Sportserie „Nach-Spiel-Zeit“

Überfliegerin auf neuen Wegen: Die Karriere von Andrea Ruppaner

Überfliegerin Ende der 1980er Jahre: Mit der SSG Bergisch Gladbach wurde Andrea Ruppaner 1989 deutsche Meisterin – nach der Gründung der Frauen-Fußball-Bundesliga lief die Fischingerin ab Sommer 1990 für den FC Bayern München auf.

Überfliegerin Ende der 1980er Jahre: Mit der SSG Bergisch Gladbach wurde Andrea Ruppaner 1989 deutsche Meisterin – nach der Gründung der Frauen-Fußball-Bundesliga lief die Fischingerin ab Sommer 1990 für den FC Bayern München auf.

Bild: Foto: Kicker Archiv-Redaktion

Überfliegerin Ende der 1980er Jahre: Mit der SSG Bergisch Gladbach wurde Andrea Ruppaner 1989 deutsche Meisterin – nach der Gründung der Frauen-Fußball-Bundesliga lief die Fischingerin ab Sommer 1990 für den FC Bayern München auf.

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Die Fußballkarriere von Andrea Ruppaner war kurz, mit einem deutschen Meistertitel aber erfolgreich. Mit nur 22 war Schluss. Heute arbeitet sie als Sportlehrerin.
14.02.2021 | Stand: 12:47 Uhr

Sie sind Olympiasieger und waren Publikumslieblinge, haben die Region auf der großen Weltbühne des Sports vertreten oder sind zur Clublegende im benachbarten Dorfverein geworden. In unserer neuen Rubrik „Nach-Spiel-Zeit“ erzählen wir die Geschichten von zurückgetretenen Sportlern, deren Karrieren die Menschen der Region bewegt haben. Im 15. Teil blicken wir auf Fußballerin Andrea Ruppaner.

Mit 22 war Schluss. Fast 30 Jahre ist es her, dass Andrea Ruppaner ihre Fußballschuhe an den Nagel gehängt hat. An das letzte Spiel ihrer Karriere, am 19. Mai 1991 mit dem FC Bayern München beim FSV Frankfurt, hat die 51-Jährige keine detaillierten Erinnerungen mehr. „Es lief nicht so rund“, erinnert sie sich an die Situation ihres FCB in der neu gegründeten Frauen-Bundesliga – 0:1 unterlag München damals. Im Verein gab es Unstimmigkeiten, der Erfolg blieb aus und die Stürmerin selbst litt unter Rückenproblemen. Das alles führte „schleichend“ ihren Entschluss herbei, ihre Fußballkarriere zu beenden. Und das bereits im Alter von 22 Jahren.

Allerdings war die Situation des Frauenfußballs damals keineswegs mit der heutigen vergleichbar: Die Spielerinnen waren keine Profis, sondern hatten alle einen Job. Für Trainings und Spiele mussten sie Freizeit opfern. Gut erinnert sich Andrea Ruppaner an die anstrengende Zeit, als sie nach den Punktespielen für die SSG Bergisch-Gladbach im Job noch eine Nachtschicht zu absolvieren hatte. „Wenn ich die Chance gehabt hätte, vom Fußball leben zu können, hätte ich sicher noch ein paar Jahre drangehängt“, versichert die Fischingerin. „Denn Fußball war immer eine Leidenschaft – eine, die noch heute in mir steckt“.

Den Ursprung fand diese Leidenschaft in der Jugend ihres Heimatvereins TSV Fischen. Als sie zu den Frauen des FC Oberstdorf wechselte, folgten erste Berufungen in Auswahlmannschaften, ebenso Angebote für Vereinswechsel. Dem Zufall verdankt die gelernte Hotelfachfrau ihren Wechsel 1987 zur SSG 09 Bergisch Gladbach in die Regionalliga NRW, damals die höchste deutsche Frauenliga. Hotelgäste hatten die 18-Jährige auf die seinerzeit beste deutsche Frauenmannschaft angesprochen und organisierten ein Probetraining. „Dann ging alles ganz schnell“, erinnert sich Ruppaner. Sechs Wochen danach zog die junge Stürmerin nach Bergisch-Gladbach, erstmals weg von zuhause.

