Sportserie „Nach-Spiel-Zeit“

Abschied mit Applaus: Wie Fußballtrainer Stefan Keller zum Kult-Coach wurde

Die Mannschaft des 1. FC Sonthofen hat es geschafft: Der sportliche Höhepunkt in der Vereinsgeschichte mit der Meisterschaft in der Bezirksoberliga Schwaben und dem Aufstieg in die Fußball-Landesliga    Im letzten Saisonspiel wurde im Illerstadion das Team der SpVgg Kaufbeuren mit 4:1 besiegt.

Als Trainer war Stefan Keller ein Erfolgsgarant, feierte unter anderem mit dem 1. FC Sonthofen 2007 den Landesliga-Aufstieg. In seiner aktiven Zeit war er in der Region eine feste Größe.

Bild: Jansen, Schulze

Als Trainer war Stefan Keller ein Erfolgsgarant, feierte unter anderem mit dem 1. FC Sonthofen 2007 den Landesliga-Aufstieg. In seiner aktiven Zeit war er in der Region eine feste Größe.

Bild: Jansen, Schulze

2010 hat Stefan Keller das letzte Mal eine Trainerbank verlassen. Als Coach erfolgreich, als Spieler beliebt: Heute blickt er auf viele Sternstunden zurück.
13.04.2021 | Stand: 19:22 Uhr

Den Abschied von Stefan Keller von der Trainerbank könnte man auch unter den Titel „Doppelt hält besser“ setzen. Der 54-Jährige hatte gleich zwei „letzte Spiele“ – und das sogar beim selben Verein. Das offizielle Abschiedsspiel des Sonthofer Erfolgscoaches fand am 31. Mai 2008 in Rosenheim statt. Da die Kreisstädter nach einer „ordentlichen Saison“ schon den Klassenerhalt in der Landesliga Süd unter Dach und Fach gebracht hatten, konnten sie das Spiel vergleichsweise locker angehen. Die Rückfahrt wurde daher genutzt, um mit Kuchen den Abschied ihres Trainers zu feiern.

Stefan Keller ging allerdings mit gemischten Gefühlen in die Partie. Einerseits war er damals „froh, mehr Zeit für die Familie und Hobbys“ in Aussicht zu haben, andererseits ging für ihn ein besonderer Lebensabschnitt zu Ende. „Fußball hat mein Leben geprägt“, sagt Keller und räumt sogleich ein, dass ihm danach etwas gefehlt habe. Sein ursprünglicher Plan war damals, „eine Pause“ einzulegen. Schnell begann er jedoch, das enorme Plus an Freizeit zu genießen. Zwar erhielt er durchaus immer wieder Anfragen verschiedener Clubs – die richtige Offerte war in seinen Augen jedoch nie dabei. „Sonthofen war für mich eine ganz tolle Zeit. Danach war es schwer, etwas zu finden, das da noch rankommt“, sagt Keller. Das habe ihn daran gehindert, wieder ins Trainergeschäft einzusteigen.

Interimsweise Comeback auf der Trainerbank

Erst als eben der 1. FC Sonthofen nach seiner Trennung von Alexander Methfessel bei Stefan Keller anklopfte und um Hilfe bat, erklärte sich der Sulzberger zu einer Rückkehr auf die Bank bereit. Allerdings war für alle Seiten schon im Vorfeld klar, dass dieses Engagement nur interimsweise und nur bis zum 29. Mai 2010 gelten würde.

„Wenn ich aktiver Spieler wäre, würde ich immer noch spielen“, sagt der 54-Jährige schmunzelnd. Der Trainerjob sei hingegen wesentlich anstrengender, da er neben vier bis fünf Trainingseinheiten und den Spielen nicht nur einer intensiveren Vorbereitung bedürfe, sondern man sich als Trainer um alles kümmern müsse. Aus diesem Grund hat er das „Kapitel auf der Bank“ auch ohne Reue beendet. Alles in allem empfindet Stefan Keller seine aktive Zeit aus heutiger Sicht trotz aller Erfolge im Trainergeschäft als „schöner“.

