Kunst aus dem Oberallgäu

"Die Südliche" in Oberstdorf erinnert an einen Meister der Hell-Dunkel-Malerei

„Birkenweg“: Ölgemälde von Paul Hans Ohmert. An den einst hoch geschätzten Maler erinnert „Die Südliche“ im Oberstdorfer Kunsthaus Villa Jauss.

„Birkenweg“: Ölgemälde von Paul Hans Ohmert. An den einst hoch geschätzten Maler erinnert „Die Südliche“ im Oberstdorfer Kunsthaus Villa Jauss.

Bild: Klaus Schmidt

„Birkenweg“: Ölgemälde von Paul Hans Ohmert. An den einst hoch geschätzten Maler erinnert „Die Südliche“ im Oberstdorfer Kunsthaus Villa Jauss.

Bild: Klaus Schmidt

Die „Südliche“ erinnert an Paul Ohmert, der die letzten 20 Jahre seines Lebens in Oberstdorf verbrachte. Warum der Liebermann-Schüler so geschätzt wurde.
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Von Gunther le Maire
13.11.2021 | Stand: 17:59 Uhr

An einen Maler, dessen handwerkliche Qualität heute viel zu wenig geschätzt wird, erinnert die „Südliche“: Paul Hans Ohmert (1890 - 1960), der die letzten zwanzig Jahre seines Lebens in Oberstdorf verbrachte.

Paul Hans Ohmert, der „historische Gast“ der Jahresausstellung der bildenden Künstler im Oberstdorfer Kunsthaus Villa Jauss, ist am 28. Oktober 1890 in Zielenzig in der Neumark (heute Polen) geboren. Sein Vater war Webmeister, dann Gutspächter und später „Kommissionär“. Paul Ohmert hatte sechs Geschwister. Die Familie zog 1899 nach Drossen nahe Frankfurt/Oder. Alle Brüder von Paul Ohmert sind in den beiden Weltkriegen gefallen.

Reise in die Alpen

Schon mit 15 Jahren studierte Paul Ohmert an der Berliner Akademie bei dem Impressionisten Hans Looschen. Sein zweiter Lehrer, Karl Hagemeister, ist ein bekannter Impressionist. Mit ihm machte Ohmert eine Reise in die Alpen und malte gut zu verkaufende alpine Motive. Schon als 17-Jähriger hatte er eine Radierung verkauft.

Lehrer Max Liebermann

Der große Max Liebermann, der ihn sehr stark beeinflusste, und ihn 1910 mehrfach zeichnete, war sein dritter Lehrer. Auf Anregung von Liebermann war Ohmert seit 1914 viel in Holland. Möglicherweise lehrte Ohmert an der Academie van beeldende kunsten in Den Haag. 1921 war Ohmert zeitweise als Kunstpädagoge in England. Im gleichen Jahr wurde er – wohl in Holland – zum Professor ernannt. Noch 1939 soll er in den Niederlanden eine Gastprofessur gehabt haben, die er allerdings von Potsdam-Güterfelde aus betrieben hat.

Mit dem Sohn überworfen

1912 heiratete Ohmert Berta Hoffmann in Berlin-Friedenau. Mit dem gemeinsamen, 1914 geborenen Sohn Gerhard überwarf sich später Ohmert wegen dessen Frau. Gerhard Ohmert ist 1942 gefallen. 1915 baute sich Ohmert in Neubabelsberg in der Nähe von Liebermanns Villa ein Haus mit Schilf gedecktem Atelier.

Das umfangreiche frühe Werk

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Paul Ohmerts frühes umfangreiches Werk von 1912 bis 1920 ist von Radierung und Zeichnung bestimmt, danach dominieren die Gemälde. Um 1920 finden sich auch ein paar Plastiken. Bis 1914 malte Ohmert – seinen Lehrern entsprechend – impressionistisch. Der deutsche Impressionismus ist mehr als der französische vom Naturalismus geprägt.

