige von Johann Georg Thir, Hans Joachim Weber mit einer Geige von Lorenz Wachter und Dr. Anton Englert mit einer Wellengeige von Johann Anton Gedler (von links).

Bild: Klaus Wankmiller

Bei einem Vortrag beim Füssener Festival Vielsaitig liefert Thomas Riedmiller eine schlüssige Argumentationskette. Welche Beweise es gibt.

30.08.2020 | Stand: 12:24 Uhr

Ein Vortrag über Ludwig van Beethoven und den Füssener Geigenbau bildete den Auftakt für den Treffpunkt Geigenbau, der das Festival Vielsaitig begleitet. Thomas Riedmiller, ehemaliger Leiter des Kulturamts der Stadt Füssen, suchte mögliche Verbindungen der Instrumente von Beethoven zum Geigenbau in der Lechstadt. Und Riedmiller lieferte eine schlüssige Argumentationskette dafür, dass Beethoven Instrumente von Füssenern nutzte.

Ausgangspunkt seiner Ausführungen war ein komplettes Instrumentenquartett des Füssener Geigenbauers Franziskus Geisenhof (1753 - 1821), das bei der Ausstellung zum 250. Geburtstag von Beethoven in Bonn gezeigt wurde. Geisenhof siedelte sich in Wien an und war richtungsweisend für den Wandel des Geigenbaus „von der feinen Barockgeige zur durchdringenden modernen Geige“, wie es Hans Joachim Weber bezeichnet. Weber ergänzte zum geschichtlichen Abriss die Erfahrungen eines Geigenbauers und die Ursachen für die Veränderungen Ende des 18. Jahrhunderts. Optisch gibt es keinen Unterschied zwischen der zarteren Sologeige und der lauten Orchestergeige. Letztere ist durch einen kräftigeren Bassbalken, einer geringeren Wölbung, einen längeren Hals und ein besseres Saitenmaterial mit Umwicklungen deutlich kräftiger im Klang.

Die erste Geige ist verschollen

Riedmiller suchte in historischen Dokumenten und brachte neue Erkenntnisse: Angeblich baute Beethovens erste Geige Johann Georg Helmer aus Horn. Dieses Instrument ist allerdings verschollen. 1789 wurde der Komponist im kurfürstlichen Orchester in Bonn fest angestellt. Seine „Dienstbratsche“ war ein Instrument des Wiener Geigenbauers Sebastian Dalinger (1735 - 1809). Dalinger war mit einer Magdalena Thir verheiratet und lernte bei Johann Georg Thir (1710 - 1779), der aus Prem stammte. Aber wie kam das Instrument nach Bonn? Fürstbischof Maximilian Franz war ein Sohn von Kaiserin Maria Theresia und wuchs in Wien auf. Er spielte selbst Bratsche und baute in Bonn eines der größten Orchester der damaligen Zeit auf. Dieses war für seinen durchdringenden Klang bekannt und bot ein ideales Betätigungsfeld für den jungen Beethoven. Diese Hofkapelle hatte einen eigenen kurfürstlichen Geigenbauer: Lorenz Wachter. Sein Vater stammte aus Faulenbach. Nach Auflösung der Hofkapelle im Jahr 1794 wirkte Wachter als bürgerlicher Geigenbauer in Köln.

Das Markenzeichen seiner Werkstatt

Beethoven kehrte ebenfalls nicht mehr nach Bonn zurück. In Wien wurde er vor allem von Fürst Carl von Lichnowsky finanziell unterstützt, dem der Komponist seine ersten drei Klaviertrios und die 2. Sinfonie widmete. Lichnowsky war ein Förderer des Streichquartetts und schenkte Beethoven einen kompletten Streichersatz. Diese vier Instrumente erwähnte Beethoven auch in seinem „Heiligenstädter Testament“. Nach dem Tod des Komponisten (1827) beauftragte man den aus Füssen stammenden Geigenbauer Martin Stoß (1778 - 1838) mit einer Einschätzung für den Nachlass. Dieser zweifelte bereits damals an der italienischen Herkunft der Instrumente. Riedmiller vermutet, dass die Viola mit ihren gewellten Rändern von Johann Anton Gedler (um 1720 - 1790) aus Füssen stammt – ein Markenzeichen seiner Werkstatt. Dendrochronologische Untersuchungen bestätigen dies.

Als große Bereicherung zum Vortrag brachte die Geigenbauerin Cordula Weber vier Instrumente aus der Sammlung des Füsseners Museum zum Erklingen. Dabei verwendete sie einen Barockbogen, der hervorragend zum hellen Klang der Instrumente passt. Für Museumsleiter Dr. Anton Englert ein ganz besonderes Ereignis, weil viele dieser historischen Instrumente seit vielen Jahren wieder erstmals zum Klingen gebracht wurden.