Erfolgreicher Kampf gegen Krebs

"Ich hab' ein Bein verloren, nicht das Leben!" - Wie der 13-jährige Tobi eine Amputation verkraftet

Nach einer Krebserkrankung wurde Tobias (13) aus Eggenthal das Knie amputiert. Mit Willenskraft und Optimismus kämpfte sich der Realschlüler zurück ins Leben.

Nach einer Krebserkrankung wurde Tobias (13) aus Eggenthal das Knie amputiert. Mit Willenskraft und Optimismus kämpfte sich der Realschlüler zurück ins Leben.

Bild: Ralf Lienert

Nach einer Krebserkrankung wurde Tobias (13) aus Eggenthal das Knie amputiert. Mit Willenskraft und Optimismus kämpfte sich der Realschlüler zurück ins Leben.

Bild: Ralf Lienert

Wegen einer Krebserkrankung musste Tobi (13) das Knie amputiert werden. Wie der Allgäuer Bub den Schicksalsschlag verkraftet - und anderen Kindern Mut macht.
12.11.2021 | Stand: 15:47 Uhr

"Der Tobi ist ein Kämpfer." Das sagen alle, die den 13-jährigen Realschüler aus Eggenthal (Ostallgäu) kennen. Anders wäre es wohl nicht zu erklären, wie der fröhliche Allgäuer Bub eine schwere Krebserkrankung überstand und ihre Folge verkraftet.

Wegen eines bösartigen Knochentumors ("Osteosarkom") musste ihm vor zwei Jahren das linke Knie sowie ein Teil seines Oberschenkels amputiert werden. Eine schreckliche Vorstellung für einen sportlichen Buben, der im Verein Fußball spielte. Eine extreme Situation auch für seine Eltern Nicole und Thomas und seinen drei Jahre älteren Bruder Julian. Doch sie alle hielten in den schweren Stunden zusammen. Genau wie ihre Freunde und Verwandten; immer unterstützt vom "Förderkreis krebskranker Kinder im Allgäu". "Wir sind da gemeinsam durchmarschiert", sagt seine Mama Nicole.

Weshalb sich Tobi für eine Amputation entschied

Tobi sagt, dass es ihm geholfen hat, sich selbst für die Amputation zu entscheiden. Die Alternative wäre gewesen, dass ihm die Ärzte sein vom Krebs betroffenes Knie durch ein künstliches ersetzen. Das wäre mit einem extrem großen Risiko verbunden gewesen: "Wenn auch nur eine Krebszelle übrig geblieben wäre und weiter gestreut hätte, dann wäre es lebensbedrohlich geworden", schildert er die dramatischen Umstände.

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Wie sich Tobi mit Prothese zurück ins Leben kämpfte

Tobi stimmte einer Amputation zu. Die anfänglichen Tränen wischte er sich entschlossen aus dem Gesicht, als ihm die Ärzte schilderten, dass er mit Prothese, wieder laufen würde können. Möglich macht das die so genannte Umkehrplastik. Ziel dieser Operationstechnik ist, dass ein Körperteil eine Aufgabe übernimmt, für die es eigentlich nicht vorgesehen ist. Im Fall von Tobias bedeutet dies, dass statt des entnommenen Knies der Unterschenkel mit Fuß, um 180 Grad horizontal gedreht, am Oberschenkel fixiert wird.

Nach der Knie-Amputation kann Tobi wieder gehen - und noch vieles mehr

Mit ihrer positiven Prognose zu Tobis Zukunft sollten die Ärzte Recht behalten. Nach der Operation am Klinikum Großhadern, erfolgreichen Chemotherapien und zwei Lungen-Operationen am schwäbischen Kinderkrebszentrum im Augsburg ("die Leute dort sind einfach super") kämpfte sich Tobi zurück ins Leben. In der Physiotherapie schulte er Gleichgewichtssinn und Stabilität. Mittlerweile kann er mit der Prothese wieder gehen. "Ich war sogar schon klettern, radeln und rodeln", erzählt er stolz. Seine Freunde sind beeindruckt, wie der Siebtklässler sein Schicksal wegsteckt - und immer optimistisch denkt. Das beweist sein neues Lebensmotto: "Ich hab nur ein Bein verloren, nicht das Leben!" Mithilfe der Ärzte und seiner Einstellung hat er den Krebs besiegt.

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Dabei hatte anfangs nichts darauf hingedeutet, dass Tobi lebensbedrohlich erkrankt sein könnte. Im November 2018 entdeckte er eine Beule an seinem Knie. Die Ärzte gingen zunächst - irrtümlich - von einem Bluterguss oder einer Schleimbeutelentzündung aus.

Krebspatient Tobi aus dem Allgäu: Weshalb er anderen Mut machen will

Erst Spezialisten am Klinikum in Großhadern fanden Wochen später den wahren Grund für das geschwollene Knie heraus: Die Wucherung eines Osteosarkoms, das aggressiv wächst, umliegende Knochen und Gelenke zerstört und dessen Metastasen sich über die Blutbahn in der Lunge ausbreiten. Die Krebsart ist selten. Tobi will seine Geschichte nutzen, um sie in der Öffentlichkeit bekannter zu machen. Eine schnelle Behandlung kann Leben retten. Und er will allen Kindern Mut machen, die von Krebs oder anderen Krankheiten betroffen sind: "Es ist vieles möglich, was man sich anfangs gar nicht vorstellen kann."

Infos zum Verein "Förderkreis für krebskranke Kinder im Allgäu"

  • Der Verein Förderkreis für krebskranke Kinder im Allgäu wurde 1987 von Mitgliedern des Round Table Kempten durch Kontakt mit einer betroffenen Familie gegründet.
  • Die ehrenamtlichen Mitglieder des Vereins bieten Gespräche von Betroffenen für Betroffene, finanzielle Unterstützungen und Beratungen an. Zudem gibt es mehrmals im Jahr Ausflüge und Treffen für Patienten sowie deren Geschwister und Familien.
  • Seit Vereinsgründung wurden laut dem Vorsitzenden Stephan Bartzack mehr als 450 Familien finanziell unterstützt. "Wir unterstützen Familien in der Therapiezeit beispielsweise finanziell oder erfüllen besondere Wünsche", sagt der Vorsitzende Stephan Bartzack.
  • Der Verein ist am besten per Mail zu erreichen: info@foerderkreis-krebskranker-kinder-allgaeu.de
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