Das Vorbild Caravaggio

In Holland setzte er sich mit der Hell-Dunkel-Malerei der alten Holländer, dem von Michelangelo Merisi Caravaggio (1571 -1610) entwickelten „Chiaroscuro“, auseinander. Ab 1920 setzt sich bei Ohmert diese Hell-Dunkel-Malerei durch.

Inmitten der Großen

Ohmert war Mitglied des großen Potsdamer Kunstvereins, bei dem 1911 Lovis Corinth Vorsitzender wurde. Er hat Ohmert 1921 porträtiert. Beim „Potsdamer Kunstsommer 1921“ stellte Ohmert zusammen mit Karl Hagemeister, Lovis Corinth, Max Liebermann, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff und Ernst Barlach aus.

1920 heiratete Paul Ohmert zum zweiten Mal: Désiree Molière aus Antwerpen. Neben Brandenburger Landschaften waren Paul Ohmerts Motive Porträts und Blumen. Studienreisen führten den Maler nach England, Frankreich, Holland und Russland.

Übersiedlung nach Oberstdorf

Ohmerts Bilder galten im „Dritten Reich“ zwar nicht als entartet, aber sie galten nicht viel. Die Gründe für seine Übersiedelung nach Oberstdorf 1940 sind nicht bekannt. Paul Ohmert baute sich in der Freibergstraße ein Haus, das ein großer Garten umgab. Dort wohnte er bis zu seinem Tode. Zur damaligen Zeit waren im südlichen Oberallgäu ungewöhnlich viele Künstler ansässig.

Ein begeisterter Jäger

In Oberstdorf malte Ohmert Allgäuer Landschaften, Wintermotive, Porträts und Blumen. Da er ein begeisterter Jäger war, entstanden auch Motive wie der röhrende Hirsch. Ohmert malte auch sich selbst mit geschulterter Flinte, Trachtenjacke und verknautschtem Jägerhut samt Gamsbart im Atelier. Im Gasthaus Adler soll er tolles Jägerlatein erzählt haben.

Ein Portrait von Gertrud von le Fort

Im Museum in Oberstdorf ist unter anderem ein Porträt von Gertrud von le Fort, die in der gleichen Straße wohnte. Ohmert hat auch Konrad Adenauer porträtiert, allerdings sicherlich nicht 1960, wie geschrieben steht.

Für die Wittelsbacher hat Ohmert Gemälde restauriert. Von 1946 existiert ein Antrag Ohmerts zu einer Ausreisegenehmigung aus der amerikanischen Besatzungszone nach Schaffhausen, weil dort ein Rembrandt zu restaurieren war.

Vorliebe für originelle Motive

Ohmert liebte originelle Motive: „Gemüsestillleben mit Pilzen und Spargel“, „Stillleben mit Gemüse und einer Käseglocke“ oder „Mit Straßenbahn und Pferdekutsche“ oder „Gänsedieb“.

Seit einem Schlaganfall 1955 war Ohmert teilweise gelähmt. Sein letztes Bild malte er 1958/59. Seltsamerweise ist dieses Bild datiert, was er sonst nicht machte. Am 18. August 1960 ist er verstorben.

Zu niedrige Preise

Paul Ohmert ist heute nicht in Mode und die Preise für seine Bilder sind viel zu niedrig. Objektiv sind seine Gemälde genau so gut wie vor 100 Jahren. Man sieht ihnen an, dass er durch die Schule der besten deutschen Impressionisten – Liebermann, Corinth und Hagemeister – gegangen ist.

Öffnungszeiten der „Südlichen“: bis 17. November, mittwochs bis freitags von 15 bis 18 Uhr, sowie samstags, sonn- und feiertags von 11 bis 18 Uhr. Und vom 16. Dezember bis 9. Januar, donnerstags bis samstags von 14 bis 17 Uhr, sonn- und feiertags von 11 bis 17 Uhr.

Die Südliche 2021.

Das Oberstdorfer Kunsthaus Villa Jauss.

Die Dachorganisation: Kulturgemeinschaft Oberallgäu.

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