"Hackathon"

Warum die Holzbranche digitaler werden soll

Hochschule Hackathon

Maike Breitfeld vom Holzforum Allgäu begutachtet den Roboter, den ihr Mechatronik-Student Alexander Stum (rechts) aus Haldenwang und Sascha Schade von der Firma Erne AG Holzbau aus der Schweiz zeigen.

Bild: Ralf Lienert

Maike Breitfeld vom Holzforum Allgäu begutachtet den Roboter, den ihr Mechatronik-Student Alexander Stum (rechts) aus Haldenwang und Sascha Schade von der Firma Erne AG Holzbau aus der Schweiz zeigen.

Bild: Ralf Lienert

Beim „Hackathon“ an der Hochschule Kempten treffen digitale Experten und Handwerker aufeinander. Weshalb die unterschiedlichen Bereiche gut zusammenpassen.
19.10.2021 | Stand: 18:15 Uhr

Holz und Digitalisierung – was auf den ersten Blick wie ein Widerspruch wirkt, ist keiner. Mit der Frage, wie Zukunftstechnologien in der Holzbranche Einzug finden, beschäftigten sich die Teilnehmer des „Inno4Wood-Hackathons“ des Holzforum Allgäu und des Start-Up-Centers der Hochschule Kempten. Und die Antworten sind vielfältig: Gemeinsam tüftelten Handwerker, Studentinnen, Programmierer und digitale Expertinnen im Rahmen der ausgebuchten Veranstaltung an innovativen Projekten. Innerhalb von 24 Stunden setzten sie ihre Ideen in die Tat um und präsentierten dann ihre Ergebnisse.

„Die Holz- und IT-Branche passen besser zusammen, als viele denken“, sagt Matthias Brack, Schreinermeister und Geschäftsführer von Brack Wintergarten in Altusried. Er kam mit der vagen Idee für ein solches Projekt auf das Holzforum Allgäu zu, das den Hackathon schließlich gemeinsam mit dem StartUp-Center der Hochschule organisierte. Der Name „Hackathon“ setze sich aus den Worten „hacken“ und „Marathon“ zusammen: Alte Geschäftsmodelle sollen gehackt, durchschaut und auf den Kopf gestellt werden. Und das intensiv und ausdauernd in einer Zeitspanne von 24 Stunden. „Deswegen der Name Hackathon“, sagt Brack.

3D-Modelle statt ausgedruckte Pläne

Entweder brachten die Handwerker eine Problemstellung aus ihrem Alltag mit in den Workshop. Oder IT-Experten stellten Lösungen vor, mit denen Prozesse in der Holzbranche vereinfacht werden können. „Dabei sind spannende Themen entstanden“, sagt Brack. So beschäftigten sich die 65 Teilnehmer in kleinen Teams mit den unterschiedlichsten Ideen: Eine Gruppe entwarf eine App, die den Informationsfluss auf Baustellen vereinfachen soll. Eine andere setzte sich mit der Programmierung von vereinfachten 3D-Modellen auseinander, die Schreinern an der Werkbank statt ausgedruckten Plänen als Vorlagen dienen sollen. Bracks Team beschäftigte sich mit dem Thema Sensorik: Sensoren, die in Hausdächern Feuchtigkeit und Hitze messen, sodass Dachschäden verhindert werden können.

Auch ein Roboter, der Handgriffe abschauen und so mühsame Arbeiten übernehmen kann, war vor Ort. „In der Holzbranche steckt ganz viel Potenzial“ sagt Lukas Twerdy, der seinen Master im Bereich Informatik macht und in Bracks Sensorik-Team mitwirkte. Durch die Digitalisierung könnten Prozesse vereinfacht werden, sodass Handwerker sich mehr auf die anspruchsvollen und kreativen Tätigkeiten konzentrieren können. „Das ist eine große Lücke, die man schließen sollte.“

Engere Zusammenarbeit zwischen Handwerk und IT-Branche gewünscht

Dieser Meinung ist auch Simon Marschall, Inhaber der Schreinerei Marschall in Kempten. „Die Digitalisierung ist die Lösung für viele Probleme“, sagt er. Wenn Maschinen Bürokratie und stumpfe Arbeiten übernehmen und mehr Zeit für Kreativität bleibt, werde der Beruf des Schreiners wieder attraktiver, was dem Fachkräftemangel entgegenwirke. Mit präziseren digitalen Plänen könnte in Schreinereien zudem ressourcenschonender gearbeitet werden: „Wenn ich genau weiß, wie viel Holz ich brauche, kann ich den Baumstamm auch genau so zusägen“, sagt Marschall. Das Handwerk und die IT-Branche sollten seiner Meinung nach enger zusammenarbeiten und so voneinander profitieren. Bisher fehlte offenbar eine Gelegenheit. „Es gibt nur wenig Möglichkeiten, wo die beiden Welten aufeinandertreffen“, sagt Marschall.

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Mit dem Hackathon sei es gelungen, einen solchen Treffpunkt und Raum für neue Ideen zu schaffen, sagt Maike Breitfeld, Innovationsmanagerin beim Holzforum Allgäu. „Ich bin gespannt, was bleibt.“ Im Idealfall könnten durch den Workshop langfristige Geschäftsbeziehungen und vielleicht sogar ein Start-Up-Unternehmen entstehen.

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