Zum Tag der Demokratie

Zu klein, um sich selbst zu verwalten? Wenn kleinen Kommunen der Zwangsanschluss droht

Demokratie

Reuttes Bürgermeister Günter Salchner diskutiert mit den Bürgermeisterkandidatinnen in Gramais, Stefanie Krabacher, und Pfafflar, Petra Krabacher, sowie dem Politikwissenschaftler Philipp Umek (von links) über Demokratie.

Bild: Reichart

Reuttes Bürgermeister Günter Salchner diskutiert mit den Bürgermeisterkandidatinnen in Gramais, Stefanie Krabacher, und Pfafflar, Petra Krabacher, sowie dem Politikwissenschaftler Philipp Umek (von links) über Demokratie.

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Bei einer Veranstaltung der Regionalentwicklung Außerfern sprechen Bürgermeister in Reutte über ihre Probleme - und warum sie bei 105 Einwohnern kandidieren.
26.09.2021 | Stand: 16:08 Uhr

Anlässlich des Internationalen Tags der Demokratie hat die Regionalentwicklung Außerfern (REA) zu einer Veranstaltungsreihe rund um die Demokratie eingeladen. Beim Auftakt in der Kellerei in Reutte erläuterte ein Politikwissenschaftler die Besonderheiten des Tiroler Wahlrechts. In der Podiumsdiskussion begründeten zwei Bürgermeister-Kandidatinnen, warum sie sich diese Arbeit in Kleinst-Gemeinden antun wollen.

„Der Bergdoktor“ hat seine filmische Heimat zeitweise in einem Seitental hoch über dem Lech: Von Elmen aus steigt die Hahntennjochstraße ins 1.314 Meter hoch gelegene Pfafflar auf. Von dort aus gelangt man über den Pass ins Inntal. Die 105 Einwohner leben großteils als Bergbauern oder vom Fremdenverkehr, die Bevölkerungszahl nimmt seit Jahren ab. Hier kandidiert Petra Krabacher als Gemeindechefin.

Auch in den kleinsten Gemeinden kandieren Quereinsteiger

In der kleinsten Gemeinde Österreichs, in Gramais, zu der man vom Lechtaler Ort Häselgehr aus gelangt, kandidiert als Quereinsteigerin Stefanie Krabacher. Die Bergkommune in 1.328 Metern Höhe ist mit nur noch 41 Bewohnern die kleinste Gemeinde Österreichs. Krabacher ist der Liebe wegen nach Pfafflar zugezogen und will die Gemeinde mangels anderer Interessenten führen. Denn die Alternative wäre die Anbindung an eine andere der österreichweit 2.153 Kommunen. Sie zeigt sich motiviert, etwas gegen die seit Jahren herrschende Abwanderung zu unternehmen. Die Landwirtschaft gehe zurück, aber die Grundstücke müssten gepflegt und erhalten werden.

Stefanie Krabacher ist „eine Heimkehrerin aus Innsbruck nach Gramais“. Auch sie will den Verlust der Eigenständigkeit ihrer Gemeinde verhindern und verspürt schon kräftigen Rückhalt in der Bevölkerung. Dabei ist die finanzielle Ausgangslage nicht mehr ganz so düster wie 2019: Da hatte Gramais die zweitgrößte Pro-Kopf-Verschuldung Tirols mit rund 20 .000 Euro.

Alltägliche Probleme und wissenschaftliche Erkenntnisse

Eine Fusionierung muss Reuttes Bürgermeister Günter Salchner zwar nicht fürchten. Dafür aber um Steuereinnahmen kämpfen, während eine Nachbarkommune vom Sitz eines Weltkonzerns und dessen Steuern profitiere. Er regt ein Splitting an, denn die derzeitige Steuer „funktioniert nicht wirklich“.

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Während der Innsbrucker Politikwissenschaftler Philipp Umek einleitend über Besonderheiten des Wahlrechts wie Mehrfachstimmrecht, fehlende Wahlberechtigung oder vorausgefüllte Stimmzettel referierte, erlebte Paul Mascher ganz persönliche Anforderungen. Der Bürgermeister von Biberwier beschrieb in der von Eva Maria Cattoen moderierten Veranstaltung seine alltäglichen Probleme. Auf ihn kämen alle nur denkbaren Kleinigkeiten zu. Und bei vielem bräuchte er fachliche Unterstützung, „da gehört wirklich Hilfe her“.