Kunst aus dem Ostrachtal

Der Lockdown war für den Allgäuer Maler Kilian Lipp eine harte Zeit

Kilian Lipp

„Die Kunst birgt immer ein gewisses Risiko“: Maler Kilian Lipp in seinem Atelier im „Kunsthaus Lipp“ am Gailenberg hoch über dem Ostrachtal.

Bild: Günter Jansen

„Die Kunst birgt immer ein gewisses Risiko“: Maler Kilian Lipp in seinem Atelier im „Kunsthaus Lipp“ am Gailenberg hoch über dem Ostrachtal.

Bild: Günter Jansen

Der Hindelanger Maler Kilian Lipp freut sich, wieder sein Kunsthaus in Gailenberg öffen zu können. Was der Künstler im Lockdown vermisst hat und was er plant.
02.07.2021 | Stand: 17:00 Uhr

„Das Leben beginnt wieder ein bisschen an Normalität zu gewinnen“, stellt Kilian Lipp glücklich fest. Denn nun dürfen seine Frau und er im Kunsthaus am Gailenberg nach langer Zeit endlich wieder Besucher empfangen. Für den Maler sind die Besucher ein entscheidender Dreh- und Angelpunkt, da sie ihm die so wichtige Resonanz auf seine Werke geben. „Ohne Besucher arbeitet man immer ins Leere“, erklärt der 67-Jährige.

Schwere schleicht sich ein

Während des Lockdowns hat Kilian Lipp, wie er sagt, unter „der starken Isolation, den gravierenden Einschnitten in die Freiheit und in die Möglichkeiten zu leben“ gelitten und die Unbeschwertheit, Unbefangenheit und das Urvertrauen vermisst. Als Künstler sei „die Lebendigkeit“ für ihn die Wurzel der Inspiration. Auf diese „Lebendigkeit“ verzichten zu müssen, „hat mich ziemlich gelähmt“, räumt er ein. Weiter gearbeitet hat der Maler zwar trotzdem, „aber, wenn das Leben stillgelegt ist und man so viel von Krankheit und Tod hört, schleicht sich eine Schwere ein“, beschreibt er. Im vergangenen Sommer war diese Schwere zwar unterbrochen, aber gerade der vergangene Winter war für Kilian Lipp „eine harte Zeit“. Klagen möchte der Bad Hindelanger Maler jedoch nicht. Alles in allem sieht er sich dank seines Ateliers und der umliegenden inspirierenden Natur sogar in einer „privilegierten Situation“.

Großer Kundenstamm

Zwei weitere Tatsachen sind in seinen Augen eine glückliche Fügung: Zum einen sei die Nachfrage nach seinen Werken vor der Corona-Pandemie recht groß gewesen, sodass er auf ein gewisses Polster zurückgreifen könne. Zum anderen verfüge er mittlerweile über einen großen Kundenstamm, unter dem sich auch viele Sammler befinden. Daher habe er auch während des Lockdowns über seinen Onlineshop einige Werke verkaufen können. „Zum Überleben ging’s, aber mit der Zeit wird’s eng“, sagt er und freut sich umso mehr, dass es wieder bergauf geht.

Kunstkalender im September

Was die Zukunft angeht, zeigt sich Kilian Lipp, der bereits gegen Corona geimpft ist, im Vertrauen auf Impfungen und eine gewisse Vorsicht optimistisch. Aus diesem Grund ist er auch ein finanzielles Risiko für die Produktion eines Kunstkalenders eingegangen, der im September erscheinen soll. Die überwiegende Anzahl der darin enthaltenen Werke sind während der Corona-Pandemie entstanden. „Die Kunst birgt immer ein gewisses Risiko, aber wir müssen angreifen, und es macht auch Spaß“, sagt Lipp.

Ausstellung vin Würzburg erschoben

Ausstellungstechnisch hänge er – abgesehen von seinem eigenen Kunsthaus – noch ein wenig in der Luft, weil die Galerien in der momentanen Situation nur schwer planen können. Eine für den vergangenen Herbst geplante Ausstellung in einer Würzburger Galerie wurde beispielsweise auf unbestimmte Zeit verschoben. Insgesamt ist Lipp zuversichtlich, dass sich die Menschen wieder „hochrappeln und kreativ werden“. Die entscheidende Frage dabei sei nur, wie lange dies dauern werde, und ob es wieder so werde wie vor der Pandemie.

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Kunsthaus Lipp, Bad Hindelang, Gailenberg 13, geöffnet mittwochs bis samstags von 14 bis 17 Uhr.

Kilian Lipp im Internet:

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