Erinnerung an Heinz Erhardt

Der Erfinder des „Nichtsdestotrotz“

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Walter Renneisen trägt Texte von Heinz Erhardt vor, Chie Ishii spielt zwischendrin Kompositionen von Heinz Erhardt.

Bild: Walter Renneisen-Gastspiele

Walter Renneisen trägt Texte von Heinz Erhardt vor, Chie Ishii spielt zwischendrin Kompositionen von Heinz Erhardt.

Bild: Walter Renneisen-Gastspiele

Ein Abend mit Text und Musik von Heinz Erhardt ist am 9. Dezember in Sonthofen zu erleben. Walter Renneisen trägt Texte des 1979 verstorbenen Humoristen vor.
04.12.2021 | Stand: 18:30 Uhr

„Was wär’ ein Apfel ohne -sine, was wären Häute ohne Schleim?“ Diese Sprachspielerei stammt von Heinz Erhardt, ebenso wie der schöne Satz „Manche Menschen wollen immer nur glänzen, obwohl sie keinen Schimmer haben.“ Erhardt, 1979 in Hamburg gestorben, gilt manchen als der größte Humorist Deutschlands. Er war aber nicht nur ein Sprachakrobat und Kabarettist, sondern auch Komponist. Am Donnerstag, 9. Dezember, wird der Schauspieler Walter Renneisen im Sonthofer Haus Oberallgäu Texte von ihm vortragen. Die Pianistin Chie Ishii spielt einige seiner Kompositionen. Veranstalter ist die Kulturgemeinschaft Oberallgäu. Mit Walter Renneisen sprach Veronika Krull.

Wie kamen Sie das erste Mal in Kontakt mit Heinz Erhardt? Haben Sie ihn noch live erlebt?

  • Walter Renneisen: Ich habe Heinz Erhardt nicht mehr live erlebt. Aber ich habe einen Schauspieler kennen gelernt, der mit Heinz Erhardt als Stichwortgeber unterwegs war. Die Pointen hat aber immer Erhardt gesetzt. Wenn der Schauspieler es aber mal geschafft hatte, auch eine Pointe zu finden, dann hat es Erhardt am nächsten Abend gebracht. Er war ein sehr umgänglicher Mensch. Eine Bekannte hatte mal eine Veranstaltung von ihm besucht und ist in der Pause gegangen. Sie hat ihm dann geschrieben, sie habe so lachen müssen, dass sie gegangen sei. Und er solle ihr sagen, wann die nächste Vorstellung stattfindet. Ich habe ihn das erste Mal im Rundfunk gehört, als ich als junger Schauspieler klassische Rollen gespielt habe. Heinz Erhardt war ja ein Sprachkomiker, wahnsinnig schnell. Ich musste zwar sehr lachen, aber ich dachte, nein, das ist nicht so die Richtung, die ich einschlagen möchte.

Was gefällt Ihnen an seinen Texten: der Wortwitz, die Hintergründigkeit?

  • Renneisen: Ganz verschiedene Dinge. Es gibt Dinge, die flach sind, aber auch Dinge mit Tiefgang. Und er war ein Sprachkünstler. So hat er zum Beispiel den Maulwurf als Mundschmiss bezeichnet - er hat über die Sprache nachgedacht. Das hat mich dazu gebracht, auch über unsere wunderbare deutsche Sprache nachzudenken. Heinz Erhardt hat auch das Wort „nichtsdestotrotz“ erfunden – als Mischung aus nichtsdestoweniger und trotzdem. Die Leute haben damals gelacht, heute gehört das Wort zum Sprachgebrauch. Da sagt sogar ein Fußballer im Interview: Nichtsdestotrotz haben wir das Spiel verloren. Man kann übrigens manche Sachen nicht mehr bringen, so zum Beispiel die Verballhornung von klassischen Gedichten, weil man sie nicht mehr kennt, wie etwa die Ballade „Der Taucher“ von Schiller. Da heißt es zu Beginn: „Wer wagt es, Rittersmann oder Knapp, zu tauchen in diesen Schlund?“ Heinz Erhardt hat daraus gemacht: „Wer wagt es, Knappersmann oder Ritt, zu schlunden in diesen Tauch?“
So schaute Heinz Erhardt, der beliebte Wortverdreher, aus.
So schaute Heinz Erhardt, der beliebte Wortverdreher, aus.
Bild: NDR/ H. Klemmer

Nach welchen Gesichtspunkten haben Sie Ihre Auswahl getroffen?

  • Renneisen: Ich habe die Auswahl nach dem Gesichtspunkt getroffen, dass die Leute lachen können. Das sind Gedichte, aber auch Sprüche. Die Lyrik ist eine Kunstform, die mir besonders gefällt, und Erhardt ist da ein ganz sicherer Reimer. Er schafft es, wunderbar die Pointe zu setzen. Man könnte ihn gut nachahmen, aber das ist nicht meine Absicht. Ich trage das auf meine Weise vor.

Welcher Art sind die Kompositionen von Heinz Erhardt?

  • Renneisen: Klassisch. Etwas anderes kann man gar nicht sagen. Und sie sind sehr schwer, technisch gesehen. Die Pianistin Chie Ishii, die diesen Abend am Klavier gestaltet, hat einmal gesagt: „Heinz Erhardts Klavierkompositionen sind seine Gedichte ohne Worte. Seine Musik ist stilistisch der Romantik zuzuordnen. Erhardts Kompositionen beschreiben ein Ereignis, ein Gefühl oder erzählen eine Geschichte, mal poetisch, mal komisch und dann wieder hochdramatisch.“

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Können Sie uns kurz die Pianistin vorstellen?

  • Renneisen: Chie Ishii ist eine japanische Konzertpianistin, die eigentlich dieses Programm schon durchgeführt hat. Sie ist eingesprungen für Ekaterina Kitáeva, die sich die Hand gebrochen hat. Die Noten von Erhardts Kompositionen wurden erst nach dem Tod von Heinz Erhardt von seinem Sohn Gero in einem Schuhkarton auf dem Dachboden gefunden. Chie Ishii war die erste, die diese Kompositionen gespielt hat und dazu auch seine Gedichte vorgetragen hat. Schon damals stand ich mit ihr in Kontakt, und jetzt ist es das erste Mal, dass wir gemeinsam auftreten.
  • Bei der Veranstaltung in Sonthofen im Haus Oberallgäu am 9. Dezember gilt die 2G-Plus-Regel. Alle Besucher, also auch die Abonnenten, müssen sich anmelden unter karten100@web.de oder 08323/9892691.
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