Kündigungen zu erwarten

„Absolut realitätsfern“ - Allgäuer Heimleiter kritisiert Impfpflicht für Pflegekräfte

Käme eine Impfpflicht für Pflegeberufe, rechne er in seinen Einrichtungen mit einigen Kündigungen von Mitarbeitern, sagt der Westallgäuer Heimleiter Roland Fink.

Käme eine Impfpflicht für Pflegeberufe, rechne er in seinen Einrichtungen mit einigen Kündigungen von Mitarbeitern, sagt der Westallgäuer Heimleiter Roland Fink.

Bild: Sina Schuldt, dpa (Symbolbild)

Käme eine Impfpflicht für Pflegeberufe, rechne er in seinen Einrichtungen mit einigen Kündigungen von Mitarbeitern, sagt der Westallgäuer Heimleiter Roland Fink.

Bild: Sina Schuldt, dpa (Symbolbild)

Roland Fink aus Heimenkirch befürchtet Kündigungen beim Personal, falls eine Impfpflicht kommt. Das hätte auch Auswirkungen auf Krankenhäuser und Angehörige.
24.11.2021 | Stand: 07:00 Uhr

Eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen erwägen viele Politiker. Sie wollen damit vor allem Menschen in Krankenhäusern und Pflegeheimen besser vor Corona schützen. Doch eine Impfpflicht für Pflege- und Krankenhauspersonal bringt auch Probleme mit sich, sagt Roland Fink. Er leitet insgesamt vier Pflegeeinrichtungen in den Westallgäuer Gemeinden Heimenkirch, Oberreute, Grünenbach und Weiler mit insgesamt rund 200 Mitarbeitern. Die Impfpflicht-Debatte sei „absolut realitätsfern“, sagt Fink. Man arbeite schon jetzt tagtäglich am Limit – auch wegen des permanent erhöhten bürokratischen Aufwands.

92 Prozent der Mitarbeiter sind geimpft

In seinen Häusern seien aktuell im Schnitt über 92 Prozent der Mitarbeiter sowie rund 97 Prozent der Bewohner geimpft oder genesen. „Bei den ungeimpften Mitarbeitern handelt es sich keineswegs um Corona-Leugner oder um Personen mit unterdurchschnittlicher Intelligenz“, erklärt Fink. „Im Gegenteil: Darunter sind einige unserer wertvollsten und fleißigsten Hilfs- und Fachkräfte.“

Deren Gründe gegen eine Impfung seien „unterschiedlich und teilweise nachvollziehbar“. Überwiegend wollen sie weitere Erkenntnisse und Forschungsergebnisse abwarten oder sich mit dem künftigen, konventionellen Tot- und Proteinimpfstoffen impfen lassen. Zudem seien regelmäßige Testungen akzeptiert.

Der Westallgäuer Heimleiter Roland Fink kritisiert eine mögliche Impfpflicht für Pflegekräfte.
Der Westallgäuer Heimleiter Roland Fink kritisiert eine mögliche Impfpflicht für Pflegekräfte.
Bild: privat

Einige Mitarbeiter wollen in andere Branchen wechseln, wenn Impfpflicht kommt

„Falls sich die Regierung für eine Impfpflicht für die Pflegeberufe ausspricht, haben bereits bis zu acht Prozent unserer Angestellten angekündigt, dass sie in eine andere Branche wechseln würden“, sagt Fink. Damit sei eine Versorgung der pflegebedürftigen Menschen in den Heimen nicht mehr möglich. Dann sei es auch schwieriger neue Bewohner aufzunehmen; bisher sind es an den vier Standorten insgesamt 300. Wenn weniger Personen aufgenommen würden, bedeute das auch eine Mehrbelastung für die Angehörigen der wartenden Personen – und auch für Krankenhäuser, in denen diese Menschen länger bleiben müssten.

Einige Mitarbeiter habe er wegen der zusätzlichen Belastungen bereits verloren, bedauert Fink: Ein paar hätten gekündigt, ein paar seien früher als geplant in den Ruhestand gegangen. Die Nähe zu Österreich und der Schweiz sorge zusätzlich dafür, dass Mitarbeiter dorthin abwandern würden.

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