Leidenschaft

Der "Herr der Steine" lebt in Oberjoch

Konrad Ardovara

Im Stein-Garten: Konrad Ardovara neben einem übermannshohen Brocken an seinem Haus in Oberjoch.

Bild: Markus Noichl

Im Stein-Garten: Konrad Ardovara neben einem übermannshohen Brocken an seinem Haus in Oberjoch.

Bild: Markus Noichl

Konrad Ardovara sammelt große und kleine Brocken. Um sein Haus finden sie sich in den unterschiedlichen Farben und Formen.
01.12.2021 | Stand: 17:28 Uhr

Steinreich – diese Bezeichnung passt auf Konrad Ardovara. Um sein Haus in Oberjoch wimmeln Steine in den unterschiedlichsten Farben und Formen. Von kopfgroß bis zu übermannshohen Hinkelsteinen, vom grünen Granit des Nordkaps bis zu heimischen Kalk-Kuriositäten. Ardovaras Garten beherbergt Hunderte solcher Brocken.

Aber wie kommen sie aus ganz Europa ins Oberallgäu, auf rund 1000 Meter Höhe? Sie sind ein Nebeneffekt seines Berufs. „Internationale Schüttgut-Transporte“ steht auf der Visitenkarte. Ardovara ist darauf spezialisiert, edles Gestein sicher und unbeschädigt vom Steinbruch zum Abnehmer zu bringen. Daraus werden Tischplatten, Grabsteine, Bäder, Kunstwerke. Manchmal kann Ardovara nicht widerstehen und behält schöne Stücke. Als Demonstrationsobjekt für Kunden, die dann nicht quer durch Europa fahren müssen, um das avisierte Gestein im Original zu sehen. Aber auch für sich selbst, „weil i uifach a Froid ho a deana Trimmr“.

Wenn man etwa Marmor näher kennenlernen möchte, gibt es dort viel zu entdecken. Nicht nur den berühmten weißen aus Carrara, sondern auch Unterarten wie den Raurieser Marmor aus den Hohen Tauern, kristallen und widerstandsfähig, oder den Sölker Marmor aus der Steiermark beim Dachstein – weiß, aber durchzogen von Adern in verschiedensten Farben und Zeichnungen. Deshalb nannten ihn schon die Griechen den „Stein der Götter“.

Marmor, Gneis, Granit oder Kalkstein

Noch farbenfroher ist jener Marmor, der in Ybbs an der Donau gewonnen wird. Vor Wien bis in die Tschechei ziehe sich dort eine einzigartige Gesteinsader, erzählt Ardovara. Es blieb nicht aus, dass er sich mit der Zeit ein geologisches Fachwissen aneignete. Ob Gneis vom Stilfser Joch oder grünschwarzer Serpentin aus Samnaun in Graubünden, ob rundgeschliffene Granitovale von der Ostsee oder Travertin, der am Mittelmeer als ausgespülter Kalkstein vorkommt: Lange kann man entdecken und studieren in dieser überdimensionalen Schatzkiste des Stein-Gartens.

Wichtig ist Ardovara auch das Gestein von hier. „Dea isch vum Iselar rakumme“, deutet er auf einen bizarr geformten Brocken. Andere, ähnlich zerklüftet, nennt er „Viehweidstui“. Jahrhunderte nicht beachtet, bis jemand das Auge hatte und diese Schönheiten vor der Haustüre entdeckte. Überraschend, was auch der Allgäuer Boden an Vielfalt freigibt. Kein Kalk, sondern rau wie Sandstein ist eine ausgebuchtete Natur-Skulptur, die bei Bihlerdorf (Blaichach) aus dem Boden kam.

Schwerstarbeit und Fingerspitzengefühl

Lesen Sie auch
##alternative##
Glaube

So war das Leben Jesu: Passionskrippe zeigt 18 Szenen

Die Brocken im Garten ansprechend zu platzieren, war Schwerarbeit. Es verlangt viel Fingerspitzengefühl, die schweren Brocken mit dem Radlader auf den Lkw hinauf und dann auch wieder hinunter zu hieven. Was habe er sich schon grün und blau geärgert, „wenn zmol ebbas broche isch“. Von 50 bis 1500 Euro pro Tonne reicht der Preis des Materials. Natürlich freut sich Ardovara, wenn ihm ab und zu Stücke begegnen, die er transportiert hat: vom Oberstdorfer Kurpark über den Brunnen im Sonthofer Spitalhof bis zum Geo-Pfad entlang der Partnach in Garmisch.

Der Stein lebt. Eidechsen, Igel und allerhand Getier findet sich dort. Begeistert erzählt der 56-Jährige von der Kreuzotter, die sich immer wieder auf eine bestimmte Platte in seinem Garten in die Sonne lege. Und woher kommt sein klangvoller Nachname? Das sei Ladinisch (Dialekt in Oberitalien), erklärt Ardovara. Der Opa sei von dort ins Allgäu gekommen.

Lesen Sie dazu auch:

Wie Oberallgäuer Gemeinden gegen Schottergärten vorgehen

Von der Kraft des Stehenden

Für nur 0,99 € einen Monat alle exklusiven AZ Plus-Artikel auf allgaeuer-zeitung.de lesen
Jetzt testen
Ausblenden | Ich habe bereits ein Abo.