Oberallgäuer Rückblick 2021

Die Redaktion blickt zurück: Momente, die das Oberallgäu 2021 bewegt haben

Unwetter in Blaichach und Rettenberg, Nordische Ski-WM in Oberstdorf und berührende Einzelschicksale haben unsere Redaktion im Oberallgäu 2021 bewegt.

Unwetter in Blaichach und Rettenberg, Nordische Ski-WM in Oberstdorf und berührende Einzelschicksale haben unsere Redaktion im Oberallgäu 2021 bewegt.

Bild: Becker, Lienert

Unwetter in Blaichach und Rettenberg, Nordische Ski-WM in Oberstdorf und berührende Einzelschicksale haben unsere Redaktion im Oberallgäu 2021 bewegt.

Bild: Becker, Lienert

Unwetter und berührende Schicksale. 2021 hinterlässt zahlreiche emotionale Erinnerungen. Der persönliche Rückblick unserer Redakteure.
02.01.2022 | Stand: 19:53 Uhr

Michael Mang: Aufbruch mit Lächeln

Optimismus ist wichtig in dieser schwierigen Zeit. Deswegen war es schön, im vergangenen Jahr so etwas wie Aufbruchsstimmung zu erleben: Mit Söllereck- und Nebelhornbahn wurden in Oberstdorf gleich zwei Millionen-Projekte eingeweiht, für ein weiteres – den Bau der Therme – erfolgte der Spatenstich. Statt im Lockdown den Kopf in den Sand zu stecken, haben die Verantwortlichen die Initiative ergriffen und Großes geschaffen.

Ein gutes Beispiel dafür ist auch der neue Gebäudeflügel des Allgäuer Berghofs. Bewegend war auch, wie Organisatoren und Helfer mit Herzblut und einem Lächeln auf den Lippen die Mammutaufgabe Ski-WM stemmten. Diese Beispiele zeigen, dass man mit positiver Einstellung viel bewegen kann, selbst wenn die Welt gerade stillzustehen scheint.

Dominik Riedle: Ungewisse Aussichten

Für Sonthofen endet 2021 mit keinen guten Nachrichten: Nicht nur das Zentrum für Brandschutz der Bundeswehr könnte die Kreisstadt verlassen. Auch die Poststelle am Bahnhof soll 2022 dichtmachen. Vor allem die letzte Nachricht hat für Unruhe gesorgt – und das zurecht: In einer Kreisstadt mit weit über 20.000 Einwohnern kann es nicht akzeptabel sein, nicht einmal mehr eine eigene Post-Filiale zu haben.

Zumindest gab es zu beiden Hiobsbotschaften eine gute Nachricht: Die Bürger wollen das nicht widerstandslos hinnehmen. Doch sie sind auf Unterstützung angewiesen: Bei der Bundeswehr müssen die Bundestagsabgeordneten Druck in Berlin machen – und für die Post-Filiale könnte eventuell der Eigentümer des Bahnhofsgebäudes ein Angebot machen.

Ronald Maior: Die Geste des Jahres

Letzte. Und Vorletzte. Nichts war unwichtiger als dieses Resultat von Milena Bauch und Sarah Hundert beim 38. Allgäu-Triathlon in Immenstadt. Die Zeit, vernachlässigbar. Die Geste, Gänsehaut. Die 26-jährige Bauch aus Sonthofen und die drei Jahre ältere Hundert aus Liechtenstein haben die Sprintdistanz beim „Kult“ am Alpsee Seite an Seite absolviert. Das Unfassbare an diesem 22. August: Hundert sitzt seit 2010 im Rollstuhl, ist ab etwa einer Handfläche über dem Bauchnabel querschnittsgelähmt.

Und so navigierte Bauch ihre Freundin durch den Alpsee, trug sie durch die Wechselzonen, schob sie auf dem Bike teilweise an und überquerte exakt eine Sekunde hinter ihrem Rollstuhl die Ziellinie. Als Letzte des Allgäu-Triathlons – und als größte Heldin 2021.

Bilderstrecke

Feuer, Weltrekorde und Schicksalsschläge: Diese Bilder haben das Oberallgäu bewegt

Silvia Reich-Recla: Eine großherzige Frau

Lesen Sie auch
##alternative##
Hof abgebrannt

Nach Brand fühlt sich Familie aus Unterjoch „zermürbt“

Ein Mensch verliert sein Hab und Gut durch einen Brand, ausgelöst durch einen achtlos weggelegten Leinöllappen nach Holzpolierarbeiten. Der Lappen hat sich entzündet und das Haus in Brand gesteckt. Dumm gelaufen, könne man sagen, wenn es sich um ein Gartenhäuschen handeln würde. Es geht aber um eine Ferienunterkunft, um das Lebenswerk einer Frau und auch um ihren Lebensunterhalt.

