Sportserie „Nach-Spiel-Zeit“

Die Schatten des Sports: Wie ein Interview die Karriere von Frank Löffler beendete

Die Momente im Rampenlicht sind Geschichte. 2001 erlebte Frank Löffler seine erfolgreichste Weltcup-Saison. Heute lebt der 40-Jährige in Berlin.

Die Momente im Rampenlicht sind Geschichte. 2001 erlebte Frank Löffler seine erfolgreichste Weltcup-Saison. Heute lebt der 40-Jährige in Berlin.

Bild: Contrast/imago

Die Momente im Rampenlicht sind Geschichte. 2001 erlebte Frank Löffler seine erfolgreichste Weltcup-Saison. Heute lebt der 40-Jährige in Berlin.

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Nach einem provokativen Interview wurde Frank Löffler 2004 vom Verband geschasst. Heute bereut der Ex-Skispringer sein Vorgehen von damals.
23.05.2021 | Stand: 16:45 Uhr

An die deutsche Skisprung-Meisterschaft 2004 in Oberstdorf erinnert sich Frank Löffler gut. Vor allem an seinen letzten Sprung von der Schattenbergschanze, den er bewusst als solchen wahrgenommen hat. „Ich wusste, dass es vorbei ist“, sagt er, als die Ereignisse seines turbulenten Abschieds aus dem Leistungssport wieder präsent werden.

Eine Aufnahme, die ein Fotograf bei diesem letzten Sprung von ihm gemacht hat, zeigt den Skispringer lächelnd. „Ich habe wohl unbewusst gelächelt, obwohl es eigentlich traurig war“, wundert sich der 40-Jährige heute. „Mit 24 sollte man eigentlich nicht aufhören“. Vor allem dann nicht, wenn man wie der Enkel des legendären Sepp Weiler als eines der größten Talente seiner Sportart gehandelt wurde. Ausschlaggebend für das frühe Karriereende von Frank Löffler war keine Verletzung, sondern eine falsche Entscheidung des damals jungen Sportlers.

"Der Sport hatte sich in eine ungesunde Richtung entwickelt"

Getreu dem Rat seines Großvaters, der ihm stets predigte, den Mund aufzumachen, wenn ihm was nicht passt, war Löffler immer „ein Typ, der Dinge anpacken will“. Durch die Presse gingen damals schockierende Bilder von abgemagerten Skispringern, die sich zum Erfolg hungern mussten. „Der Sport hatte sich in eine ungesunde Richtung entwickelt. Es musste etwas passieren“, sagt der Allgäuer, der sich eine Regel des Body-Mass-Indexes, wie sie heute besteht, gewünscht hat. Dieser kam jedoch erst später.

Vom Wunsch getrieben, „dass es aufhöre“, so wenig essen zu dürfen, entschied sich der 24-Jährige in einem Interview spontan für eine ehrliche und provokative Darlegung seiner Sichtweise. Das bereut er inzwischen. Für die Sache einstehen, würde er zwar auch heute, „aber ich würde es anders anpacken. Diplomatischer und nicht mit der Brechstange“, gibt Löffler zu. Es wäre besser gewesen, Verband, Trainer und Kollegen einzubinden, eine Diskussion zu starten oder eine Skispringer-Gewerkschaft zu gründen. All das würde er heute seinem Alleingang von damals vorziehen. „Wenn ich gewusst hätte, wie vielen Menschen aus meinem Umfeld ich schade und wie viele danach wegschauen, hätte ich das nie gesagt“, beteuert der 40-Jährige. „Die Art und Weise tut mir unfassbar leid.“

Die Momente im Rampenlicht sind Geschichte. 2001 erlebte Frank Löffler seine erfolgreichste Weltcup-Saison. Heute lebt der 40-Jährige in Berlin.
Die Momente im Rampenlicht sind Geschichte. 2001 erlebte Frank Löffler seine erfolgreichste Weltcup-Saison. Heute lebt der 40-Jährige in Berlin.
Bild: Löffler Archiv

Für den deutschen Skisprungmeister von 2002 bedeutete das Ereignis, dass er zum „geschassten Skispringer“ wurde, sich aus dem Sport zurückziehen musste und seine Karriere trotz des attestierten Talents schlicht und ergreifend beendet war. Löffler startete zwar noch einen erfolglosen Versuch mit einem Privattrainer und hätte sich Trainingsmöglichkeiten im Ausland suchen können, aber „die Feuerstelle, auf der ich geschmiedet wurde, war erloschen“.

Frank Löffler hat sich nach dem Karriereende neu erfunden

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Um das Skispringen nicht ganz loslassen zu müssen, hat Frank Löffler zunächst versucht, Skisprungkurse für jedermann anzubieten. Diese Idee verwarf er allerdings nach einigen Monaten, machte „einen Cut“ und orientierte sich komplett neu. Löffler zog nach Berlin, wo er zunächst eine Ausbildung im Rettungsdienst machte. Heute ist er Personal Manager für IT-Recruiting und hat in der Hauptstadt schon vielen Start-ups auf die Beine geholfen. Privat half ihm vor allem die Geburt seiner Kinder Jolina (16) und Leandro (15), sich nach dem sportlichen Abschied neu zu finden.

Die Leidenschaft fürs Skispringen ist ihm aber auch nach fast zwei Jahrzehnten nicht abhandengekommen. Nach wie vor verfolgt er die Wettkämpfe, weil Skispringen für ihn „eine der attraktivsten Sportarten ist, die es gibt“. Wenn es damals anders gelaufen wäre, hätte sich Frank Löffler eine Trainertätigkeit nach der aktiven Laufbahn vorstellen können. Auch eine Rückkehr ins Allgäu kann sich der begeisterte Motorradfahrer und Naturliebhaber, der momentan am Prenzlauer Berg wohnt, durchaus vorstellen.

Positive und negative Erinnerungen aus der Profizeit

Beim Rückblick auf seine aktive Zeit bleiben vor allem die Reisen, die ihn in abgelegene Orte führten, in die er sonst nie hingekommen wäre, in Erinnerung. Löffler verbindet mit dem Weltcup-Zirkus sowohl positive als auch negative Erlebnisse. Als fünfter Mann dabei zu sein und anderen beim Gewinnen zuzuschauen, ist für keinen Sportler leicht, gehört aber auch dazu.

„Es sind viele Emotionen, aber genau deshalb macht man den Sport“, sagt der 40-Jährige. Gerne erinnert er sich daran zurück, als er mit dem ehemaligen Frauen-Bundestrainer Daniel Vogel bei den kaiserlichen Skispielen in Japan dabei war und nach dem Sieg auf der Schanze die kaiserliche Familie treffen durfte. Da Vogel und er in Lederhosen zum Dinner kamen, weckten sie das Interesse der Kaiserin und kamen so ins Gespräch. Für Frank Löffler war das „ein wunderschöner Moment, weil er so exotisch war“.