Anonyme Anzeige gegen Allgäuer Bauernhof

Lagen Kühe im eigenen Kot? Das wurde bei der Kontrolle im Oberallgäu festgestellt

Das Oberallgäuer Veterinäramt führt jedes Jahr über 100 Kontrollen bei landwirtschaftlichen Betrieben durch.

Das Oberallgäuer Veterinäramt führt jedes Jahr über 100 Kontrollen bei landwirtschaftlichen Betrieben durch.

Bild: Ralf Lienert (Symbolfoto)

Das Oberallgäuer Veterinäramt führt jedes Jahr über 100 Kontrollen bei landwirtschaftlichen Betrieben durch.

Bild: Ralf Lienert (Symbolfoto)

Die Behörden überprüfen immer wieder Höfe im Allgäu, um das Tierwohl zu überwachen. Die Aktionen finden nicht nur nach Anzeigen statt. Was dabei herauskommt.
19.05.2022 | Stand: 10:07 Uhr

Seit den Skandalen um die Tierhaltung auf Bauernhöfen im Allgäu ist die Öffentlichkeit sensibel für das Thema geworden. Dabei gehen die Veterinärämter allen Hinweisen aus der Bevölkerung oder von Tierärzten nach. Das zeigt auch ein Beispiel aus dem südlichen Oberallgäu. Dort beobachtete ein Bürger Kühe, die auf dem Misthaufen lagerten und nahm an, dass das Tierwohl der Rinder gefährdet sei. Die unangemeldete Kontrolle durch das Veterinäramt ergab jedoch, dass „die vorgefundenen Mängel nicht als gravierend einzustufen sind“, wie das Landratsamt mitteilt.

In der Anzeige, die beim Veterinäramt einging, wurde auf mehrere „Missstände“ in dem Betrieb hingewiesen: zum einen, dass die Kühe auf dem Misthaufen, also auf ihrem eigenen Kot, gelegen seien. Außerdem hätten die Tiere keinen Zugang zu Wasser und Futter gehabt.

Die unangemeldete Überprüfung ergab allerdings ein etwas anderes Bild. So hatten die Rinder zum Zeitpunkt der Kontrolle durchaus „Zugang zum Stall und damit zu Futter und Wasser, im Auslaufbereich befand sich ebenfalls eine Tränke“. Auch der „Pflege- und Ernährungszustand aller Rinder war nicht zu beanstanden“. Anzeichen für Erkrankungen hätten die Tiere ebenfalls nicht gehabt. Festgestellt wurden folgende Mängel: ein verschmutzter Auslaufbereich, ein schadhafter Stallboden an zwei begrenzten Stellen und „eine fehlende Abgrenzung zur Lagerstätte von tierischen Ausscheidungen“ (also dem Misthaufen). Das Veterinäramt ordnete danach an, dass die Mängel bis zu jeweils festen Fristen zu beseitigen sind. Was zum Teil auch schon erfolgt sei, heißt es von der Behörde.

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Oberallgäuer Bauernhof: Rinder auf Misthaufen

Zwar merkten die Veterinäre an, dass ein direkter Kontakt der Rinder zum Misthaufen durch eine Abtrennung vom eigentlichen Lagerplatz vermieden werden sollte, damit sich keine Krankheitserreger übertragen könnten. Allerdings könne „ein Kontakt der Rinder zu ihren Ausscheidungen bei den üblichen Haltungssystemen nie zu 100 Prozent vermieden werden“.

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Kontrollen

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Wie das Oberallgäuer Landratsamt auf Anfrage unserer Redaktion mitteilt, gingen 37 solcher Anzeigen 2021 bei der Kreisbehörde ein. Die Zahl sei seit Jahren etwa gleich hoch. Die Hinweise kämen von Bürgern, Tierärzten, Tierschutzorganisationen oder dem Milchprüfring Bayern, „der die Betriebe regelmäßig auf die Einhaltung der Milchhygiene kontrolliert und dabei auch den Verdacht auf Tierschutzverstöße erfasst“.

Landratsamt Oberallgäu: Verstöße bei 83 Prozent der Kontrollen

Neben den Überprüfungen nach Anzeigen gibt es laut der Pressestelle des Landratsamts sogenannte Cross Compliance-Kontrollen, bei denen neben dem Tierwohl auch der Umweltschutz oder der Zustand der landwirtschaftlichen Flächen kontrolliert werden. Insgesamt seien vergangenes Jahr 107 Tierschutzkontrollen durchgeführt worden.

Das Ergebnis: Bei rund 83 Prozent sei ein Verstoß erfasst worden. Bei etwa der Hälfte der Verstöße handle es sich „um geringgradige Mängel, durch die den Tieren keine unmittelbaren Schmerzen und Leiden entstehen“. Die Mängel müsse der Landwirt in einer bestimmten Zeit beheben. Bei der anderen Hälfte der Verstöße werden gravierendere Maßnahmen wie Bußgeldverfahren, Strafverfahren „und in seltenen Einzelfällen und bei dauerhafter Uneinsichtigkeit des Tierhalters auch Tierwegnahmen verfügt“.

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