Initiative

Der Demokrat Fidel Schlund verbindet Immenstadt mit den USA

Immenstadts Stadtarchivar Gerhard Klein (links) hielt einen Vortrag über den großen Demokraten Fidel Schlund vor dem „Vize-Team“ der Grünen: (von links) Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth, Landtags-Vizepräsident Thomas Gehring und Bezirkstags-Vizepräsidentin Barbara Holzmann.

Immenstadts Stadtarchivar Gerhard Klein (links) hielt einen Vortrag über den großen Demokraten Fidel Schlund vor dem „Vize-Team“ der Grünen: (von links) Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth, Landtags-Vizepräsident Thomas Gehring und Bezirkstags-Vizepräsidentin Barbara Holzmann.

Bild: Franz Summerer

Immenstadts Stadtarchivar Gerhard Klein (links) hielt einen Vortrag über den großen Demokraten Fidel Schlund vor dem „Vize-Team“ der Grünen: (von links) Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth, Landtags-Vizepräsident Thomas Gehring und Bezirkstags-Vizepräsidentin Barbara Holzmann.

Bild: Franz Summerer

Archivar Klein unterstreicht die Bedeutung des berühmten Freiheitskämpfers für  Immenstadt. Wird die Stadt mit Schlund ein "Ort der Demokratie" in Bayern?
Immenstadts Stadtarchivar Gerhard Klein (links) hielt einen Vortrag über den großen Demokraten Fidel Schlund vor dem „Vize-Team“ der Grünen: (von links) Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth, Landtags-Vizepräsident Thomas Gehring und Bezirkstags-Vizepräsidentin Barbara Holzmann.
Von Franz Summerer
27.09.2020 | Stand: 20:45 Uhr

Er gehörte zu den treibenden Kräften der Demokratiebewegung in Bayern, arbeitete mit dem US-Präsidenten Abraham Lincoln zusammen und wird in den Vereinigten Staaten wegen seines sozialen Engagements verehrt – nur in seiner Heimatstadt wird er bisher nur wenig gewürdigt: Fidel Schlund ist nach Ansicht von Stadtarchivar Gerhard Klein Immenstadts berühmtester Sohn. Doch die Stadt tut sich schwer mit dem großen Demokraten. Jetzt wollen die Grünen dabei helfen, das zu ändern.

„Geschichte und heutige Wirklichkeit der parlamentarischen Demokratie“ war das Thema im Immenstädter Büro der Grünen. Dort hatten sich – unter anderem – grüne Vize-Führungskräfte aller politischer Ebenen Deutschlands versammelt: Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth, Landtags-Vizepräsident Thomas Gehring, Bezirkstags-Vizepräsidentin Barbara Holzmann und für Immenstadt Vize-Bürgermeisterin Rosi Oppold. Sie waren sich am Ende einig: Es muss etwas getan werden, um Schlund aus der Vergessenheit zu holen und ihn gemäß seiner Bedeutung zu würdigen.

Archivar Klein, der gerade ein Buch über Fidel Schlund (1805 bis 1882) schreibt, schilderte das Leben des Kaufmanns. Dabei kam auf, dass Schlund an mehreren Stellen Immenstadts Spuren hinterlassen hatte. Geboren in der Sonthofer Straße 12 betrieb er in den Häusern Marienplatz 18 (Eisenwaren) und 13 (Warenhaus) seine Handelsgeschäfte. Auch in der Alpwirtschaft war er überaus erfolgreich, wobei er mit Carl Hirnbein zusammenarbeitete und mehrere Alpen im Gunzesrieder Tal sein Eigentum waren.

Vorträge vor 10.000 Zuhörern

Erst als Immenstädter Stadtrat und dann als Abgeordneter im bayerischen Landtag setzte er sich für die Bauern und soziale Gerechtigkeit ein. In den Revolutionsjahren 1848/49 wendete er sich von der Monarchie ab und war im Allgäu Gründer der „Märzvereine“, die sich in Immenstadt im Hotel „Lamm“ trafen. So wurde er im Allgäu zu den treibenden Figuren, die die Demokratie in Bayern einführen wollten. Wenn er seine Reden hielt, sprach er vor 10 000 (Kempten) oder 6000 (Lindau) Zuhörern, die in begeistert feierten.

Die Folge: Er wurde verhaftet, inhaftiert, nach seiner Freilassung bespitzelt und mit seiner Familie Repressionen ausgesetzt. Schließlich emigrierte er in die USA, wo er sich unter anderem in Newark (US-Bundesstaat New Jersey) niederließ.

Roth für Partnerschaft mit Newark

„Immenstadt sollte eine Partnerschaft mit Newark eingehen“, schlug dazu Claudia Roth vor. Außerdem will sie sich dafür einsetzen, dass er in Berlin auf dem „Platz des 18. März“, der an die Märzrevolution 1848 erinnert, verewigt wird. Thomas Gehring sieht eine Chance, Schlund bei der neuen Initiative des Landtags „Orte der Demokratie“ zu würdigen. Und die örtlichen Grünen wollen sich dafür engagieren, dass 2022 der Landwehrplatz in Immenstadt auch tatsächlich in Fidel-Schlund-Platz umgewandelt wird.

Wobei sich alle Anwesenden einig waren, dass sich Immenstadt mit dem Freiheitskämpfer Schlund schon immer schwer tat: Als beispielsweise die Sonthofer dem Immenstädter Heimatverein anboten, ihnen einen der Originaldrucke von Schlund am Schreibtisch zu überlassen, hieß es aus der Residenzstadt: „Mit dem Roten wollen wir nichts zu tun haben.“Dabei seien die „Linken“ von damals nur Demokraten gewesen, sagt Archivar Klein.