Kunst im Gesundheitszentrum Immenstadt

Allgäuer Malerinnen schildern die Freuden des Lebens

"Samstag", Gemälde von Katya Dronova, zu sehen in der Ausstellung "Einfühlsam" im Gesundheitszentrum Immenstadt.

"Samstag", Gemälde von Katya Dronova, zu sehen in der Ausstellung "Einfühlsam" im Gesundheitszentrum Immenstadt.

"Samstag", Gemälde von Katya Dronova, zu sehen in der Ausstellung "Einfühlsam" im Gesundheitszentrum Immenstadt.

Die Malerinnen Katya Dronova, Angelika Böhm-Silberhorn und Christa Kyrein-Fröhlich beschwören in Immenstadt heitere Stimmungen und fröhliche Kinderwelten.
22.06.2022 | Stand: 17:00 Uhr

Endlich ist er da, der Sommer. Nicht nur in natura mit Temperaturen, die viele Menschen stöhnen lassen, sondern auch mit Bildern, die seine Magie beschwören – jenseits der Tatsache, ob die Sonne glüht oder ob dunkle Wolken zwischen Allgäuer Bergen aufziehen. An den Wänden im vierstöckigen Lichthof des Immenstädter Gesundheitszentrums verbreiten die Gemälde dauerhaft heitere Urlaubsstimmung.

Die Bilder stammen von drei Malerinnen, die eine klare künstlerische Handschrift entwickelt haben – und die bei dieser Ausstellung unter dem Motto „Einfühlsam“ ähnliche thematische Vorlieben zeigen: Die Künstlerinnen schildern die Schönheiten der Natur, die Freuden des Lebens – gleichsam als Ausgleich und Gegenentwurf zu den aktuellen Krisen, die den Alltag der Menschen immer mehr beschweren. Denn Freude lässt sich auch ohne großen Aufwand finden.

In Lindau zu Hause

Ein Mädchen sitzt auf Steinen an einem Ufer und erfrischt Hand und Fuß in dem kühlen Nass. Helles Sonnenlicht schmälert die Kraft der Farben und taucht die Szene in eine fast sanft verträumte, verklärte Stimmung. Solch meisterhaftes Spiel mit gleißendem Licht prägt alle Gemälde, die Katya Dronova im obersten Stockwerk des Gesundheitszentrums zeigt. 1979 in Moskau geboren und seit 2012 in Lindau zu Hause, führt sie anhand sensibler Kinderbilder die kleinen Freuden des Alltags vor: das Spiel eines Buben mit seinem Fußball, den Genuss einer Waffel voll Eis, das Planschen am Beckenrand. Doch immer umweht eine sanfte Melancholie oder drückende Hitze die Atmosphäre dieser Bilder.

Schüchterne Annäherung

Andere Gemälde nähern sich behutsam, ja fast schüchtern ihrem Motiv, zeigen in „Samstag“ ein Mädchen hinter einer Jalousie in die sonnendurchflutete Welt nach draußen spähend oder in „Sonntag“ das Motiv subtil aus der anderen Perspektive schildernd. Andere Bilder rücken eine dem Betrachter abgewandte Gestalt in den Mittelpunkt, eine Gestalt beim Blick in die Ferne. Wieder andere deuten mediterrane Stimmung nur an – etwa mit leeren Liegestühlen in gleißendem Sonnenlicht.

In Kempten geboren

Kinder stehen auch im Mittelpunkt der Arbeiten von Christa Kyrein-Fröhlich. 1944 in Kempten geboren, lebt die Malerin heute in München und Sulzberg. Sie widmet sich in ihren Bildern der Mutterschaft und den Sprösslingen, wobei manche Figuren gesichtslos bleiben. Manchmal verschwimmen die Gesichtszüge wie in der Geschwindigkeit der Bewegung, wenn zum Beispiel in der „Grenzerweiterung II“ drei Nachwuchspiloten mit ihren roten Kisten über die Piste sausen, oder manchmal werden sie auch bewusst ausgespart wie etwa bei Gesicht der Frau im Schwangerschaftsbild „Werden I“.

Dialog mit einem Stoffhasen

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Andere Bilder deuten Gesichtszüge an, lassen sie aber dann doch im skizzenhaften oder vagen – seien es vier Säuglinge in Kinderwagen oder ein Mädchen im Dialog mit seinem Stoffhasen oder ein Kind, zu dem sich der Gummi-Schwan im Schwimmring hinabneigt. Ganz behutsam übernimmt in solche Bildern ein surreales Element die Regie und lässt ein wenig Gesellschaftskritik in das vermeintliche Idyll einfließen – wenn zum Beispiel das Mädchen der erwachsenen Frau angesichts der angerichteten Schlachtplatte aus Hirsch und Schwein erklärt: „Bitte nichts Lebendiges!“

Rinderportraits aus einem Tannheimer Stall

Denn auch Tiere sind Persönlichkeiten wie Angelika Böhm-Silberhorn mit ihren Rinderportraits von Fürstin, Amsel und Sissi aus einem Tannheimer Stall belegt. Doch die 1958 geborene Malerin aus Utting am Ammersee zeigt in ihren Gemälden in zwei Stockwerken des Gesundheitszentrums vor allem die Freuden des Sommers am See mit Dampfschifffahrt und wagemutigen Hechtsprüngen ins Wasser, aber auch betagte nostalgische Dampfrösser und die Schönheiten der unberührten Natur: blühende Wiesen etwa bei Gewitterstimmung im Tannheimer Tal.

Kräftige Farben

Die Malerin setzt dabei auf kräftige Farben, die sie dick aufträgt und kontrastreich nebeneinandersetzt, mal scharf konturiert, viel öfter aber miteinander übermalt. So wird das scheinbar reale Motiv zu vagen Visionen verunklart, in denen vieles nur noch angedeutet bleibt und doch ein intensiver Eindruck beschworen wird. Er vermittelt vor allen Dingen viel von der Lebensfreude, jener, die der Sommer bringen kann, aber auch jener, die die Welt zu allen Zeiten bereithält, wenn man nur die Augen dafür öffnet.

Öffnungszeiten: bis 31. August, täglich von 8 bis 20 Uhr.

Die Malerin Katya Dronova.

Die Malerin Christa Kyrein-Fröhlich.

Die Malerin Angelika Böhm-Silberhorn.

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