Folgen der Pandemie

Long Covid lähmt die Zell-Kraftwerke: Das rät eine Ärztin aus Immenstadt Betroffenen

Dr. Mirja Effing arbeitet als Ärztin für Funktionelle Medizin.

Dr. Mirja Effing arbeitet als Ärztin für Funktionelle Medizin.

Bild: Sibylle Mettler

Dr. Mirja Effing arbeitet als Ärztin für Funktionelle Medizin.

Bild: Sibylle Mettler

Die Immenstädter Medizinerin Dr. Mirja Effing referiert auf einem Kongress über Wege aus dem körperlichen Dauer-Tief. Das sind ihre Tipps.
25.01.2023 | Stand: 18:04 Uhr

Erst Corona, dann Long Covid. Viele Menschen leiden nach einer überstandenen Infektion noch Wochen- und teils monatelang an Langzeitfolgen wie Atembeschwerden, Erschöpfung und Gedächtnisproblemen. Wie Long Covid auf Sicht der Funktionellen Medizin zu verstehen und zu behandeln ist, darüber referiert die Immenstädter Ärztin Dr. Mirja Effing auf dem Jahreskongress der deutschen Forschungsinitiative Osteopathie in München.

Wie entsteht aus Sicht der Funktionellen Medizin Long Covid?

Effing: Es ist normal, dass man bei einer Infektion erst einmal müde wird und sich hinlegt. Das ist wichtig, damit der Körper regenerieren und das Immunsystem arbeiten kann. Die Kraftwerke in den Zellen, die Mitochondrien, fahren ihre Leistung dann erst einmal herunter. Das Problem bei Long Covid ist, dass die Mitochondrien nicht wieder leistungsfähiger werden. Dieses Prinzip kennen wir auch von anderen Infektionskrankheiten wie Borreliose oder dem Eppstein-Barr-Virus. Leute, die daran leiden, wurden früher oft als psychisch krank abgetan, dabei handelt es sich um eine Funktionsstörung.

Wie kann man das diagnostizieren?

Effing: Die Universität Magdeburg hat den Bioenergetischen Gesundheitsindex entwickelt, mit dessen Hilfe man die Mitochondrienfunktion im Blut messen kann. Das geschieht über das Adenosintriphosphat, kurz ATP, unserem Energielieferanten. Damit kann man gut einschätzen, wie die Mitochondrien funktionieren.

Was raten Sie Menschen mit Long Covid?

Effing: Es ist wichtig, dem Körper Zeit zu geben und nicht zu früh wieder zu powern. Denn das schwächt die Mitochondrien erst recht. Gut ist auch eine Kälte-Therapie wie beim Kneippen: Anfangs Arme und Beine kalt abduschen, später den ganzen Körper. Bei der Ernährung soll man Wert auf viel Obst und Gemüse legen. Wirkungsvoll ist auch Intervallfasten, das heißt, dass man nur innerhalb von acht Stunden isst und 16 Stunden fastet. Das gibt dem Körper Zeit zu regenerieren. Heilfasten ist auch gut, aber nur nach Anleitung.

Und wenn das alles nicht hilft?

Effing: Dann rate ich, den Körper gezielt mit Micro-Nährstoffen wie Vitamin C, Zink, Selen, Phosphatidylcholin, Coenzym Q10, Magnesium und Omega 3-Öl zu versorgen. Als sehr effektiv hat sich auch das Intervall Hypoxie-Hyperoxie Training gezeigt, bei dem der Körper gezielt kurzzeitig über Sauerstoffmangel die Autophagie angeregt wird. Das ist die Recycling-Anlage der Zelle. So werden von unseren Fresszellen die geschädigten Mitochondrien beseitigt. Dann können wieder neue gesunde entstehen.

Warum beschäftigen sich die Osteopathen auf dem Kongress mit Long Covid? Meistens behandeln sie doch den Bewegungsapparat.

Effing: Viele Long-Covid-Patienten leiden an Belastungs-Luftnot und Asthma. Osteopathen können Veränderungen an der Lunge ertasten, auch wenn diese vom Facharzt nicht messbar sind. Mit ihren Therapien können Osteopathen das Gewebe in der Lunge frei machen, sodass die Patienten besser durchatmen können.

Interview: Sibylle Mettler

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