Bauprojekte

Um diese Allgäuer Großprojekte gibt es heftige Diskussionen

Das Rosenviertel in Memmingen soll neu gestaltet werden. Wie es in Zukunft aussehen wird, ist aber noch unklar – einen Investor gibt es bislang nicht.

Das Rosenviertel in Memmingen soll neu gestaltet werden. Wie es in Zukunft aussehen wird, ist aber noch unklar – einen Investor gibt es bislang nicht.

Bild: Thomas Weigert (Archiv)

Das Rosenviertel in Memmingen soll neu gestaltet werden. Wie es in Zukunft aussehen wird, ist aber noch unklar – einen Investor gibt es bislang nicht.

Bild: Thomas Weigert (Archiv)

Sollen Flächen anders genutzt werden als bisher, kommt es oft zu Diskussionen oder Bürgerentscheiden. Auch im Allgäu gibt es dafür mehrere Beispiele.

09.10.2022 | Stand: 23:05 Uhr

Wenn in Städten und Gemeinden größere Flächen neu gestaltet werden sollen, sorgt das oft für heftige Diskussionen. Vor allem die Kommunen wollen schnell bauen – Stichwort Wohnungsmangel –, während die Kritiker ein „Zupflastern“ verhindern wollen. Wir stellen drei aktuelle Beispiele aus dem Allgäu vor.

Beispiel Memmingen: Wie soll das Quartier „Rosenviertel“ am Rande der Altstadt entwickelt werden? Konkret geht es um einen etwa zwei Hektar großen Bereich. Ein vierstöckiges Hotel als Blick- und Lärmschutzriegel zu den Bahngleisen, eine Tiefgarage, ein Supermarkt und rund 60 Wohnungen: Das wollte ein privater Investor auf dem Gebiet für rund 45 Millionen Euro bauen, basierend auf einem Investorenwettbewerb aus dem Jahr 2014. Doch ein Bürgerentscheid stoppte das Vorhaben 2019.

Die Planung begann quasi bei null. Es gab fortan Bürgerbeteiligungen, Online-Formate sowie Themenwerkstätten und eine Arbeitsgruppe – immer auch kritisch begleitet vom „Bürgerforum Altstadt Memmingen“. Es legt einen klaren Akzent auf bezahlbaren Wohnraum. Aktuell liegen drei Siegerentwürfe nach einem städtebaulichen Realisierungswettbewerb zur Gestaltung des Areals vor – mit Flächen für Gastronomie, Einzelhandel, ein Hotel mit 100 Betten und Platz für Wohnungen. Auch die Anregungen von Bürgern sollen in die weitere Planung einfließen.

Bisher soll der Baubeginn im nächsten Jahr sein. Noch gibt es keinen Investor für das bis zu 50 Millionen Euro teure Projekt.

Wie es mit der 94 Jahre alten Allgäuhalle in Kempten weitergehen soll, dafür gibt es mehrere Ideen. Die Big Box will sie beispielsweise für kleinere Veranstaltungen nutzen.
Wie es mit der 94 Jahre alten Allgäuhalle in Kempten weitergehen soll, dafür gibt es mehrere Ideen. Die Big Box will sie beispielsweise für kleinere Veranstaltungen nutzen.
Bild: Ralf Lienert (Archiv)

Beispiel Kempten: Nach der 94 Jahre alten Allgäuhalle recken sich in Kempten etliche Hände. Die benachbarte Big Box Allgäu will sie für kleinere Veranstaltungen aller Art nutzen. Eine Idee, die er schon vor über einem Jahrzehnt dem früheren Oberbürgermeister Dr. Ulrich Netzer genannt habe, sagt Geschäftsführer Christof Feneberg – für den Fall, dass die Allgäuer Herdebuchgesellschaft (heute „Pro Rind“) wie jetzt geschehen auszieht. Feneberg hält die Allgäuhalle für wichtig, um, die Big Box weiterzuentwickeln. Man sei immer wieder am Anschlag, weil Veranstaltungen verschiedene Terminvorläufe hätten, sich teils gegenseitig blockierten. Ist etwa das Foyer belegt, könne man nicht zudem die „Kult Box“, einen Veranstaltungsraum im Untergeschoss, öffnen.

Fenebergs Konzept sieht eine Entwicklung Schritt für Schritt ohne Eingriff in die Gebäudesubstanz vor. Der Verein „Kulturquartier Allgäuhalle“ denkt an Konzerte, Ateliers, eine KZ-Gedenkstätte und eine Skatehalle in der angrenzenden Kälberhalle. Dort sieht ein anderer Vorschlag Platz für ein Dokumentationszentrum zur NS-Zeit und weitere Ausstellungen. Zu den Ideen zählen auch eine Markt-/Slowfood-Halle und Freiraum für verschiedenste Nutzungen. Vorschlag des Kulturquartiers ist es auch, bald in der Hallengaststätte mit Veranstaltungen und Bewirtung loszulegen. Doch die sei fürs Catering bei Veranstaltungen verpachtet, sagt OB Thomas Kiechle. Aktuell darf die Allgäuhalle nur für bis zu 200 Personen genutzt werden.

Laut Kiechle würde ein optimaler Umbau zur Versammlungsstätte auch für mehr Besucher Millionen kosten. „Das kann die Stadt nicht leisten.“ Er sei offen für alles, was mit möglichst wenig finanziellem Aufwand machbar ist.

Auf dem Nadenberg in Lindenberg gibt es ein leer stehendes Feriendorf. Einen Großteil des Areals will die Stadt an einen Investor verkaufen – doch es regt sich Widerstand.
Auf dem Nadenberg in Lindenberg gibt es ein leer stehendes Feriendorf. Einen Großteil des Areals will die Stadt an einen Investor verkaufen – doch es regt sich Widerstand.
Bild: Matthias Becker (Archiv)

Beispiel Lindenberg: Die Westallgäuer Stadt hat im Jahr 2014 ein leer stehendes Feriendorf auf dem Nadenberg erworben. Ein Teil der Flächen hat sie bereits für eine Bebauung mit Einfamilienhäusern genutzt. Den Großteil des Areals will sie jetzt an einen Investor veräußern. Der plant neben einem Familienhotel, einem Laden und einer Kindertagesstätte eine Bebauung mit bis zu viergeschossigen Mehrfamilienhäusern.

Vor allem gegen diesen Teil des Konzeptes wendet sich eine Bürgerinitiative. Sie kritisiert die ihrer Meinung nach „viel zu massive“ Bebauung und spricht von einem „nicht umkehrbaren Verlust eines einmaligen Grundstückes“. Das Areal hat bisher parkähnlichen Charakter. Ein Bürgerbegehren, mit dem die Initiative den Verkauf des Areals verhindern will, haben mehr als 1500 Bürger unterschrieben. Deshalb kommt es am 4. Dezember in der 11.500-Einwohner-Stadt zu einem Bürgerentscheid. Dabei steht aus Sicht von Bürgermeister Eric Ballerstedt für die Stadt viel auf dem Spiel. Sie hatte für den Kauf des Dorfes sieben Millionen Euro ausgegeben und muss einen Teil der dafür aufgenommenen Kredite noch tilgen.

Die zusätzlichen Erlöse sind aus Sicht des Bürgermeisters nötig, um Investitionen in Schulen und Kindertagesstätten finanzieren zu können. In den Jahren bis 2024 hat die Stadt im Finanzplan sieben Millionen Euro an Erlösen eingeplant. Fließt das Geld nicht, werde die Stadt nicht um die Erhöhung von Steuern herumkommen, kündigt Stadtkämmerin Birgitt Richter an.