Die Rede ist vom Brand der alten Mühle in Wertach, und die Rede ist von einer großherzigen Frau namens Natascha Glasow. Denn der Person, die den Brand verursacht hat, macht sie keine Vorwürfe. Glasow nimmt ihr Schicksal an – ohne Verbitterung. Sie fühlt sich gestützt durch helfende Hände, blickt positiv in die Zukunft. Das wünsche ich uns allen für 2022.

Klaus Schmidt: Ein Plädoyer gegen Gewalt

Mit einem bewegenden Gemeinschaftsprojekt haben Oberstdorfer Gymnasiasten den Blick auf Menschen gelenkt, die von anderen benachteiligt, gedemütigt, misshandelt werden. Die Schüler nutzten dazu Georges Bizets Opernklassiker „Carmen“. Der enthält jede Menge gesellschaftspolitischen Sprengstoff. Den haben die Schüler verdeutlicht, um mit ihrem Projekt „Carmen 2.0“ ein flammendes Plädoyer gegen Rassismus, gegen Diskriminierung von Minderheiten, gegen Gewalt zu halten.

Sie taten es mit viel Idealismus und einer gehörigen Portion Mut, zwar unter Anleitung ihrer Lehrer, aber mit viel Enthusiasmus und Können. Das kam am Ende auch einer Einrichtung zugute, in der von häuslicher Gewalt bedrohte Frauen eine Zuflucht finden.

Franz Summerer: Angenehm und konstruktiv

Ein Personalwechsel sorgt mitunter für große Verbesserungen. Das wissen nicht nur Fußballfans und Aufsichtsräte. Das wissen jetzt auch die Immenstädter. Seitdem im Rathaus Bürgermeister Nico Sentner und viele neue Stadträte das Sagen haben, hat sich viel verbessert.

Jetzt herrscht in den Sitzungen eine angenehme Atmosphäre, und alle Beteiligten sind darauf aus, an konstruktiven Lösungen zu arbeiten. Mit Erfolg: Nach dem ersten Jahr der Findung, kam 2021 richtig Schwung in eine Reihe von Projekten. Entscheidungen, über die der alte Stadtrat jahrelang vehement stritt, werden nun zügig und einmütig gefasst. Und ohne, dass das Thema kurz danach erneut hochkocht. Da geht man auch als Berichterstatter leichten Schrittes in die Sitzungen.

Sibylle Mettler: Erst nur eine Pfütze

Der 26. Juli 2021 hat sich mir ins Gedächtnis gebrannt. Meine Kinder waren zum Schnuppertraining in der Burgberger Turnhalle. Ich saß am Rand, als dort eine kleine Pfütze auftauchte. Binnen Minuten wurde daraus eine riesige Lache. Draußen färbte Regen die Luft dunkelgrau. Wir sahen, wie das Wasser seitlich an der Glastür hochstieg, wateten mit den Kindern durch Pfützen in das Obergeschoß und warteten darauf, dass die Eltern sie abholten.

Manche erzählten, dass an der Illerbrücke kein Durchkommen sei und auf dem Goymooskreisel das Wasser auf der Straße stehe. Auf dem Heimweg sahen wir Menschen, die Wasser wegschoben und Feuerwehrleute, die Keller auspumpten. Wir kamen sicher zu Hause an. Und ich war darüber unendlich froh.

Sophia Ungerland: Ach, das schöne Allgäu

Es ist ein stiller Morgen. Kalte Luft zieht durch meine Kleidung, während mich der Sessellift auf den Mittag bringt. Ein Blick zurück ins Tal: Immenstadt schläft noch unter einer dicken Nebeldecke. Am Horizont geht gerade die Sonne auf. Einige Stunden später und mehrere Kilometer westlich: Das verschwitzte T-Shirt klebt mir auf der Haut und mein Kopf ist vor Anstrengung hochrot angelaufen. Ich kämpfe mich die letzten Meter hinauf zum Hochgrat.

Dann erstreckt sich zu meinen Füßen die weite Hügellandschaft des Allgäus. Hinter mir die Bergkulisse und im Westen ein erster Ausläufer des Bodensees. Außer Atem stehe ich auf dem höchsten Gipfel der Nagelfluhkette und freue mich wie ein Kind. Ach, wie unglaublich schön das Allgäu doch ist!

Sie wollen immer über die neuesten Nachrichten aus dem Oberallgäu informiert sein? Abonnieren Sie hier unseren kostenlosen, täglichen Newsletter "Der Tag im Oberallgäu".