Klettern in der Corona-Krise

"Ausgekraxelt": DAV-Kletterzentrum in Sonthofen in der Krise

Sie müssen sich gedulden: Auch die Kurse und Jugendprogramme am DAV-Kletterzentrum in Sonthofen sind vorerst weiter ausgesetzt.

Sie müssen sich gedulden: Auch die Kurse und Jugendprogramme am DAV-Kletterzentrum in Sonthofen sind vorerst weiter ausgesetzt.

Bild: Fotos: Björn Ahrndt

Sie müssen sich gedulden: Auch die Kurse und Jugendprogramme am DAV-Kletterzentrum in Sonthofen sind vorerst weiter ausgesetzt.

Bild: Fotos: Björn Ahrndt

Das DAV-Zentrum in Sonthofen ist erneut geschlossen. Geschäftsführer Michael Fracaro über die Folgen und langfristige Sorgen.
Sie müssen sich gedulden: Auch die Kurse und Jugendprogramme am DAV-Kletterzentrum in Sonthofen sind vorerst weiter ausgesetzt.
Von Noa Hüper
13.11.2020 | Stand: 17:03 Uhr

Es hat sich vorerst „ausgekraxelt“ im Kletterzentrum des Deutschen Alpenvereins in Sonthofen. Mit dem zweiten Lockdown in der Corona-Pandemie steht die Anlage seit dem 2. November still. Die Kletter- und Boulder-Bereiche in der Halle, wie auch die Außenwände bleiben zumindest bis Ende des Monats geschlossen. Darauf haben sich der Bayerische Bergsportverband und das Landratsamt mit der DAV-Sektion Allgäu-Immenstadt geeinigt. „Es ist nachvollziehbar, dass Sportanlagen, wie unsere Kletterhalle, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen, in dieser Phase der Pandemie schließen müssen“, sagt der Geschäftsführer des Vereins, Michael Fracaro.

Geschäftsführer Fracaro: "Würde uns hart treffen"

Dennoch könnte der Zeitpunkt des erneuten Lockdowns für die Sektion, die das Kletterzentrum betreibt, ungünstiger nicht sein. „Unsere Hauptsaison geht von Oktober bis in den April. Das sind die Monate, in denen bei uns am meisten Verkehr herrscht, mit Abstand. Zudem besteht die Gefahr, dass über den November hinaus nicht geklettert werden kann. Das würde uns hart treffen“, erklärt Fracaro.

Bereits nach dem ersten Lockdown hat der Verein ein ausgeklügeltes Hygienekonzept entwickelt, um den Sportlern sicheres Bouldern und Klettern zu ermöglichen. So ist das Tragen von Mund-Nasen-Schutz beim Betreten und Verlassen des Gebäudes, beim Umziehen, sowie auf den Gängen Pflicht. Für die Hände stehen Desinfektionsmittelspender bereit, an den Kletterwänden ist je eine Sicherungslinie zwischen zwei Routen zur Abstandswahrung ausgelassen. Die Besucheranzahl wurde mithilfe einer begrenzten Menge an Exen am Eingang reguliert.

„Die Maßnahmen haben wir mit unserem Bundesverband abgestimmt und sie haben weitestgehend gut funktioniert. Deshalb haben wir auch vorerst keine Notwendigkeit gesehen, diese Bestimmungen, trotz der steigenden Infektionszahlen weiter zu verschärfen“, beschreibt der Geschäftsführer die Zeit zwischen dem ersten und zweiten Lockdown.

Neues Konzept für den Winter

Trotzdem habe man sich Gedanken gemacht, wie man im Winter vorgehen will, sagt Fracaro: „Im Sommer stehen den Kletterinnen und Kletterern auch unsere Außenwände zur Verfügung, bei kalten Temperaturen klettert aber so gut wie niemand draußen – mehr Leute wollen in die Halle. Deshalb müssen wir unser Konzept für die Wintermonate ein Stück weit anpassen.“ So soll die Anzahl an Sportlern die gleichzeitig in die Innenräume dürfen, weiter verkleinert werden und auch das Zeitmanagement der Kurs- und Jugendprogramme wolle der Verein optimieren.

Darüber hinaus soll die Maskenpflicht im Kletterzentrum ausgedehnt werden. Nur beim „Kraxeln“ an der Wand muss dann kein Mund-Nasen-Schutz getragen werden, beim Sichern jedoch schon. Letzteres habe sich bereits in den Wochen vor der erneuten Schließung bei den Sportlern eingebürgert, sagt der 33-Jährige: „Unsere Besucher haben ein gewisses Verantwortungsgefühl und haben das von sich aus gemacht.“

DAV hofft auf die Weihnachtszeit

Ob das DAV-Kletterzentrum in diesem Winter überhaupt noch die Pforten öffnen kann, steht nicht fest. Fracaro hofft jedoch, dass „ab der Weihnachtszeit wieder geregeltes Klettern, wie im Sommer möglich ist.“ Gleichzeitig mahnt er aber auch zur Vorsicht im Hinblick auf die Pandemie: „Meiner Meinung nach ist es mit den vier Wochen Lockdown nicht getan. Wir müssen versuchen, die Kontaktmöglichkeiten zu reduzieren. Falls nötig mit einem Betrieb auf Sparflamme.“

Die zukünftige Nachfrage beim Klettern sieht der hauptamtliche Geschäftsführer durch die erneute Schließung dennoch nicht gefährdet: „Es gibt Alternativen, wie private Boulder-Räume oder auch Felsen, an denen im Winter geklettert werden kann. Zudem haben wir in Sonthofen sehr viele Stammkunden, die auch nach ein paar Monaten ohne Klettern den Weg zurück zu uns in die Halle finden werden.“