Als Trainer war Stefan Keller ein Erfolgsgarant, feierte unter anderem mit dem 1. FC Sonthofen 2007 den Landesliga-Aufstieg. In seiner aktiven Zeit war er in der Region eine feste Größe.
Als Trainer war Stefan Keller ein Erfolgsgarant, feierte unter anderem mit dem 1. FC Sonthofen 2007 den Landesliga-Aufstieg. In seiner aktiven Zeit war er in der Region eine feste Größe.
Bild: Jansen, Schulze

Und das, obwohl er währenddessen alleine in den zehn Jahren beim FC Memmingen unter anderem sehr viel Zeit auf der Autobahn verbrachte. Sein einjähriges Gastspiel bei der SpVgg Unterhaching, die damals in der 2. Liga spielte, war für Keller „nicht so erfolgreich, allerdings war es für mich auch eine besondere Erfahrung“. Nach dem Abstieg der Hachinger in die Bayernliga entschied er sich für ein Studium in Kempten als „sicheren Weg“. Im Nachhinein stellte sich dieser auch als der richtige heraus.

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Aus einer aktiven Zeit seien ihm viele Höhepunkte in Erinnerung. In seinem ersten Spiel für die Maustädter wurde er nach einer Stunde eingewechselt und feierte neben renommierten Stürmern wie Manfred Spingler und Reinhold Mayer mit zwei Treffern einen „super Einstand“. Denkwürdig war für Stefan Keller in Diensten des FC Memmingen außerdem das Relegationsspiel um den Aufstieg in die Regionalliga am 6. Juni 1997. Als krasser Außenseiter führten die Memminger im Mannheimer Rhein-Neckar-Stadion mit 3:2 gegen die Offenbacher Kickers. Als in der 90. Minute eine zweiminütige Nachspielzeit angezeigt wurde, fiel das Flutlicht aus. Die Wiederholung des Entscheidungsspiels verlor der FCM.

Highlight beim 1. FC Sonthofen

Während seiner fünfjährigen Spielertrainertätigkeit bei seinem Heimatclub, dem TSV Sulzberg, feierte Keller gleich im ersten Jahr den Aufstieg in die Bezirksliga und mit dem 1. FC Sonthofen glückte ihm später sogar der Landesliga-Aufstieg. Das denkwürdige vorletzte Spiel der Aufstiegssaison in Gersthofen, bei dem sich die Kreisstädter gegen den favorisierten Gegner mit 2:1 durchsetzten, wird wohl keiner der Beteiligten jemals vergessen. Mit so vielen schönen Erlebnissen und Erfolgen im Rücken, erinnert Stefan Keller daran „dass man aufhören sollte, wenn es am schönsten ist“ – und das war für ihn in der ersten Landesliga-Saison, in der der Klassenerhalt gesichert wurde und das Team sich den schwäbischen Pokalsieg holte.

Rückblickend werde ihm auch bewusst, dass er „Glück“ hatte, bei der Sonthofer Vorstandschaft genauso wie bei der Mannschaft „fest im Sattel“ zu sitzen. „Das Team und das ganze Umfeld waren sensationell, bei Erfolg ist der Druck nicht so groß“, sagt er. Noch heute hat der 54-Jährige „super Verbindungen nach Sonthofen und nach Memmingen. Ich freue mich, dass die Freundschaften bestehen bleiben.“

Keller bangt um Vereine in der Krise

Seine Mannschaften schaut sich Stefan Keller auch immer mal wieder gerne live an und bangt in Zeiten der Corona-Pandemie mit ihnen, weil er allzu gut weiß, dass „viele Vereine knabbern müssen. Hut ab vor allen, die das durchziehen“, sagt er.

Der Elektroingenieur, der heute mit seiner Frau Sabine in Sulzberg wohnt, vermisst aus seiner aktiven Zeit vor allem das Zusammensein mit Kollegen auf dem Platz und abseits davon. Da sich seine Töchter Tanja (25) und Melanie (21) nie für das Spiel mit dem runden Leder entschieden haben, wurde er vermutlich auch nirgends als Jugendtrainer verpflichtet, vermutet Keller. „Aber es fehlt mir natürlich ein bisschen, den Kontakt mit Jugendlichen zu haben“, sagt Keller. „Denn das hält auf Dauer jung.“