Auf Anhieb Leistungsstütze im Meisterteam

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Trotz des anfänglichen Heimwehs war die Anfangszeit vor allem durch die sportlichen Erfolge „eine schöne Zeit, die ich nicht missen möchte“, sagt Ruppaner heute. Schon in der ersten Saison, in der sie sich auf Anhieb in der Stammformation etablierte, wurde Ruppaner deutsche Meisterin. In Montabaur setzte sich die SSG gegen den TuS Ahrbach mit 2:0 durch. „Das Endspiel zu erreichen, den Titel zu holen und die Pokalfeier danach – dafür spielt man Fußball, kämpft um jeden Punkt“, sagt Ruppaner, in Erinnerungen schwelgend. Die zweite Saison in Nordrheinwestfahlen lief ähnlich erfolgreich, allein der Titel blieb am Ende aus. Im Siegener Leimbachstadion musste sich der amtierende Meister dem TSV Siegen 0:3 geschlagen geben.

Im Anschluss an das Pokalspiel von Bergisch Gladbach gegen den FC Bayern aber erhielt die Stürmerin ein verlockendes Angebot der Münchner – das Heimweh führte dazu, dass sie das als Wink des Schicksals sah: „Ich habe es mir cool vorgestellt, Bundesliga zu spielen und wieder näher daheim zu sein“, erzählt die 51-Jährige. Die Gründung der Frauenbundesliga 1990 stand da bereits fest. Doch im FCB-Trikot lief es nicht wie erwartet, sodass sich Ruppaner entschloss, zurückzutreten, umzusteigen. Die gelernte Hotelfachfrau arbeitete bald danach in der Schweiz in einem Hotel am Vierwaldstätter See, bevor es sie in die Heimat zog. Im Oberallgäu erfüllte sie sich den Berufstraum: Ruppaner absolvierte ein Sport-Studium und arbeitete als Sportlehrerin in einem Hotel.

Die Liebe führt Ruppaner 2008 in die Schweiz

„Ich wollte schon immer Lehrerin werden“, sagt sie. „Der Umgang mit jungen Menschen hat mir immer Spaß gemacht.“ Mit dem Ziel, in einer Schule zu unterrichten, klopfte sie bei einigen Bildungsstätten im Allgäu an, ohne Erfolg. „In Deutschland ist es schwierig, wenn man nur Sport unterrichten kann, meist brauchen Lehrer ein zweites Fach“, erklärt Ruppaner. Die Liebe führte sie letztlich 2008 in die Schweiz, wo sie im Kanton Luzern nun seit über zwei Jahren als Sportlehrerin tätig ist. „Mit den Bergen war mir die Schweiz sowieso lieber als Norddeutschland. Ich habe eine Chance bekommen, habe es probiert und meine Chance genutzt“, erklärt Ruppaner, warum sie ihrer Heimat auf Dauer den Rücken gekehrt hat. Heute lebt die 51-Jährige beschaulich in Kriens, einem Ort, fünf Kilometer vor Luzern.

„Ich wohne traumhaft, sehe direkt auf den Pilates und habe die ganze Bergkette im Blick. Den Sonnenuntergang hier zu erleben, ist Luxus“, schwärmt sie. Deshalb hat sie ihr frühes Karriere-Ende auch nie bereut. „In der damaligen Situation war es die richtige Entscheidung“, sagt Ruppaner. „Es gibt so viel anderes neben Fußball.“ Im Hobbybereich weiterzuspielen, war für sie keine Option und auch die Anfragen für eine Trainertätigkeit hat sie stetig abgelehnt. Heute genießt sie ihre Freizeit ohne den Druck, pünktlich im Training sein zu müssen – sondern geht in die Berge oder zum Langlaufen. „Aber es war schön, den Teamgeist zu erleben, neue Menschen kennenzulernen und die sportlichen Erlebnisse teilen zu können“, bringt Ruppaner den Reiz ihrer Sportart auf den Punkt. Mit einigen ehemaligen Kolleginnen hat sie heute noch Kontakt, „zu den meisten aber leider eher sporadisch“, bedauert sie.