Nicht heimisch und problematisch

Gebietsfremde Pflanzen und Tiere belasten Bodensee - besonders eine Muschel macht Probleme

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Die Quagga-Muscheln haben sich innerhalb weniger Jahre massiv im Bodensee ausgebreitet.

Bild: Karl-Heinz Weltz (Archivbild)

Die Quagga-Muscheln haben sich innerhalb weniger Jahre massiv im Bodensee ausgebreitet.

Bild: Karl-Heinz Weltz (Archivbild)

Immer wieder gelangen gebietsfremde Pflanzen und Tiere in den Bodensee und weiter. Warum das problematisch ist und was Wassersportler beachten sollten.
04.05.2021 | Stand: 06:30 Uhr

Es passiert oft ungewollt und unbemerkt: Ein Pflanzenrest am Boot, ein Wassertropfen mit mikroskopisch kleinen Muschel-Larven am Stand-Up-Paddle-Board, und schon sind die Voraussetzungen geschaffen, dass Pflanzen und Tiere von einem Gewässer ins nächste geschleppt werden – wo sie teils nicht hingehören und im schlimmsten Fall das Ökosystem verändern. Auch im Bodensee kommen bereits einige gebietsfremde Arten vor. Dass es nicht mehr werden oder sie in andere Seen und Flüsse weitergetragen werden, kann noch verhindert werden, sagt Bernd Engstle, Fachbereitsleiter Gewässerschutz am Wasserwirtschaftsamt Kempten und Mitglied der Internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee. Dafür müssten sich Einheimische und Touristen an gewissen Regeln halten.

Ein großes Problem: die Quagga-Muschel

„Die erhöhte Mobilität der Menschen, die Öffnung von Schifffahrtswegen, sowie der interkontinentale Warenverkehr begünstigen die Einschleppung von gebietsfremden Pflanzen und Tieren“, heißt es in einem Infoblatt der Gewässerschutzkommission, das an Hafenbetreiber, Campingplätze, Freibäder und weitere Freizeiteinrichtungen verteilt wurde. Ein großes Problem für den Bodensee ist beispielsweise die Quagga-Muschel, die ursprünglich aus dem Schwarzmeer-Raum stammt und möglicherweise über Boote, Angler oder Taucher in das Gewässer gelangte. Sie verdrängt einheimische Muscheln und ist laut Engstle auch für die Bodensee-Wasserversorgung zur Plage geworden. Auf die Trinkwasserqualität habe sie zwar keinen Einfluss, die Larven dringen aber in technische Anlagen ein. Wenn sie sich festsetzen und Schalen bilden, drohten Schäden.

Wer also auf dem Bodensee unterwegs war, sollte Boote und Sportgeräte kontrollieren, sie gründlich mit heißem Wasser reinigen und mindestens vier Tage lang trocknen lassen. Auf diese Weise kann auch verhindert werden, dass sich der Große Höckerflohkrebs weiterverbreitet, ein räuberischer Allesfresser, der im Schwäbischen Meer bereits für Ärger sorgt.

Boote nicht im Garten abspritzen

Engstle rät, Boote und Wassersportgeräte nicht im Garten abzuspritzen. „Da weiß man nicht, wo das Wasser hinläuft.“ Besser sei es, eine Waschbox aufzusuchen. Ist das Reinigen nicht möglich, solle auf jeden Fall darauf geachtet werden, dass die Geräte vollständig trocknen. „Entscheidend ist, dass genug Luft hinkommt.“

Und nicht nur nach einem Besuch am Bodensee – auch umgekehrt ist Vorsicht geboten. „Wir wollen zum Beispiel verhindern, dass die Schwarzmundgrundel eingeschleppt wird“, sagt Engstle. Diese kann die einheimische Fischfauna gefährden, indem sie den Lebensraum der Fische besetzt und ihren Laich frisst. Die Grundeln kommen im Bodensee derzeit noch nicht vor und sollten dort nie als Köder verwendet werden. Wer auf Gewässern unterwegs ist, wo die Fische bereits leben, sollte sein Bilgenwasser vor einem Wechsel in andere Seen oder Flüsse vollständig ablassen sowie Boote und Sportgeräte kontrollieren, reinigen und vollständig trocknen lassen.

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