Radsport

Im Kreis der Besten - RSC Kempten startet in der Bundesliga

RSC Kempten Elite Rad Amateure

Mit diesem Team geht der RSC Kempten in die neue Saison: (von links) Jonas Schmeiser, Lukas Kleinhans, Andreas Mayr, Jan Dieteren, Steffen Greger, Dario Rapps, Michael Wasserrab, Christopher Schmieg, Tim Schlichenmaier und Luca Thumfahrt. Es fehlen Julian Kern und Florian Weber. Das Bild entstand bei Imst in Tirol.

Bild: Alex Müller, RSC

Mit diesem Team geht der RSC Kempten in die neue Saison: (von links) Jonas Schmeiser, Lukas Kleinhans, Andreas Mayr, Jan Dieteren, Steffen Greger, Dario Rapps, Michael Wasserrab, Christopher Schmieg, Tim Schlichenmaier und Luca Thumfahrt. Es fehlen Julian Kern und Florian Weber. Das Bild entstand bei Imst in Tirol.

Bild: Alex Müller, RSC

RSC Kempten startet heuer erstmals mit einem Team in der Bundesliga. Wie sich die Sportler aus dem Allgäu auf diese Herausforderung vorbereiten.
14.04.2021 | Stand: 19:00 Uhr

Eigentlich wollten sie in Richtung Gardasee. Gemeinsam in wärmere Gefilde, um sich intensiv auf die Saison vorzubereiten. „Aber das hat sich erledigt“, sagt Jonas Schmeiser. Zumindest das mit dem Gardasee. Denn in der Vorbereitung sind die Elite-Radfahrer des RSC Auto Brosch Kempten in diesem Jahr andere Wege gegangen.

Schmeiser erzählt: „Viele Kilometer auf dem Fahrrad sind noch nicht zusammengekommen, aber trainiert haben wir trotzdem fleißig. Jeder für sich. Ich habe mich hauptsächlich auf Tourenski bewegt. Das ist im Winter ein guter Ausgleich zum Radsport.“ Die Grundlagen seien gelegt, die Ziele gesetzt. Schließlich warten heuer einige neue Herausforderungen auf Deutschlands erfolgreichstes Amateur-Radteam der vergangenen Jahre. (Lesen Sie auch: Biker können hoffen: Neuer Pumptrack steht vielleicht bis Jahresende)

Eine davon ist Deutschlands höchste Rennserie. Die Kemptener haben zum ersten Mal eine Mannschaft für die Rad-Bundesliga angemeldet. Aus zwei Gründen. „Es sind die Rennen, die am ehesten stattfinden, weil sie vom Verband organisiert werden. Bei den derzeitigen Umständen ist eher davon auszugehen, dass es heuer in Städten nicht viele Rundstrecken- oder Kriteriumsrennen geben wird“, erklärt Schmeiser, der beim RSC nicht nur Leistungsträger, sondern seit Kurzem auch Abteilungsleiter Rennsport ist.

Bundesliga als Perspektive für den Nachwuchs

Andererseits wolle man mit der Bundesliga langfristig auch eine Perspektive für den Nachwuchs bieten. Um auf diesem hohen Level zu fahren, sollen die Talente künftig nicht mehr das Team wechseln müssen, sondern für den eigenen Verein starten können.

Schmeiser weiß: Das Niveau in der Bundesliga ist enorm, deutsche KT-Teams, also Halbprofis, sind genauso am Start wie Mannschaften aus den Nachbarländern und ambitionierte Junioren. Die über die Jahre so erfolgsverwöhnten Allgäuer werden wohl auch mal einstecken müssen. „Das ist ganz normal. Jeder hat Respekt davor. Es ist schon ein Unterschied, ob du 70 oder 170 Kilometer unterwegs bist“, sagt Schmeiser.

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Viele der RSC-Fahrer sind aber in ihren Nachwuchsjahren schon einmal in dieser Klasse gefahren, komplettes Neuland ist es für die meisten von ihnen also nicht. Los geht’s mit der Wertung am 9. Mai bei der Erzgebirgsrundfahrt. „Ein ziemlich schweres Rennen“, sagt Schmeiser. Zweiter Höhepunkt der Saison soll für die Allgäuer die deutsche Kriteriumsmeisterschaft werden, die heuer zum ersten Mal ausgetragen wird – mit fünf Qualifikationen und dem Finale im August in Hessen.

Bewerbung um ein Heimrennen ist gescheitert

Auch die Kemptener hatten sich um eines dieser Rennen beim Verband beworben, gingen aber leer aus. „Ich hoffe, dass wir in Zukunft berücksichtigt werden“, sagt der Rennsport-Leiter des Vereins. Das Ziel ist ehrgeizig: Mindestens eine Medaille soll herausspringen. Dazu kommen die deutschen Meisterschaften im Straßen-, Berg- und Zeitfahren.

Mit Julian Kern holt sich der RSC Kempten einen U23-Europameister

Um für die Aufgaben gerüstet zu sein, hat der RSC Kempten sein Team breit aufgestellt. Neben den Routiniers kommen auch drei U23-Fahrer zum Einsatz – und mit Julian Kern ein deutscher Top-Fahrer. Der Neuzugang, mittlerweile 31 Jahre, feierte schon im Juniorenbereich große Erfolge. Kern ist beispielsweise der bislang einzige Deutsche, der U23-Europameister wurde. 2011 in Italien gelang ihm dieser Coup, der ihm letztlich einen Profivertrag beim Luxemburger Team Leopard-Trek bescherte.

2013 und 2014 fuhr er für das Team „AG2R La Mondiale“ in Frankreich sogar auf der Welttour. Später widmete er sich mehr seinem beruflichen Werdegang. „Jetzt hat er aber wieder Zeit und Lust auf den Straßenrennsport“, sagt Schmeiser.

Und er hat scheinbar auch den internen Einstellungstest bestanden. Denn Schmeiser erzählt: „Es bringt nichts, den besten Fahrer ins Team zu holen, wenn der charakterlich nicht passt. Wenn ein Neuzugang kommt, dann muss jeder im Team zustimmen.“ Dieser Zusammenhalt sei das Erfolgsgeheimnis der Kemptener. Eine Mischung aus Charakteren, die sehr gut zusammenpassen. Sie sind nicht nur Teamkollegen, sondern Freunde. Schmeiser: „Jeder ist bereit, sich im Rennen für den anderen aufzuopfern.“ Zusammen wird Material besorgt, miteinander suchen sie sich Sponsoren und organisieren die Trainingsbetreuung.

15 000 Kilometer bis zum Jahresende

An die 15 000 Kilometer werden Schmeiser und Co. Ende des Jahres in den Knochen haben, dazu kommen die Trainingsstunden im Winter auf Ski. Der Hobbysportler staunt bei solchen Zahlen, der ambitionierter Radfahrer sagt: „Das ist auf unserem Niveau noch das untere Limit.“

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