Gemeinde Rettenberg zieh Bilanz

5,5 Millionen Euro Schaden: Unwetter in Rettenberg kommt Gemeinde teuer zu stehen

Der Starkregen vom Juli hatte im Gemeindegebiet von Rettenberg Straßen unterspült und unpassierbar gemacht.

Der Starkregen vom Juli hatte im Gemeindegebiet von Rettenberg Straßen unterspült und unpassierbar gemacht.

Bild: Benjamin Liss

Der Starkregen vom Juli hatte im Gemeindegebiet von Rettenberg Straßen unterspült und unpassierbar gemacht.

Bild: Benjamin Liss

Unwetter und Überschwemmungen im Juli verursachten großen Schäden in Rettenberg. Bürgermeister Nikolaus Weißinger sorgt sich wegen weiterer drohender Kosten.
21.09.2021 | Stand: 19:30 Uhr

Auf mehr als fünf Millionen Euro belaufen sich nach Angaben der Gemeinde die Schäden, die der Starkregen im Juli allein in Rettenberg verursacht hat. Doch damit ist es nicht getan: Denn die besonders vom Unwetter betroffenen Ortsteile Wagneritz und Altach sollen vor weiteren Fluten besser geschützt werden. Details dazu wollen Wasserwirtschaftsamt und Gemeinde Mitte Oktober bekannt geben, teilte Bürgermeister Nikolaus Weißinger dem Gemeinderat mit.

So sah es in Wagneritz am Tag nach dem Unwetter aus.
So sah es in Wagneritz am Tag nach dem Unwetter aus.
Bild: Benjamin Liss (Archiv)

Bis jetzt hat die Kommune erst einmal einen Überblick darüber, wie hoch der Schaden an privatem Besitz und an der Infrastruktur ist. Nach dem, was Gutachter bisher ermittelt haben, hat das Wasser laut Weißinger in Rettenberg Besitz von Bürgern in Höhe von rund vier Millionen Euro vernichtet. Die Bestandsaufnahme sei aber noch nicht abgeschlossen. Wenn feststeht, was Gutachter ermitteln, wie viel Versicherungen zahlen und auf welchen Kosten die Privatleute sitzen bleiben, würden die Spenden verteilt. Wie der Bürgermeister bekannt gab, hat die Gemeinde bisher verschiedene Einzelspenden in Höhe von insgesamt 33 000 Euro erhalten. „Ich hoffe, dass es noch mehr werden“, sagt Weißinger. Das Geld werde ab Mitte Oktober an alle Betroffenen verteilt. Darüber hinaus laufe eine Spendenaktion des Landkreises Oberallgäu.

Rettenberg: Neues Konzept gegen Überschwemmungen nötig

Eine weitere Spende könne bereits jetzt im Rathaus abgeholt werden. Die Kältetechnikfirma Fichtl-Lang habe der Gemeinde Effektive Mikroorganismen zur Verfügung gestellt. Diese sollen gegen Schimmel helfen und können im Rathaus abgeholt werden, erklärte Weißinger. Der Vorrat reiche für 30 bis 40 Haushalte.

Auf rund 1,5 Millionen Euro bezifferte der Rathaus-Chef die Schäden, die der Starkregen an der Infrastruktur der Gemeinde angerichtet hat. Als Nächstes werde ein Ingenieurbüro ein Konzept darüber erstellen, was Rettenberg an den teilweise verrohrten Bächen überarbeiten und an Rückhaltebecken schaffen muss. „Wenn wir wissen, was sinnvoll ist, werden wir planen und mit den Grundstückseigentümern verhandeln“, kündigt Weißinger an. Das Konzept soll bis Jahresende stehen, meint er und ergänzt: „Das ist sportlich.“ Es zeichne sich aber ab, dass die Gemeinde Rettenberg im nächsten Jahr nicht alle Maßnahmen umsetzen könne.

Sorge bereitet dem Bürgermeister aber vor allem, was darüber hinaus auf die Gemeinde noch zukommen könnte. Es geht um den Hochwasserschutz der Wildbäche. (Lesen Sie auch: Nach Unwetter um Immenstadt: Polizei und Feuerwehr ziehen erste Bilanz)

In Altach und Wagneritz soll der Hochwasserschutz verbessert werden

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Der Schutz vor den Wassermassen wird teuer für die Rettenberger

Nach geltendem Recht müsse die Gemeinde Rettenberg womöglich tief in die Tasche greifen, um die Bäche auszubauen, erklärte Weißinger im Gemeinderat. Wie er mitteilte, handelt es sich dabei nämlich um „Gewässer dritter Ordnung“. Die Verpflichtung zum Ausbau und zum Unterhalt liege bei der Gemeinde. Das Land Bayern fördere sie nur mit 40 bis 45 Prozent, erklärte Weißinger. „Es kann nicht sein, dass wir als kleine Gemeinde einen Wildbach bis an den Gipfel ausbauen müssen. Das ist nicht machbar“, betonte er. Anderen Kommunen ergehe es genauso. „Wir wollen nach der Bundestagswahl auf diese prekäre Situation aufmerksam machen“, erklärte der Bürgermeister.

Wenige Tage nach dem Unwetter hatte Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger sich selbst ein Bild von den Schäden gemacht. Damals stellte er in Aussicht, dass es einen extra Fördertopf geben könnte. Darüber ist aber noch nicht entschieden worden.

Fest steht schon: In Altach und Wagneritz soll der Hochwasserschutz verbessert werden. Die Pläne dazu seien Inhalt einer öffentlichen Gemeinderatssitzung am 11. Oktober, kündigt Weißinger an.

Wie nötig der Schutz vor weiteren Unwettern ist, zeigte sich vergangene Woche. Bei dem Starkregen am Mittwoch seien wieder sechs Keller vollgelaufen, sagte Weißinger. Das Wasserwirtschaftsamt sei darüber informiert. (Lesen Sie auch: Ist Kaufbeuren auf ein Hochwasser vorbereitet?)