Ostallgäu

Wenn der Fuchs zum Nachbarn wird

Junger Fuchs in einer Wiese

Junger Fuchs in einer Wiese

Bild: Benedikt Siegert

Junger Fuchs in einer Wiese

Bild: Benedikt Siegert

Tierwelt Auch im Ostallgäu macht sich Meister Reineke immer mehr in Ortschaften breit. Oft leben Mensch und Tier gut nebeneinander. Manchmal aber kommt es auch zu Problemen, wie ein Beispiel aus Nesselwang zeigt
##alternative##
Von Alexandra Decker
11.02.2020 | Stand: 15:30 Uhr

Der Abend dämmert in einem Ostallgäuer Weiler. Eine Frau schaut aus dem Fenster und sieht einen Fuchs auf der Terrasse. Im Katzennapf sucht er nach Futter. Solche Begegnungen sind auf dem Land nicht selten. Allerdings sind Füchse auch immer öfter in Dörfern und Städten anzutreffen – und dort können sie zum Problem werden.

So wie jüngst in Nesselwang. „Dort hatte sich ein Fuchs in einem Garten eingenistet“, berichtete Gisela Egner von der Arche Noah Tierhilfe aus Seeg. Er sei sichtlich krank gewesen und ließ sich nicht vertreiben. Die Besitzer des Gartens alarmierten einen Jäger. Der aber kann in solchen Fällen wenig machen. Denn Füchse unterliegen als wildlebende Tiere zwar dem Jagdrecht. Nur Elterntiere haben während der Jungenaufzucht von März bis Juni Schonzeit. Innerorts dürfen sie dennoch nicht abgeschossen werden. Nach dem Gesetz ist Jagen nur auf land-, forst- und fischereiwirtschaftlichen Flächen, die zu einem Jagdbezirk gehören, erlaubt. Außerhalb solcher Bereiche, besonders in befriedeten Gebieten wie Wohnsiedlungen, Grünanlagen, Friedhöfen oder Gärten, ist die Jagd gesetzlich verboten. Nur wenn eine gefahrlose Schussabgabe möglich ist, kann die Jagdbehörde in Ausnahmefällen – etwa zur Gefahrenabwehr und Tierseuchenbekämpfung – eine Genehmigung erteilen.

Auch ein Tierarzt konnte im Fall des Nesselwanger Fuchses nicht einfach eingreifen. Er braucht laut Egner eine Genehmigung des zuständigen Jagdpächters, um ein Wildtier zu betäuben oder einzuschläfern. Der Fuchs starb schließlich nach drei Tagen an seiner Krankheit. „Diese Leidenszeit hätte nicht sein müssen“, sagt Egner und bedauert, dass der Fuchs nicht einfach betäubt werden konnte, um ihn aus dem Ort zu bringen, um ihn zu erschießen, oder gleich im Garten einzuschläfern.

Neben solchen Problemfällen funktioniert das Zusammenleben zwischen Mensch und Fuchs vielfach aber gut. Füchse halten sich laut Informationen des Bayerischen Jagdverbands (BJV) vor allem deshalb gerne in menschlichen Siedlungen auf, weil sie anpassungsfähig sind und gerade in Parks und Gärten hervorragende Lebensbedingungen haben. Sie finden dort Deckung und leicht Nahrung, wie weggeworfene Essensreste und eine größere Anzahl von Mäusen, Ratten und Tauben als in freier Natur. In manchen Fällen geben ihnen Menschen sogar etwas zu fressen. Das aber ist verboten. Wer kein Jäger oder Förster ist und Wildtiere füttert oder hält, riskiert in Bayern Bußgelder bis 5000 Euro.

Kommt es zu direkten Begegnungen zwischen Mensch und Fuchs, gehen die scheuen Vier- den Zweibeinern normalerweise aus dem Weg. Nur halbzahme Füchse, die durch Fütterung an Menschen gewöhnt sind, und neugierige Jungfüchse trauen sich meist näher heran. Kommt es zu einer Begegnung mit einem Fuchs, ist es wichtig, Ruhe zu bewahren, auf Abstand zu gehen und ihm einen Fluchtweg frei zu halten. Er sollte nicht gefüttert oder angelockt werden. Besonders Welpen dürfen nicht berührt oder mitgenommen werden, da ihre Eltern meist zurückkehren.

Lesen Sie auch
##alternative##
Videos zeigen wie nah Füchse kommen

Füchse haben keine Scheu mehr: Kemptener Familie traut sich nicht mehr in den eigenen Garten

Wer vermeiden will, dass sich ein Fuchs in seinem Garten breitmacht, dem hilft ein Zaun wenig. Den kann das Tier überklettern oder drunter durchschlüpfen. Effektiver ist es, alle leicht zugänglichen Nahrungsquellen wie Mülltonnen, Tierfutter und auch das Vogelhaus, unerreichbar zu machen. Unterschlupfmöglichkeiten, etwa Gartenhäuser oder Hohlräume, sollten – sofern sich keine Jungtiere darin befinden – verschlossen werden. Schuhe und andere Gegenstände, die dem Fuchs als Spielzeug dienen können, gilt es, wegzuräumen.

Ist ein Fuchs bereits zum unerwünschten Nachbarn geworden, kann versucht werden, ihn durch ein Vergrämungsmittel (eine übelriechende Substanz), Geräusche oder Lichtquellen zu vertreiben. Eine Fuchsfamilie allerdings hat während der Jungenaufzucht von März bis Juni Schonzeit und darf nicht gestört werden.

Wer selbst Haustiere (zum Beispiel Geflügel oder Kaninchen) im Garten hält, braucht dafür einbruchssichere Käfige und Gehege. Für ausgewachsene Hunde und Katzen besteht in der Regel keine Gefahr. Füchse meiden sie meist.

Problematisch kann es mit den wilden Gartenbewohnern werden, weil sie die Krankheiten Tollwut, Fuchsbandwurm und Fuchsräude übertragen können. Deutschland gilt allerdings seit einigen Jahren als nahezu tollwutfrei. Trotzdem ist vor allem bei ungewöhnlich zutraulichen Füchsen Vorsicht geboten. Der Fuchsbandwurm kommt gerade bei Füchsen in der Stadt seltener vor, als bei denen auf dem Land, da sie weniger Mäuse fressen, die als Zwischenwirt für den Parasiten gelten. Trotzdem sollten Hunde und Katzen regelmäßig entwurmt und Lebensmittel aus dem Garten sowie die Hände nach Aufenthalten draußen gewaschen werden. Die Fuchsräude ist aufgrund guter Therapiemöglichkeiten kaum eine Gefahr für Mensch und Haustier. Um eine Übertragung von Krankheiten zu vermeiden, sollte Fuchskot (circa drei bis acht Zentimeter lang, mit weißer Spitze) aus dem Garten entfernt werden – allerdings nicht über Kompost oder Biotonne, sondern in einer Plastiktüte und den Hausmüll.

Für nur 0,99 € einen Monat alle exklusiven AZ Plus-Artikel auf allgaeuer-zeitung.de lesen
Jetzt testen
Ausblenden | Ich habe bereits ein Abo.