Heimatforscher

Detlef Willand deckt die Geschichte der Hirschegger Haldenhöhe auf

Detlef Willand ist in seinem Buch „Ds Huus“ der Geschichte seines 400 Jahre alten Elternhauses in Hirschegg auf der Spur: Frühere Besitzer waren unter anderem Theresia Hammerer und ihr Mann Ludwig Keßler, der aus Riezlern stammt.

Detlef Willand ist in seinem Buch „Ds Huus“ der Geschichte seines 400 Jahre alten Elternhauses in Hirschegg auf der Spur: Frühere Besitzer waren unter anderem Theresia Hammerer und ihr Mann Ludwig Keßler, der aus Riezlern stammt.

Bild: Stefan Heim/ Walsermuseum

Detlef Willand ist in seinem Buch „Ds Huus“ der Geschichte seines 400 Jahre alten Elternhauses in Hirschegg auf der Spur: Frühere Besitzer waren unter anderem Theresia Hammerer und ihr Mann Ludwig Keßler, der aus Riezlern stammt.

Bild: Stefan Heim/ Walsermuseum

Der Hirschegger Heimatforscher Detlef Willand lässt die wechselnden Besitzer seines 400 Jahre alten Elternhauses erzählen. Welche Schicksale das Buch in einer Mischung aus Roman und Chronik beleuchtet.
30.01.2021 | Stand: 14:00 Uhr

„Aber das Jahr 1656, ich werde dies Jahr sicher mein Lebtag nicht vergessen“, beginnt Christian Riezler seine Erzählung über seine Arbeit als Feldscher während des Kriegs der Republik Venedig gegen die Türken. Riezler kehrt später ins Kleinwalsertal zurück und erwirbt sich dort Verdienste als Scherer, als eine Art Wundarzt. „Er gilt als der erste Arzt im Tal“, sagt Detlef Willand. Er weiß das deshalb so genau, weil er sich mit der Geschichte seines Elternhauses – der „Haldenhöhe“ – und deren Bewohnern beschäftigt hat. Das Haus wurde 1584 errichtet, der Bauherr ist unbekannt. Riezler lebte dort von 1639 bis zu seinem Tod im Jahr 1727.

Fast lückenlos kann der Holzschneider und Heimatforscher Willand (85) die Abfolge der jeweiligen Hausbesitzer aufzählen. Ihre Biografien stellt er in seinem jüngsten Buch vor, das er schlicht „Ds Huus“ genannt hat. Seine Erkenntnisse bezog er aus alten Chroniken, tatkräftig unterstützt von Stefan Heim, Leiter des Walser Heimatmuseums. Wenn die Quellen nicht so ergiebig waren, hat Willand die Lebensläufe „romanhaft“ ergänzt. Dabei hatte er eine Maxime: „Alles, was ich dort beschreibe, muss möglich sein.“ Wenn ihm Ereignisse unwahrscheinlich erschienen, „habe ich sie weggelassen.“

Willand ist der Erzähler, auch wenn die Bewohner in den „Geschichten vom runden Tisch“ zu Wort kommen. So lässt er Christian von seinen Kriegserlebnissen berichten und greift dann von außen in die Schilderungen ein: „Ich muss hier mal kurz die Erinnerungen Christians unterbrechen ...“ Es ist eben eine „Mischung aus Roman und einigermaßen verlässlicher Chronik“, beschreibt der Autor die eigenwillige Gestaltung. „Welche Bezeichnung so ein Gewächs in der Literatur hat, wer weiß? – Ich nicht.“

Fasziniert ist Willand von den Spuren, die von den Bewohnern hinterlassen wurden. Wie zum Beispiel das alte Holzschloss im Keller. „Da greift man automatisch hin, es ist ganz poliert von den unzähligen Händen, die es vieltausendmal berührt haben.“ Oder von der „schönen Wanduhr“ aus dem Jahre 1801, die von dem „bekannten Uhrmacher Zöbele aus Tannheim“ gefertigt wurde. Sie war ein Geschenk für den Hausbesitzer Joseph Fritz, wohl für seine Tätigkeit als vereidigter „Schätzer“. 1795 sollten alle Häuser, Wiesen und Wälder für den Steuerkataster in Bregenz eingeschätzt werden. Selbst bei dem großen Umbau in den Jahren 1870/71, bei dem ein neuer Dachstuhl errichtet und größere Fenster eingefügt wurden, behielt die Uhr ihren Platz. „Sie wurde ganz interessant ins Täfer eingeschlossen“, sagt Willand. „Sie tickt noch heute in unserer Stube.“

1891 kommt es zu einer Zäsur. Theresia Keßler verlässt aus wirtschaftlichen Gründen mit ihrer Familie das Tal. „Nach einer bis dahin seit 300 Jahren ununterbrochenen Kette ihrer Vorfahren macht Theresia die Haustür hinter sich zu.“ Das Anwesen gehört jetzt Walburga Heim und ihrer Familie. Als sich ihre einzige Tochter Anna in einen Oberbayern verliebt, ziehen beide Frauen nach Bayern. Neue Besitzerin ist nun, im Jahre 1931, die Hamburgerin Elisabeth Nobiling. Sie baut die „Haldenhöhe“ zu einem Kinderheim um. Und wieder wird ein Kapitel geschlossen: „Damit ist die Funktion als Bauernhaus nach 347 Jahren zu Ende gegangen.“

1939 verkauft Nobiling das Haus an Helene Willand, die Mutter des Autors. Sie führt das Kinderheim weiter, Sohn Detlef unterstützt sie, unter anderem als Skilehrer für die Kinder. Das Kinderheim wird 1974 geschlossen, die Auflagen für die Ausstattung wurden zu hoch. Das Haus wird restauriert, die ursprünglichen Decken, Wände und Böden kommen zum Vorschein, „abgetretene Schwellen, ausgetretene Stufen“. Detlef Willand: „Langsam wird mir klar, dass dieses Haus eine Art Wesen ist, und nicht nur eine Ansammlung alter Balken. Der Wunsch herauszufinden, wie es war oder gewesen sein könnte, bringt mich auf die Idee, mich der Seele des Hauses zu nähern.“

Neuerscheinung: Detlef Willand: „Ds Huus. Ein Walserhaus 1584 – 1932“, 258 Seiten, Selbstverlag, Druck: Walserdruck KG. Das Buch erscheint in zwei Ausgaben: Normalausgabe, 29,90 Euro; Vorzugsausgabe mit beigelegtem Originalholzschnitt, 120 Euro. Bestellungen beim Autor unter Telefon 0043/5517/6216 oder willand@aon.at.