Jazz im Oberallgäu

Der Hot Club du Nax erhebt im Oberallgäu Jazz-Klassiker in eine eigene Klasse

Hot Club du Nax

Virtuoses Kollektiv: Der „Hot Club du Nax“ bereichert den Gypsy Jazz mit Gesang, technischer Perfektion und romantischer Leidenschaft.

Bild: Christoph Pfister

Virtuoses Kollektiv: Der „Hot Club du Nax“ bereichert den Gypsy Jazz mit Gesang, technischer Perfektion und romantischer Leidenschaft.

Bild: Christoph Pfister

Der „Hot Club du Nax“ bereichert beim Kultursalon in Oberstaufen und Bad Hindelang einen europäisch geprägten Jazz-Stil mit neuen Ideen. Wie das gelingt.
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Von Christoph Pfister
18.09.2021 | Stand: 11:30 Uhr

Wenn das kein Glück im Unglück ist. Starke Verbrennungen an seiner linken Hand akzeptierte Django Reinhardt nicht als Ende seiner Musikerlaufbahn. Er spielte auf der Gitarre die Melodie ausschließlich mit Zeige- und Mittelfinger. So virtuos und treibend, dass prominente Kollegen den in Belgien geborenen Sinti 1934 in den legendären Hot Club de France engagierten, die erste, ausschließlich mit Saiteninstrumenten besetzte Jazzcombo. Reinhardt wird zum Mitbegründer des europäischen Jazz, prägt den Gypsy-Swing.

Der fasziniert auch den Gitarristen Lukas Bamesreiter. Die Innsbrucker Bar Nax, wo er regelmäßig auftritt, wird zur Startrampe für seinen Hot Club du Nax. Das Quintett schöpft viel Inspiration aus dem berühmten Vorbild, hat aber längst eigene Ideen entwickelt, wie ein Auftritt beim Kultursalon in der Nagelfluhlounge des Oberstaufner Kurhauses verdeutlicht.

Die technische Perfektion

Die Reduktion auf nur eine Rhythmusgitarre bremst den Drive des Originals, die technische Perfektion ausgebildeter Musiker, anstelle ungestümer Roma-Musikanten, glättet. Dafür glänzt der Hot Club du Nax mit einer beglückenden Erweiterung seines Klangspektrums durch Antonia Dering. Die Idealbesetzung für Jazzgesang pulst die Emotion der Songs, legt eine kräftige Schicht Farbe auf, dann einen hauchfeinen Schleier.

Eine charakterstarke Stimme

Makellos ist ihre Intonation, anheimelnd und gleichwohl stark sind ihre Tiefen. Antonia Dering improvisiert einer Koloratur gleich, akzentuiert effektvoll mit Scatgesang, erhebt Standards wie „You can’t give me anything but love“, den „Swing 39“ oder den bekannten „Minor Swing“ aus Reinhardts Feder in eine eigene Klasse. Eine junge und doch reife Stimme, persönlich, charakterstark und nicht einmal aufgesetzt oder imitierend, wenn sie einen Titel von Hildegard Knef anstimmt. Intime Barmusik, zeitlos gültiger Jazz in seinen Stilfacetten, Antonia Dering beeindruckt, begeistert.

Die innere Kraft

Das gilt nicht weniger für Tomas Novak an der glutvollen Violine, Arian Kindl und Lukas Bamesreiter an den rhythmisch wie melodisch swingenden, mit Verve gezupften Gitarren – und Dario Michele Gurrado am konturgebenden, kreativ rundenden Kontrabass. Ein tadelloses Kollektiv, das den europäisch geprägten Jazz und die von ihm geprägte Unterhaltungsmusik mit mehr innerer Kraft denn Außenwirkung aufblühen lässt.

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(Dieses Konzert war auch beim Kultursalon im Bad Hindelanger Hotel Prinz-Luitpold-Bad zu erleben.)

Was der Kultursalon in Oberstaufen und Bad Hindelang demnächst bietet.

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