Von Malerei bis Fotografie

Die Kunst des magischen Details: Regine Schirmer aus Oberstdorf

Mensch und Tier in Frieden vereint: Ein märchenhaft-poetisches Weihnachtsbild (Ausschnitt) von Regine Schirmer aus Oberstdorf.

Mensch und Tier in Frieden vereint: Ein märchenhaft-poetisches Weihnachtsbild (Ausschnitt) von Regine Schirmer aus Oberstdorf.

Bild: Markus Noichl

Mensch und Tier in Frieden vereint: Ein märchenhaft-poetisches Weihnachtsbild (Ausschnitt) von Regine Schirmer aus Oberstdorf.

Bild: Markus Noichl

Die 84-jährige Regine Schirmer hat sich in ihrem langen Künstlerleben immer wieder neu erfunden. Die Oberstdorferin wurde mit märchenhaft-poetischen Bildern bekannt und erkundete dann andere Pfade.
26.12.2020 | Stand: 11:30 Uhr

Immer wieder neu erfunden hat sich die 84-jährige Regine Schirmer in ihrem langen Künstlerleben. Bekannt wurde sie mit märchenhaft-poetischen Bildern. Später wandte sie sich direkt der Natur zu, fand „sprechende“ Fundstücke aus Schwemmholz in den Bergtälern Oberstdorfs, und machte sich schließlich auch mit der Fotokamera auf die Suche, um Schönheiten und Merkwürdigkeiten in Wald, Feld und Flur einzufangen. Magische Details und Strukturen entdeckt sie aber nicht nur an Steinen und Bäumen, sondern auch auf rostigem Blech und sonstigen Hinterlassenschaften der Zivilisation, die sich die Natur in Zeitlupe wieder zurückerobert.

1961 eingetreten, ist Schirmer das dienstälteste Mitglied im Berufsverband der Bildenden Künstler (BBK) in Schwaben-Süd. Sie kann sich noch gut erinnern, wie beeindruckt sie von der Kraft der Natur war, als sie mit ihren Eltern als 19-Jährige zum ersten Mal in Oberstdorf und im Kleinwalsertal eintraf. „Hier will ich nicht mehr weg“, war ihr Entschluss.

Nach dem Studium an der Kunstakademie Stuttgart ließ sie sich gern von ihrer neuen Heimat inspirieren – zum Malen, aber auch zum Knüpfen von Teppichen mit ihren Bildern. Ob auf der Mittelalpe bei Riezlern oder am Moorweiher bei Oberstdorf: Ihre Wohnungen waren meist mitten in der Natur. Und das sieht man auch den von ihr verewigten Tieren und Pflanzen an. Zwar märchenhaft inspiriert, aber genau beobachtet. Wenn sie von ihren Streifzügen durch die Wildnis erzählt, leuchten ihre Augen bis heute vor Begeisterung. Erst als Rentnerin wurde sie „komfortabel“ und zog nach Oberstdorf.

Fündig wurde sie auch an einem Tisch der Alpe Traufbachtal. Was die Hirten da in 500 Jahren mit ihrem Schnitzmesser hinterlassen hatten, verewigte Schirmer mit Frottage, indem sie die urige Platte mit Wachsstiften abpauste. Bei Wanderungen hätten sich die Ideen stets von selbst ergeben, sagt sie. Etwa mit originellem Schwemmholz, das sie zu Skulpturen ordnete und formte. „Ich hab nie gesucht. Die zueinander passenden Stücke lagen mir plötzlich vor den Füßen.“ Alles begann mit einem handtellergroßen Stück, aus dem sich ein Ast-Restchen schlängelt. Mit etwas grüner Farbe wurde dieses Reptil hervorgehoben. „Die Wüste lebt“, nannte Schirmer diesen Fund. Auch Baum-Flechten reihte sie zu Bildern, Mandalas der Natur.

Ausgezeichnet mit Kollegenpreis

Ihre letzte, bis heute dauernde Phase, widmete Schirmer der Kamera, lässt die Natur selbst erzählen. Ein ganzes Buch widmete sie einer Holzbeige im Kleinwalsertal. Immer neue Foto-Motive entdeckte sie im Spiel der gestapelten Scheiter. Von ihren zahlreichen Preisen freut sie besonders der Kollegenpreis des BBK, der ihr 2016 zugesprochen wurde. Und eine kleine monatliche Vergütung des Freistaates Bayern, „Ehrensold“ genannt.