Burgberg

Dieter Fischer hört nach 30 Jahren als Bürgermeister in Burgberg auf

Fischer hoch

36 Jahre war im Burgberger Rathaus sein Arbeitsplatz. Bürgermeister Dieter Fischer begann 1984 als geschäftsleitender Beamter und wurde 1990 zum Bürgermeister gewählt. Der 65-Jährige geht nun in den Ruhestand.

Bild: Silvia Reich-Recla

36 Jahre war im Burgberger Rathaus sein Arbeitsplatz. Bürgermeister Dieter Fischer begann 1984 als geschäftsleitender Beamter und wurde 1990 zum Bürgermeister gewählt. Der 65-Jährige geht nun in den Ruhestand.

Bild: Silvia Reich-Recla

Die Arbeit als Bürgermeister fasziniert den 65-Jährigen immer noch. Allerdings hat sich in drei Jahrzehnten viel verändert.  Jetzt lernt Fischer Italienisch.
29.04.2020 | Stand: 14:50 Uhr

Einfach geht heute in einer Gemeinde wie Burgberg nichts mehr. Es braucht einen „zertifizierten Baumgutachter“ für die gemeindlichen Gehölze, jährliche Sichtprüfungen für Brücken und „jeder Bebauungsplan ist so dick wie ein kleines Buch“, sagt Bürgermeister Dieter Fischer (65) und fügt an: „Sie können sich nicht vorstellen, wie sich das alles von 1990 bis heute geändert hat.“ Dieter Fischer (FW) ist 30 Jahre im Amt und der derzeit dienstälteste Rathauschef im Oberallgäu. Er geht zum 1. Mai in Ruhestand, dann übernimmt André Eckardt (CSU).

Nein, Wehmut ist da nicht dabei, sagt Fischer. Der gebürtige Buchenberger, der in Kempten aufgewachsen ist, bewarb sich 1984 auf die Stelle als geschäftsleitender Beamter in Burgberg. Er wollte möglichst nah an den Bergen sein, um dort Radeln und Laufen zu können. Nach sechs Jahren in der Verwaltung trat er als einziger Bürgermeisterkandidat an. Der amtierende Ludwig Rogg war zu diesem Zeitpunkt schon schwer krank und starb einige Monate später.

Anfang der 90er Jahre sei Burgberg die erste Gemeinde gewesen, die am Bergwald-Schutzprogramm beteiligt war. Damals habe „Wiebke“ verheerende Schäden angerichtet. Das Programm läuft immer noch. Vor Kurzem war Sturm „Sabine“ die Übeltäterin. Fischer sagt: „Ein Konzept für einen tragfähigen Schutzwald ist wichtig.“ Es sehe derzeit schlimm aus an der Straße Richtung Berggasthaus Alpenblick. Umgeknickte Bäume seien zu sehen und auch die Nadeln der Fichten am Waldrand seien „zundertrocken“. Fischer sagt: „Der Wald hat ein Riesenproblem.“ Immer wieder kämen Gruppen, um Bäume im Schutzwald zu pflanzen. „Vor Kurzem war auch eine Friday-for-Future-Aktion am Hörnle, da haben die jungen Leute gleich mal erleben können, was aktiver Klimaschutz bedeutet.“

Er selber hat am Grünten auch ein Grundstück. Die Waldpflege dort sei in den vergangenen Jahren etwas zu kurz gekommen. Jetzt will er sich darum kümmern und auch die Wiese mähen. „Das mach’ ich alles selber.“ Eigentlich wollte er ja erst mal nach Italien reisen, aber die Corona-Pandemie lässt das zur Zeit nicht zu. In der Nähe des Nationalparks Cilento hat er mit seiner Frau Gabriele eine eigene Unterkunft. „Da schauen jetzt die Nachbarn nach dem Rechten.“ Das Paar hat dort auch Freunde. Allerdings, so gibt Fischer zu, „meine Italienisch-Kenntnisse sind lange nicht so gut wie die meiner Frau.“ Aber in den kommenden Jahren habe er ja Zeit zu lernen. Einen zweiten Wohnsitz will er übrigens nicht in Italien, „immer nur wochenweise dort hinfahren“.

Viel gelernt habe er natürlich in seiner Zeit als Rathauschef. Diese Tätigkeit findet er nach wie vor „faszinierend, weil sie so vielseitig ist“. Er mag den direkten Draht zum Bürger und vor allem das Gestalten. Er nennt den Sportplatz, die Vergrößerung von Kindergarten und Schule, die Entwicklung des Dorfplatzes. Ein Bürgermeister sei einer, der „eigene Konzepte entwickelt, Projekte vorbereitet“. Manchmal allerdings, da gehe es einfach nicht weiter. Er nennt den geplanten Handystandort im Dorf: „Die Telekom rührt sich einfach nicht mehr.“ Beim Glasfaserausbau seien Subunternehmer aus Tschechien, teilweise sogar aus Ägypten mitbeteiligt. Und wenn dann was nicht funktioniert, „dann findest du keinen Ansprechpartner. Das ist manchmal reines Chaos.“

Zwei Drittel der Fläche von Burgberg sei Landschaftsschutzgebiet, Berge, Stein, Moor. „Wir sind in der Entwicklung beschränkt, das hat aber manchmal sogar Vorteile.“ Baugebiete seien immer kleinräumig ausgewiesen worden, überschaubar. Und Burgberg sei nicht zuletzt deshalb ein attraktiver Wohnort. Nicht die Gewerbesteuereinnahmen stehen oben in der Einnahmeliste der Gemeinde. „Die Einkommenssteuer ist unser Goldesel“, sagt Fischer. Das lässt darauf schließen, dass viele Burgberger gut verdienen.

Im Gemeinderat habe es immer sachliche Auseinandersetzungen gegeben. Er spricht von guter Zusammenarbeit, auch mit den Mitarbeitern in der Verwaltung. Aber jetzt, jetzt geht er ohne Wehmut. 36 Jahre im Rathaus Burgberg zu arbeiten, das sei eine lange Zeit. Dieter Fischer freut sich auf den Ruhestand.