Wildverbiss

Petition an den Bayerischen Landtag: Warum Waldbesitzer in Nesselwang Alarm schlagen

Zehn Nesselwanger Waldbesitzer beklagen in einer Petition, dass der Verbiss in ihren Wäldern zu hoch ist. Peter Erd ist einer von ihnen. Nur im umzäunten Bereich kommt durch natürliche Verjüngung ein gesunder Mischwald hoch.

Zehn Nesselwanger Waldbesitzer beklagen in einer Petition, dass der Verbiss in ihren Wäldern zu hoch ist. Peter Erd ist einer von ihnen. Nur im umzäunten Bereich kommt durch natürliche Verjüngung ein gesunder Mischwald hoch.

Bild: Ingo Buchelt

Zehn Nesselwanger Waldbesitzer beklagen in einer Petition, dass der Verbiss in ihren Wäldern zu hoch ist. Peter Erd ist einer von ihnen. Nur im umzäunten Bereich kommt durch natürliche Verjüngung ein gesunder Mischwald hoch.

Bild: Ingo Buchelt

Sie beklagen in einer Petition an den Landtag einen zu hohen Wildbestand. Naturverjüngung ohne Schutzmaßnahmen sei nicht möglich. Abgeordnete waren vor Ort.
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Von Ingo Buchelt
12.05.2022 | Stand: 16:01 Uhr

Zwar gilt laut bayerischem Waldgesetz der Grundsatz „Wald vor Wild“. Aber in der Praxis ist die Umsetzung nicht ganz leicht und das Verhältnis zwischen Waldbesitzern und Jägern nicht immer konfliktfrei. In einer Petition an den bayerischen Landtag beklagen jetzt zehn Nesselwanger Waldbesitzer einen zu hohen Wildbestand in ihren Wäldern, der zu großen Verbiss- und Schälschäden geführt habe. Naturverjüngung könne ohne aufwendige Schutzmaßnahmen nicht hochkommen. Stattliche alte Buchen und Tannenbestände seien durch Sturm und Erosion gefährdet, jüngere Fichtenbestände auch im Schutzwald nahezu vollständig geschält. Verschärft werde die Situation durch eine Rotwildfütterung, die auch von Reh und Gams aufgesucht werde. Sie führe zur Belastung der umliegenden Wälder und liege mengenmäßig deutlich über einer Versorgung in Notzeiten.

Nesselwang: Der Wildbestand müsse dem lebensraum des Wildes angepasst werden

„Der Wildbestand muss dem Lebensraum des Wildes angepasst werden“, heißt es in der Petition, und: „Wenn das Wild im Berggebiet auf einer Fläche von 300 Hektar seinen Einstand hat, verträgt der Wald nur so viel Reh, Hirsch und Gams, dass eine standortgerechte Naturverjüngung noch möglich ist.“ Alle Bemühungen der Waldbesitzer bei der Unteren Jagdbehörde, dem Jagdvorstand und den Jägern, um Abhilfe zu schaffen, seien erfolglos gewesen. Ihr hoher persönlicher und finanzieller Einsatz, um die Wälder zu erhalten, drohe zu scheitern. Mit der Petition erwarten sie von der Politik Unterstützung oder neue Formen der Schadensregulierung.

(Lesen Sie hier die Bilanz der Forstbetriebsgemeinschaft Marktoberdorf.)

Der Vorsitzende und Berichterstatter des zuständigen Agrarausschusses des Landtags, der Abgeordnete Dr. Leopold Herz aus Wertach, hatte Waldbesitzer, Jagdgenossen und Jagdpächter, Vertreter von Forst, Rechtlern und Behörden zu einer Waldbegehung eingeladen, um sich ein Bild vor Ort zu machen und moderierte zusammen mit dem Co-Berichterstatter, dem Landtagsabgeordneten Dr. Dominik Spitzer aus Kempten, die Versammlung. Peter Erd, betroffener Waldbesitzer und Unterzeichner der Petition, betonte die Verantwortung der Waldbesitzer für die Allgemeinheit und nachfolgende Generationen und zeigte sich einem Kompromiss aufgeschlossen: „Es ist nicht unsere Absicht, die Jäger in die Pfanne zu hauen.“

Die etwa 30 Teilnehmer besichtigten Waldschäden und diskutierten Lösungsansätze mit vielen fachlichen Details. Einig war man sich, dass der Wildbestand zu hoch und massiv zu reduzieren ist. Wie vorzugehen ist, wurde kontrovers diskutiert. Die Jagdpächter betonten, dass der Abschussplan zu 100 Prozent erfüllt und die Fütterung sofort aufgelassen werde, wenn es eine Entlastung verspricht. Der Freizeitdruck wurde kritisiert und die Art der Fütterung hinterfragt. Plötzlich die Fütterung aufzulassen, erntete Widerspruch: Das Wild komme – daran gewohnt – auch ohne Fütterung. Man könne sie aber allmählich zurückfahren oder möglicherweise entzerren.

In Pfronten gibt es ein Wintergatter

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Ein Wintergatter wie in Pfronten zu installieren, wurde diskutiert: Es könne zusammen mit der Ruhe und artgerechtem Futter zu einer Entlastung führen, müsse aber für den hohen Rotwildbestand genügend groß sein und sorgfältig geplant werden. Sandra Rehbein, Vertreterin der Unteren Jagdbehörde im Landratsamt, empfahl, die Abschusszahlen und regelmäßige Waldbegehungen im Pachtvertrag zu regeln. Die Grundstückseigner hätten es in der Hand, ihre Vorstellungen im Rahmen der Pacht durchzusetzen. Das Wildschutzgebiet habe nichts gebracht und zehn Prozent mehr Abschuss sei keine Lösung, so Peter Erd. Forstdirektor Stephan Kleiner bestätigte, dass die Forstlichen Gutachten in den vergangenen drei Jahren einen zu hohen Wildbestand aufgewiesen hätten. Ohne Schutzmaßnahmen habe Naturverjüngung keine Chance. Auch er empfahl, die Abschusszahlen zu erhöhen.

Landtagsabgeordneter Herz fasste zusammen, dass man trotz vieler Ansätze zu keiner Lösung gekommen und somit die Petition nicht erledigt sei. Er schlug einen kleinen Arbeitskreis vor unter der Leitung von Markus Reinhart, Leiter des Hegerings Ostallgäu, der vom Forst- und vom Landwirtschaftsministerium unterstützt werden soll. In etwa einem halben Jahr will man sich erneut treffen, um die Ergebnisse zu besprechen. Das fand allgemeine Zustimmung.

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